Kommunion für nichtkatholische Ehepartner?

„Fortschritte im Schneckentempo“ hat das Konradsblatt (10.2018, S. 4) einen Artikel von Ludwig Ring-Eifel überschrieben. Worum geht es? Die deutschen Bischöfe haben auf ihrer Frühjahrskonferenz in Ingolstadt eine Orientierungshilfe zur Frage des Kommunionempfangs konfessionsverschiedener Ehepartner mit „großer Mehrheit“ beschlossen. Die neuen Leitlinien sind noch nicht veröffentlicht, weil die Bischöfe eine mehrwöchige Einspruchsfrist haben.
Das weltweit geltende Kirchenrecht von 1983 sagt im Kanon 844,1: „Wenn Todesgefahr besteht oder wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage dazu drängt, spenden katholische Spender diese Sakramente erlaubt auch den übrigen, nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die … von sich aus darum bitten, sofern sie bzgl. dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind“ (Zitiert nach Konradsblatt 10.2018, S. 4).
Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche (EKD) Heinrich Bedform-Strom hat den mehrheitlichen Beschluss der deutschen Bischöfe als „Richtungsentscheidung“ bezeichnet und als einen „weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg der Ökumene“ (Konradsblatt 10.2018, S. 4).
Kardinal Gerhard Müller sieht das anders: „Ein ökumenischer Fortschritt wäre nur dann gegeben, wenn wir dem großen Ziel der Einheit der Christen in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche Gottes näher kommen. Voraussetzung dafür wäre aber die Anerkenntnis der Sakramentalität der Kirche und der Tatsache, dass wir über die Sakramente keine Verfügungsgewalt haben“ (Die Tagespost, 1.3.2018, S. 11).
Müller weiter zur Annäherung der Konfessionen: „Pastorale Praxis und kirchliche Lehre lassen sich nicht voneinander abkoppeln.“ Müller fragt: „Ob Bischofskonferenzen im Einzelfall ihre Kompetenz nicht überschreiten. Sie haben keinerlei Vollmacht, Glaubensfragen so zu entscheiden, dass in der praktischen Konsequenz etwas herauskommt, das mit dem Glauben nicht vereinbar ist.“ Weiter: „Das Lehramt ist den Hirten nicht übertragen worden, um Macht über andere auszuüben, sondern um die ihnen lediglich anvertraute Lehre Christi treu und unverkürzt allen Gläubigen weiterzugeben.“
Zu den im vierten Absatz des Kanons 884,1 aufgeführten Ausnahmefällen, stellt Kardinal Müller zusammen mit dem Kirchenrechtler Gero Weishaupt fest: „Eine konfessionsverschiedene Ehe ist keine Notsituation“, weiter: „Weder der Papst noch der Bischof kann die Sakramente umdefinieren zu einem Mittel, um psychische Nöte zu lindern und spirituelle Bedürfnisse zu stillen.“ Die Formulierung „Einzelfälle“ hält Kardinal Müller für „einen rhetorischen Trick“.
Die Kommentierung der mit „Mehrheit“ beschlossenen Richtlinien zeigen einmal mehr, dass Wissen und Verständnis der Eucharistie, der Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi, aber auch das der Sakramente insgesamt bis zur Unkenntnis verblasst sind.
Wenn Ring-Eifel zur Situation des bisherigen Zustands feststellt, dass „Tausende protestantischer Ehepartner ohne rechtliche oder seelsorgerliche Klärung quasi selbstverständlich das katholische Altarsakrament empfangen, und das nicht nur aus Sicht von Kirchenrechtlern „verwirrend“ ist, so gibt er damit nur einen Teilaspekt der Gesamtsituation wieder. Denn auch Katholiken gehen massenhaft zum Kommunionempfang ohne „disponiert“ zu sein, weil der Empfang des Bußsakraments heute bei 1-2% liegt. Priester und Bischöfe, die noch einen Kontakt zur kirchlichen Realität haben, kennen diese Situation. Sie kennen sie auch deswegen, weil sie wissen müssen, wann sie das letzte Mal über die Voraussetzung für den Kommunionempfang in Predigt und Katechese gesprochen haben.

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Kommunion für nichtkatholische Ehepartner?

  1. Mathias Wagener sagt:

    Es macht doch keinen Sinn, die Kommunion im römisch-katholischen Verständnis empfangen zu wollen, wenn man an dieses Verständnis eben nicht glaubt. Wer das Abendmahl zum Beispiel als Erinnerungsakt sieht, der kann doch mit der Kommunion rein gar nichts anfangen. Oder wer gar nur das sieht, was zu sehen ist, die Oblate, der muss sie doch nun wirklich nicht essen für die Demonstration einer nun wirklich nicht vorhandenen Einheit. Der Gläubige muss doch das Recht noch haben, die Kommunion nach der Lehre der römisch-katholischen Kirche zu empfangen und nicht einen Mischmasch für eine nicht herstellbare Scheineinheit hinnehmen zu müssen. So schafft man nämlich in der Beliebigkeit die Kirche ab.
    Die kirchlichen Lehren sind allgemein verbindlich und können nicht nach Gusto und Willkür der regionalen Bischöfe abgeändert werden.

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