Kein zweite Chance?

„Wer ist umstritten“? Ein junger Mann, der vor einem Jahr zum Diakon und am 22. April 2018 zum Priester geweiht wurde.
Der neugeweihte Priester musste 2013 das Priesterseminar Würzburg verlassen. Der Grund: „Er soll mindestens drei KZ-Witze gemacht, sowie Adolf Hitler imitiert und parodiert haben.“ Das liegt fünf Jahre zurück! Nun haben wir von der AZ nie den Wortlaut der Witze erfahren, um uns über die Schwere des Inhalts ein Bild machen zu können. Und wer „Hitler imitiert und parodiert“ muss sich noch nicht mit der Person Hitler identifizieren. Wäre das so, dann müsste man den Sprecher auf dem Nockerberg oder bei Faschingsveranstaltungen, wenn andere Politiker „imitiert und parodiert“ werden, wohl mit ganz anderen Augen ansehen als bisher.
Bischof Hanke, der den jungen Mann zuerst zum Diakon und jetzt zum Priester geweiht hat, hat sich den Kandidaten genau angesehen, geprüft und prüfen lassen. Er kam zur Überzeugung „der junge Mann habe sich geändert“. Das wurde aus der Sicht der Vorgesetzten und „auch durch mehrere Gutachten anerkannt“. Der Diakon, der zum Priester geweiht wurde, sprach „gegenüber Journalisten von ‚Bockmist‘, den er gemacht habe und bat, die von ihm verletzten Menschen um Verzeihung. Er sei „weder Antisemit, noch Ausländerhasser oder Rechtsradikaler“.
Die entscheidende und grundsätzliche Frage ist, ob wir Angeklagten die Fähigkeit zuerkennen, ihre Gesinnung zu ändern und ihnen deswegen eine neue Chance geben. Die katholische Kirche hat eine lange Erfahrung damit. Bei jeder Beichte wird Barmherzigkeit praktiziert. Im Kalender ihrer Heiligen und Seligen finden sich auch ehemalige Verbrecher, Christenhasser und Christenverfolger, Sünder jeder Kategorie. Die Kirche hat mit „Barmherzigkeit“ gute Erfahrungen gemacht. Auch die Gesellschaft hat die Chance erkannt, dass es besser ist, den Versuch zu machen, straffällig gewordenen Verurteilten eine zweite Chance zu geben, wenn sie Zeichen der Reue erkennt, statt die Gefängnisse bis zum Dachboden anzufüllen. Garantie für die Richtigkeit einer solchen Annahme gibt es nicht. Die AZ sieht das offensichtlich anders – besonders bei Katholiken.

Hubert Gindert

Erschienen in der Juliausgabe der Monatszeitschrift „Der Fels“

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