Wie gehen wir heute mit dem Begriff des „Martyriums“ um?

Mit der Feier des Pfingstereignisses beendet die Kirche die österliche Zeit. Als der Geist Gottes auf die Urgemeinde herabkam, verstanden alle Menschen, die aus der damals bekannten Welt in Jerusalem zusammenkamen, die Rede von Petrus.
Als Papst Franziskus an Ostern 2018 die Krisengebiete unserer Tage von Venezuela über die Ukraine, Syrien bis Afghanistan ansprach, fragten die politisch Verantwortlichen nicht, wie damals die Zuhörer in Jerusalem „Was sollen wir tun?“, sie wollen heute die Antwort des Petrus „Kehrt um!“ nicht hören. Deswegen lösen die Zusammenkünfte in New York, Brüssel oder Berlin nicht die Probleme unserer Zeit. Wir feiern, eher rückwärtsgewandt Ereignisse, die unsere Gesellschaft gespalten und radikal verändert haben, wie den 200. Geburtstag von Karl Marx und die 68er Revolution vor 50 Jahren.
Der von den 68ern ausgelöste Damm- und Kulturbruch wirkt bis heute weiter: In der „Ehe für Alle“, in der Genderideologie, im portugiesischen Parlamentsbeschluss, wonach alle 16Jährigen, sogar in den offiziellen Dokumenten, ihr Geschlecht selbst bestimmen. Das ist im Grunde nicht ein Aufstand gegen ewig gestrige Konservative, sondern gegen Gott und gegen seine Schöpfungsordnung!
Wenn sich gegen diese Kulturrevolution Widerstand regt und daran erinnert wird, dass das Kreuz das Symbol unserer christlich geprägten Kultur ist, wie das der Ministerpräsident von Bayern getan hat, setzt eine Hetzkampagne in den Medien ein. Als in den 90er Jahren das Verfassungsgericht untersagte, Kreuze in den Schulen aufzuhängen, riefen der damalige Münchner Erzbischof und der Ministerpräsident von Bayern zu einer Demonstration in München auf: Tausende kamen, um ihren Protest auszudrücken. Wird der heutige Münchner Erzbischof zu einer Demonstration aufrufen?
Im Juni gedenken wir des heiligen Bonifatius, des ersten Apostels der Deutschen. Er ordnete gegen erheblichen Widerstand verweltlichter Bischöfe das verlotterte kirchliche Leben neu. Das wäre auch heute notwendig. Das bekannte Beispiel der „sieben Bischöfe“, die in Rom den Mehrheitsbeschluss der deutschen Bischofskonferenz überprüfen lassen, ob er mit dem „Glauben und der Einheit der Kirche“ übereinstimmt, lässt hoffen.
Wer bereit ist, die religiöse und kirchliche Situation in Deutschland zur Kenntnis zu nehmen, weiß, welche Eigenschaften notwendig sind, um die Verhältnisse heute neu zu ordnen. Es sind dieselben, die Bonifatius vorgelebt hat: „Das Martyrium“. Das sieht heute bei uns anders aus als zur Zeit des heiligen Bonifatius.
Martin Mosebach beschreibt es im PUR magazin 4/2018 so: „… Das Phänomen des Martyrers, der ganz bewusst für Christus leidet, löst eine gewisse Verlegenheit in der gegenwärtigen Welt aus. Da tritt eine Unbedingtheit des Bekenntnisses hervor, die uns irgendwie ein bisschen peinlich ist. In einer Welt, in der Dialog, Toleranz, Konsens, Kompromiss bis hin zum Indifferentismus große soziale Werte sind, wirkt derjenige, der bis zum Tod bei seiner Sache bleibt, eigentümlich starrsinnig, unbeweglich, fanatisch, fast bedauernswert vernagelt – kein wirkliches Vorbild. Aber für die Christen der frühen Jahrhunderte besaßen die Martyrer eine ganz eminente Funktion“.

Hubert Gindert

Erschienen in „Der Fels“ Ausgabe Juni 2018

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