Der Katholikentag „Suche den Frieden“ war eine vertane Chance.

Wir leben in einer desorientierten westlichen Welt, in der es zunehmend schwierig wird, das Geschehen in Gesellschaft, Politik und teilweise auch in der Kirche zu verstehen. Veranstaltungen wie der Katholikentag mit dem Motto „Suche Frieden“ hätten Licht in das Dunkel bringen können. Ist das in Münster geschehen? Denn bedrängende Fragen warten auf eine Antwort. Ich nenne einige:
Ist der Islam, der an der Identifikation zwischen staatlicher und göttlicher Autorität festhält, mit der Werteordnung des Grundgesetzes vereinbar?
Wie können Religions- und Gewissensfreiheit gewahrt werden angesichts staatlicher Gesetze, die im Widerspruch zum Glauben stehen, weil sie die Mitwirkung bei Abtreibung und Suizid fordern?
Ist bei der anhaltenden Massenabtreibung, die Teresa von Kalkutta als die größte Gefahr für den Frieden bezeichnete, nicht eine Revision der Abtreibungsregelung erforderlich? Darf der Mensch alles, was er kann, z.B. in der Gentechnologie? Was sind die Ursachen der demographischen Entwicklung und wie kann eine demographische Katastrophe abgewendet werden?
Auf diese und weitere Fragen hätten die Katholiken in der Sozialbotschaft der Kirche einen klaren Kompass. Er wurde nicht gebraucht, weil die Regie Themen, die den Katholikentag in Widerspruch zur Bundesregierung und zur vorherrschenden Medienmeinung gebracht hätten, vermieden hat.
Ein Schlüssel zum Verständnis dieser Situation liefert Benedikt XVI. mit seiner Feststellung: „Auch die soziale Umwelt hat ihre Verwundungen. Doch sie alle sind letztlich auf dasselbe Übel zurückzuführen, nämlich auf die Idee, dass es keine unbestreitbaren Wahrheiten gibt, die unser Leben lenken, und deshalb der menschlichen Freiheit keine Grenzen gesetzt sind“.
Der demokratische Staat regelt anstehende Fragen nach dem Mehrheitsprinzip. Das durch vorstaatliche Menschenrechte domestizierte demokratische Mehrheitsprinzip bleibt nur „tragfähig, wenn es im Glauben an einen Schöpfergott festgemacht ist“ (Benedikt XVI.). In der geistigen Entwicklung wird die christliche Grundlage unserer Verfassung immer mehr ausgehöhlt. Störende Sätze werden negiert oder durch eine „gesetzwidrige, aber straffreie“ Regelung in der politischen Praxis ersetzt. Der Staat hat sich der Diktatur des Relativismus gebeugt, wonach alle Wertvorstellungen als gleichrangig und gleichwertig gelten. Ein solcher Relativismus behindert aber Umdenken und Korrektur.
Das demokratische Mehrheitsprinzip und der Relativismus sind auch in die Kirche eingedrungen. Dies zeigte sich u.a. in den Forderungen auf dem Katholikentag nach der Segnung homosexueller Paare, dem Kommunionempfang konfessionsverschiedener Ehepaare, der Priesterweihe für Frauen etc. Die Gesinnung eines Teils des Katholikentags-Publikums zeigt sich darin, dass selbst die Verhöhnung der Eucharistie durch einen Kabarettisten mit großem Beifall bedacht wurde. Der Rat des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer sich auf den Weltauftrag der Laien zu konzentrieren – dafür gab es ausreichend Themen – wurde nicht beachtet. Wurde der Katholikentag dem Motto „Suche den Frieden“ gerecht? Das Ergebnis ist eher eine Spaltung der Katholiken. In jedem Fall war es eine vertane Chance.

Hubert Gindert

Erschienen in der Juliausgabe der Monatszeitschrift „Der Fels“

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