Wie man sich Träume erfüllt

Mit der einnehmenden Überschrift „Es gibt keine Kinder zweiter Klasse“ versucht Andreas Schopf in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ, 21.3.2018) moderne Fortpflanzungstechniken, selbst, wenn sie der menschlichen Würde widersprechen, und jede Art von Embryonenspenden salonfähig zu machen. Schopf drückt dabei kräftig die Emotionstaste mit Worten wie „Paare in Verzweiflung“ oder „ein Verbot der Embryonenspende würde die Paare ins Ausland treiben“. Das letztere Argument kennen wir gut von der Auseinandersetzung in der Abtreibung und dem assistierten Suizid.
Natürlich gibt es keine Kinder „zweiter Klasse“. Das gilt selbst für Kinder, die keine „Wunschkinder“ sind, ja sogar für solche, die durch eine Vergewaltigung entstanden sind und natürlich auch für Kinder, die aus einer Embryonenspende von ganz verschiedenen Menschen stammen. Der Autor gesteht zu: „Sicher ist es für Kinder belastend, verstreute genetische Wurzeln zu haben“.
Embryonenspenden werfen ethische Fragen, auch in einer postmodernen Gesellschaft auf. Der Kinderwunsch ist legitim. Prof. Manfred Spieker sagt: „Die Fortpflanzung gehört zu den zeit- und kulturunabhängigen Bedürfnissen der menschlichen Natur. Dass Mann und Frau sich danach sehnen, miteinander Vater und Mutter zu werden, ist Teil der menschlichen, geschlechtsbezogenen Identität… die Legitimität einer medizinischen Intervention bei der Fortpflanzung hängt aber davon ab, dass sich der Arzt der Tatsache bewusst bleibt, dass er es nicht nur mit dem Kinderwunsch eines Paares, sondern mit dem Kind als einem dritten Subjekt zu tun hat. Das Kind als eigenständiges Subjekt, dem Menschenwürde zusteht, aber ist das große Tabu der assistierten Reproduktion“. Die Sicht des Journalisten Schopf drückt sich in dem Satz aus: „… da werden Zellen im Reagenzglas befruchtet, eingefroren und später eingepflanzt. Diese Möglichkeiten sind eine Errungenschaft der modernen Wissenschaft. Auf manchen mögen diese Formen der Fortpflanzung befremdlich wirken, doch es ist gut, dass es sie gibt“. Für Andreas Schopf erfüllen sich mit Hilfe der modernen Fortpflanzungstechniken „Paare ihren Traum“. Der Autor macht sich keine Gedanken, dass befruchtete Embryonen Menschen im Frühstadium ihrer Existenz sind, auch nicht darüber wie viele überzählige befruchtet Embryonen, d.h. Menschen, vernichtet werden. Für ihn gilt, was der Mensch will und kann sollte auch rechtlich möglich sein. Es ist die Idee der grenzenlosen Machbarkeit. Der Mensch wird so zur Sache bzw. zur Ware. Spieker äußert dazu: „Die menschliche Fortpflanzung ist mehr als ein technisches Verfahren. Sie ist die Frucht einer geschlechtlichen Vereinigung, in der Mann und Frau mehr sind als Rohstofflieferanten…“ Mit der Verteidigung der Sexualität und des ehelichen Liebesaktes als einer leib-seelischen Einheit bringt die katholische Kirche zum Ausdruck, dass es eine Würde der menschlichen Fortpflanzung gibt.

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Wie man sich Träume erfüllt

  1. Der gefühlig-menschelnde Ton, der von den Promotern dieses lukrativen Gewerbes kühl-kalkuliert angeschlagen wird, war bereits im letzten Jahr bei der Generalsekretärin der FDP, Nicola Beer, im Interview mit der katholischen Zeitung „Die Tagespost“ zu hören. Sie warb, dass Eizellspende und nicht-kommerzielle Leihmutterschaft „unter bestimmten Umständen eine richtige Entscheidung sei“. Nach den üblichen Floskeln und Kautelen stellte sie fest, dass es bei Paaren, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen könnten, „viel Schmerz und Trauer“ gebe. Es sei „nicht angebracht“, dem „Lebensglück von Menschen rigorose Riegel vorzuschieben.“ Diese seltsam pathetischen Sätze beschreiben präzise den “Kult des Menschen“, den Hominismus: Der Mensch definiert autonom seinen Lebensstil, den er als sein „Lebensglück“ versteht und begreift alle Hemmnisse lediglich als störende „Riegel“, die beseitigt werden müssen. Seien es Naturgesetze, ethische Gebote oder göttliche Offenbarung – was seinen Drang zur Selbstverwirklichung hemmt, muss „überwunden“ werden. Setzt doch der „aufgeklärte“ Mensch seinen egoistischen Willen absolut und wird immer unduldsamer gegenüber Gegebenheiten, die diesem entgegen stehen. Seit der „Aufklärung“ löste er sich aus der behausten Sicht des Geschöpfes und beginnt, sich – zunehmend herrisch – als Schöpfer zu gerieren. Mithilfe biotechnischer Möglichkeiten steht die Schaffung des Menschen durch den Menschen im Raum. Wenn der Mensch die göttliche Ordnung nicht mehr respektiert, dann steht seiner Hybris nichts mehr im Wege. Dann werden biologische Gesetze als ungerecht empfunden, da sie seinen, praktischerweise von ihm selbst kreierten, „Menschenrechten“ entgegenstehen. Wenn die Natur es eingerichtet hat, dass zwei Menschen genetisch bedingt sich nicht fortpflanzen können, wird dies nicht als naturgegeben akzeptiert, sondern als ärgerlicher „Betriebsunfall“ gewertet, der nun aber schleunigst zu korrigieren ist. Die (menschlich natürlich verständliche) Trauer bei den Betroffenen wird perfide als Entschuldigung instrumentalisiert, um medizinisch der Natur „auf die Sprünge“ zu helfen. Will doch der „allmächtige“ Mensch selbst bestimmen, wer wann wie geboren wird. Der Mensch verteidigt rabiat die Vorstellung, welche er als sein Lebensglück definiert gegen alle Hemmnisse, welche sich diesen entgegenstellen. Seien diese naturgesetzlicher, religiöser oder sonstiger Art. Bei solchen größenwahnsinnigen Vorhaben stehen die Gebote Gottes nur im Wege und selbst der Respekt vor der Natur und ihren Gesetzen erscheint verzichtbar.

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