Der Wind dreht sich

Die Anfrage der sieben Bischöfe in Rom, ob der Mehrheitsbeschluss der deutschen Bischofskonferenz zur Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare mit dem Glauben und der Einheit der Kirche in Einklang steht, hat in Deutschland zu erheblichen Veränderungen geführt: Die Eucharistie und ihr Zusammenhang mit den übrigen Sakramenten ist in den Mittelpunkt gerückt worden. Die bisherige wohlwollende Berichterstattung über Papst Franziskus hat sich geändert. Die Instrumentalisierung von Papst Franziskus für kirchenpolitische Zwecke geht sowohl innerkirchlich wie Seitens der Medien dem Ende zu. Hatten die bisherigen „Sympathisanten“ die deutlichen Worte des Papstes, z.B. gegen Abtreibung, Genderideologie und die Existenz des Teufels überhört, so werden nun seine Worte zu Ehe und Familie, zur Homosexualität etc. hervorgeholt, um aufzuzeigen, dass Reformen mit Franziskus schwierig sind.
Erzbischof Charles J. Chaput hat in seinem Beitrag „Warum ein deutscher Sonderweg gefährlich wäre“ (Tagespost, 30.05.18) den engen Zusammenhang von Eucharistie mit den anderen Sakramenten in sechs Punkten deutlich gemacht. Chaput: „Da ist zum Einen die globale Bedeutung der Kontroverse und zum Anderen der lehramtliche Inhalt der Debatte. Wer wann und wo die Eucharistie empfangen darf, sind keine rein deutschen Fragen“.
Regina Einig und Guido Horst lassen im Artikel „Die Stunde der Kirchenrechtler“ (Tagespost, 14.6.18) den Kirchenrechtler Christoph Ohly zu Wort kommen. Der eigentliche Streitpunkt ist die Frage des „Notstandes“, der im Kirchenrecht (Can. 844) geregelt ist. Johannes Paul II. habe damals „in seiner eucharistischen Enzyklika bewusst von einer geistigen Notlage im Hinblick auf das Heil der Christen gesprochen und damit die bisherige Interpretation der Kirche, dass dies in Zeiten der Verfolgung oder des Gefängnisses gegeben ist, bestätigt. Die konfessionsverschiedene Ehe… würde nicht darunter gezählt, da es sich bei ihr nicht um eine Notlage handelt und die fehlende Einheit in der kirchlichen Gemeinschaft eine regelmäßige gemeinsame Kommunion ausschließt“. „Was den Unterschied zwischen Notlage und geistlichem Bedürfnis angehe“ – das wird von der Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz aufgeführt wird – „so ist das Bedürfnis kein Rechtsgrund, erläutert man im Vatikan“.
Die Sicht der Bischöfe der Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz nach dem Schreiben aus Rom, drückt Bischof Gerhard Feige so aus: „Die Enttäuschung ist bei vielen groß. Der Schaden noch nicht abzusehen… Verbitterung und Resignation machen sich breit“, so im „Nachruf auf eine unsägliche Entwicklung“. Kardinal Walter Kasper ist „zornig“. Er sieht einen „Loyalitätsbruch in der Kurie“. „Kardinal Marx meldet weiteren Gesprächsbedarf an“ (Konradsblatt 25.2018, S.3). Die immer wieder vorgebrachte dreiviertel Mehrheit, auf die ge-pocht wird, zeigt, dass nicht die Frage, ob der Beschluss der Bischöfe dem Glauben und der Einheit der Kirche entspricht im Mittelpunkt steht, sondern wie weit „Demokratie in der Kirche“ und der Relativismus in das Kircheninnere eingedrungen sind.
Jetzt wird Papst Franziskus in der säkularen Presse, die ihn bisher für ihre kirchenpolitische Zwecke instrumentalisiert hat, angegriffen. So schreibt die Süddeutsche Zeitung: „Der Brief aus Rom zeigt: Papst Franziskus mag radikal sein, wenn es um Flüchtlinge und die Globalisierungskritik geht – in innerkirchlichen Fragen ist er viel weniger ein Reformer, als viele erhofften… So hat er gerade erst bekräftigt, dass Frauen nicht die Priesterweihe empfangen können“…“Die Frankfurter Rundschau schrieb: „Der Papst hat sein eigenes Reformprogramm schwer, wenn nicht irreparabel beschädigt. Der erste Testfall dezentraler, an regionalen Gegebenheiten angepasster Regeln ist krachend gescheitert, die Protagonisten – allen voran Kardinal Marx als Vorsitzender der Bischofskonferenz – wurden böse desavouiert“ (Konradsblatt 25.2018, S. 2). Die Augsburger Allgemeine Zeitung schreibt „Priester wenden sich gegen Vatikan – Geistliche aus dem Bistum für Kommunion auch für Protestanten“. 58 Mitglieder der Priesterinitiative der Diözese Augsburg erklären: „Es schmerzt uns, dass diese Chance durch unsägliche Querelen und durch ein völlig unvermitteltes Nein aus Rom zunichte gemacht wurde“ (15.6.18). In der gleichen Zeitung heißt es am 18.6.18 unter der Überschrift „Familien nur mit Mann und Frau – der Papst schließt Homosexuelle aus“.
Jetzt, wo sich zeigt, dass Papst Franziskus auf die Wünsche der Kirchenveränderer nicht eingeht, wird er zum Gegenstand von Kritik. Der Wind dreht sich.

Hubert Gindert

Artikel wird auch in „Der Fels“ erscheinen

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