2. Resolution des Forums Deutscher Katholiken beim Kongress „Freude am Glauben“ 2018.

Die Politik der Europäischen Union (EU) leidet unter einem Werteverlust

„Die Staatengemeinschaft der Europäischen Union wurde aufgebaut auf christlichen Wurzeln, was vor allem die Würde eines jeden Individuums meint, unabhängig von Geschlecht, Rang oder Volkszugehörigkeit. Menschenrechte und Menschenwürde wurden zur ethischen und moralischen Grundlage. Und diese Persönlichkeiten bestimmten als zentrale Akteure die Politik im Wiederaufbau Europas: Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi und Robert Schuman. Alle 3 hatten eine Vision von einem neuen Europa als gläubige katholische Christen mit gemeinsamen religiösen Werten und Überzeugungen.“
Dies stellten die Teilnehmer des 18. Kongresses „Freude am Glauben“ am letzten Wochenende in Fulda fest, der unter dem Motto stand: „Selbstbewusst mit Christus“.
Wenn man diese kongruente Sicht von Mensch und Gesellschaft der Gründerväter – Romano Guardini bezeichnete diese Vision einmal als „Seele Europas“ – , mit der heutigen Politik der EU vergleicht, kommt man leider zu dem Ergebnis, dass Europa kein gemeinsames Wertefundament mehr hat und wohl auch nicht mehr haben will. Dies bewiesen zentrale Felder der europäischen Politik wie z. B. bei Ehe und Familie, bioethischer Forschung, Lebensschutz, vor allem Abtreibung und Suizid-Assistenz, Anerkennung des Rechts sowie der Entwicklungs- und Migrationspolitik.
In diesem Zusammenhang wurde u. a. auf den „Internationalen Tag der Familie“ am 15. Mai, der von den EU-Institutionen totgeschwiegen wurde ebenso hingewiesen wie auf den erschütternden Fall des Jungen Alfie Evans, der Ende April in einem Krankenhaus dem Tod preisgegeben wurde, obwohl die Eltern die Weiterbehandlung ihres Sohnes wollten und dafür sogar den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte angerufen hatten, der ihren Antrag für unzulässig erklärte wie auch auf die Tatsache, dass eine europäische Bürgerinitiative zum verbesserten Tierschutz mit 1,1 Mio. Unterschriften angenommen und in konkrete Maßnahmen umgesetzt wurde, während die EU-Kommission die Initiative „One of Us“ mit 1,9 Mio. Unterschriften zur Streichung von Finanzmitteln für Forschungsprojekte zum Töten menschlicher Embryonen verworfen hat. Dies alles beweise, dass die EU in ihrem derzeitigen Zustand weit davon entfernt ist, noch eine Wertegemeinschaft auf christlicher Grundlage zu sein.
Die Kongress-Teilnehmer betonten ausdrücklich, dass sie eine vertiefte Integration der EU wollen, aber unter Wahrung von Solidität, Solidarität und Subsidiarität und eine EU als Wertegemeinschaft, die in ihrer konkreten Politik nicht nur auf Wachstum und Transferunion setzt, sondern wieder eine Gemeinschaft von Staaten wird, „die auf eine christliche Gesinnung Wert legt und die Rechte und Würde des Menschen über alles stellt.“

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Eine Antwort auf 2. Resolution des Forums Deutscher Katholiken beim Kongress „Freude am Glauben“ 2018.

  1. Dass die Genannten gläubige katholische Christen waren und „eine Vision von einem neuen Europa mit gemeinsamen religiösen Werten und Überzeugungen“ hatten, mag subjektiv durchaus stimmen. Objektiv können die Tatsachen der „europäischen Einigung“ aber auch anders gesehen werden, nämlich als von Anfang an – notfalls auf Umwegen – verfolgten Plans eines verbürokratisierten europäischen Superstaats. Betrachtet man sich beispielsweise die 1952 gegründete Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) einmal näher, fällt auf, dass sie mit ihrem sozialisierenden Politik-Ansatz, verbunden mit apparativen Strukturen, geradezu als Prototyp der immer weiter um sich greifenden heutigen EU-Bürokratie gelten kann. Bei der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) von 1952 verhält es sich nicht anders, sie sollte eine europäische Armee schaffen und damit auch eine weitere westeuropäische Einigung fördern. Das Projekt scheiterte 1954, als es im französischen Parlament keine Mehrheit erhielt. Nachdem die europäische Verschmelzung im militärischen und politischen Bereich scheiterte, nahm man pragmatisch Kurs auf eine wirtschaftliche Verschmelzung: Auf der Konferenz von Messina im Juni 1955 beschlossen die Außenminister der EGKS eine allgemeine wirtschaftliche Einigung der Volkswirtschaften, die Schaffung gemeinsamer supranationaler Institutionen, eine Sozialharmonisierung durch Verwirklichung allgemeiner Sozialstandards und eine Zusammenarbeit auf dem Nuklearsektor. Man beschloss auf der Konferenz von Messina die Einsetzung eines Regierungsausschusses unter Vorsitz von Paul-Henri Spaak („Spaak-Kommission“) zur Ausarbeitung der Grundlagen und Möglichkeiten des Gemeinsamen Marktes (Frage nach Einbeziehung verschiedener Wirtschaftssektoren). (https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Wirtschaftsgemeinschaft)
    Das zielgerichtete Vorgehen macht weniger den Eindruck einer Organisation des Europas unabhängiger Vaterländer, sondern eher den eines pragmatischen und flexiblen Abarbeitens einer Agenda mit dem Ziel „Superstaat Europa“. Und der europäische Zug rollte weiter streng nach diesem Fahrplan: es folgte die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit „Gemeinsamen Markt“ und Zollunion, um dann zur EG und schließlich zur EU zu werden. Das direkt gewählte Europa-Parlament oder die European Currency Unit – von 1979 (!) bis 1998 Rechnungswährung des Europäischen Währungssystems und Vorläufer des „Euro“ komplettierten das Bild. Wenn man ein direkt gewähltes Parlament hat, muß dieses logischerweise auch Kompetenzen bekommen. Wenn man mit dem viruellen „Ecu“ experimentiert, wird die reale Einheitswährung über kurz oder lang folgen. Kommt diese, wird der harmonisierte einheitliche Handelsraum auch kommen– und mit ihm der europäischen Finanzminister. Und was wäre ein Finanzminister ohne Europäische Regierung?

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