Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Toribio Alfonso de Mogrovejo

Am 21. Januar 2018 hat Papst Franziskus in Lima vor den Bischöfen von Peru über den Hl. Toribio Alfonso de Mogrovejo gesprochen. Was bewog den Papst, an einen Bischof des 16. Jahrhunderts zu erinnern und warum greifen wir das im „Fels“ auf? Toribio war ein leidenschaftlicher und wahrer Hirte. Er ist ein Vorbild nicht nur für die Bischöfe von Peru, sondern weltweit – und auch heute!
Als Toribio 1580 von Spanien in die Neue Welt aufbrach und seine Diözese übernahm, war er 42 Jahre alt. Lima war damals der politische und kirchliche Mittelpunkt von Südamerika. Seine Diözese erstreckte sich über 5000 km von Panama zum Rio de la Plata. In seinen 22 Bischofsjahren besuchte er viermal auf seinen Pastoralreisen das riesige Gebiet. Unterwegs mit einem Maulesel auf Pfaden, die, um mit seinem Sekretär zu sprechen, mehr für Ziegen als für Menschen geeignet waren, nahm Toribio alle Strapazen auf sich, um bei den Gläubigen das Wort Gottes zu predigen, die Priester zu bestärken und die Verhältnisse vor Ort kennenzulernen. In seiner Bischofszeit war Toribio insgesamt 18 Jahre auf Missionsreisen unterwegs.
Toribio erkannte auf seinen Pastoralreisen rasch, dass man nur dann von den Indios verstanden wird, wenn man ihre Sprachen Quechua und Aimara spricht, so wie man sich im digitalen Zeitalter in der Sprache der Kinder und Jugendlichen ausdrücken muss, wenn man sie erreichen will. Toribio lernte die Sprachen der Indios und verlangte das auch von den Priestern und Ordensgeistlichen. An der 1551 in Lima gegründeten Universität wurden Lehrstühle für die Indiosprachen eingerichtet. Der auf dem dritten Konzil von Lima 1583 erarbeitete Katechismus kam in Spanisch, Quechua und Aimara heraus.
Toribio wurde auf seinen Pastoralreisen auch klar, dass man nicht Nächstenliebe predigen kann, wo die Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird. Er stellte fest, dass die Eingeborenen dem Amtsmissbrauch und Exzessen verschiedener Art ausgeliefert waren. Er sah nicht darüber hinweg. 1585 exkommunizierte er z.B. den höchsten Beamten von Cajatambo. Toribio sah sich einem System von Korruption und einem Netzwerk von Interessen gegenüber, das bis zum Vizekönig reichte. Aber Toribio hatte den Mut, gegen die Staatsmacht aufzutreten, wenn es um Gerechtigkeit ging. Auch darin ist er ein Vorbild für unsere Zeit.
Toribio verdiente sich den Ruf eines Reformers auch durch die Neuordnung der Priesterausbildung. Er gründete das erste nachkonziliare (nach Trient) Priesterseminar in der Neuen Welt. Er setzte gegen Widerstand durch, dass auch Priester aus der südamerikanischen Ortskirche hervorgehen konnten. Um die Kirche zu reformieren berief Toribio zwölf Diözesansynoden ein. Diese fanden nicht nur in der Hauptstadt Lima statt, sondern auch in Pfarreien, in denen sich Erzbischof Toribio gerade aufhielt. Das Gesicht der lateinamerikanischen Kirche prägten aber die großen Bischofsversammlungen, zu denen alle Bischöfe zwischen Panama und dem Rio de la Plata erschienen. Das dritte Konzil von Lima gilt als das „amerikanische Trient“. Es war die Krönung des Lebenswerkes Toribios.
Mit 72 Jahren brach Erzbischof Toribio 1605 zu seiner letzten Pastoralreise auf. Von dieser kam er nicht mehr lebend zurück. Er starb in einer kleinen ärmlichen Kirche inmitten der Indios, denen seine große Liebe gegolten hatte.
Toribio Alfonso de Mogrovejo ist der Schutzpatron der lateinamerikanischen Bischöfe.

Hubert Gindert

Bild: Wikimedia free

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