Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag

„Niemand hat Gott je geschaut. Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht – Er hat Kunde gebracht.“
So gibt, liebe Schwestern und Brüder, das Johannesevangelium in seinem Prolog Auskunft über Gott: Gott, das große, jeden Menschenverstand übergreifende Geheimnis; Gott, den nie ein Mensch in seiner ganzen Herrlichkeit schaute. Und dennnoch: Gott gibt sich den Menschen preis, Gott gibt von sich Kunde durch seinen Sohn, der selber Gott ist aber Mensch wird, um den Menschen Gott zu enthüllen.
Am Anfang seines Wirkens als Kundebringer des Vaters steht das Gottesbild, das wir im Festgeheimnis von heute feiern. Da steht Jesus Christus von Johannes getauft im Wasser des Jordan. Gottes heiliger Geist schwebt in Gestalt der Taube über Ihm und Gott Vater, die Stimme vom Himmel, spricht: „Dies ist mein geliebter Sohn, auf Ihn sollt ihr hören.“ Hier begegnet uns die Dreiheit in der Einheit und dann am Ende seines Wirkens auf der Erde vor seiner Himmelfahrt. Da bestätigt Jesus Christus nochmals seine Kunde, die Er von Gott den Menschen brachte. Nochmals macht Er in seinem Auftrag klar, wer Gott ist: „Tauft alle Menschen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ Wieder sehen wir die Dreiheit in der Einheit.
Das ist die Kunde von Gott, die der einzige, Christus, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, den Menschen und der Welt für alle Zeiten gebracht hat: Gott ist JAHWE, der ICH BIN DA, der Jesus Christus, sein einziges Wort, und seinen Geist der Welt gesandt hat. Ein fürwahr großes Glaubensgeheimnis!
In unserem Christus-Bekenntnis also steckt der Schlüssel zu Gott. Christus als Gottes Sohn anbeten und bekennen ist die volle Erkenntnis Gottes! Nicht die Formel vom gleichen Herrgott gilt, den doch alle haben. Es gilt nicht: alle haben den gleichen Gott, egal wie Menschen ihn beschreiben oder nennen. Richtig ist die Kunde, die Gottes Sohn brachte, das was Jesus Christus kündete: „Es gibt nur den einen Gott, meinen Vater, von dem Ich, der Sohn Gottes euch Kunde brachte.“ Das ist unsere christliche Gotteslehre.
In einer Zeit der ach so beliebten Quizshows, drängt sich uns das Bild auf von dem Quiz, das Jesus Christus einst am See von Tiberias unter seinen Jüngern veranstaltete. Seine Quiz-Frage – im Bild gesprochen- lautete: „Für wen haltet ihr mich?“ Und die Antworten der Jünger lauteten: die einen – für Elia, andere – für Jeremia, viele – für Johannes den Täufer, einige – für sonst einen Propheten.
Aber alle diese Antworten brachten keinen Gewinn. Die Antwort des Petrus war die richtige: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Diese Antwort brachte und bringt den Hauptgewinn, den kostbarsten Gewinn, den Gewinn der Erkenntnis Gottes!
Die Erkenntnis Gottes ist das Bekenntnis: Allein in Christus ist das Heil. Allein Christus ist Gottes Sohn, ja Gott. Er, der am Herzen des Vaters ruht und den Menschen Kunde von Gott gebracht hat!
Diese Erkenntnis Gottes feiern wir heute am Dreifaltigkeitsfest. Und wenn wir diese Kunde von Gott, die Jesus Christus brachte, die an uns in Taufe und Firmung besiegelt wurde, zu DER KUNDE, zu der Botschaft unseres Lebens machen, dann tauchen wir ein in das Geheimnis des Dreifaltigen Gottes. Zutiefts greifbar wird diese Gottesgemeinschaft, wenn Gott Vater selbst, in unserer Mitte Seinen Geist auf die Gaben von Brot und Wein sendet, damit sie uns werden Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus. Dann wird die Kunde, die Jesus Christus vom Vater brachte, uns sogar zur Speise und zum Trank.
Das Fronleichnamsgeheimnis, das wir am Donnerstag feiern, diese höchste, uns schon zur Erdenzeit anvertraute Gottesoffenbarung, gilt es als höchstes Gut zu schützen und zu bewahren vor Gleichmacherei, Verwässerung und falsch verstandener Ökumene. Die Eucharistie gewährt uns Gemeinschaft mit Christus und mit dem Vater im Heiligen Geist. Größere Nähe Gottes, größere Kunde von Gott kann es auf Erden nicht geben.
Um diese Erkenntnis Gottes in Jesus Christus und im Geheimnis der Eucharistie wollen wir uns mühen und nach dieser Kunde Gottes streben, so wie es der heilige Thomas von Aquin in seinem Fronleichnam-Hymnus bekennt:
Gottheit, tief verborgen
betend nah ich Dir;
unter diesem Zeichen
bist du wahrhaft hier.
Sieh´, mit ganzem Herzen
schenk ich Dir mich hin,
weil vor solchem Wunder
ich nur Armut bin.     Amen.

Pfarrer Ralf Hiebert, St. Ludwig, Saarlouis, am Dreifaltigkeitssonntag 2013

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