Leserbrief an die Tagespost zu “Karl Marx und das Menschenbild“ von Peter Schallenberg S.28

Dankenswerterweise zeigt Prof. Schallenberg, wie utopisch die Lehre von Karl Marx ist. Die Zeit der Verherrlichung dieses Ahnherrn so vieler Leichenberge scheint nun endgültig zu Ende zu gehen. Vor allem der Ausspruch von Nell-Breuning, nach dem wir alle auf den Schultern von Karl Marx stünden, wurde von Professor Konrad Löw im Fels Nr. 7/2018 als unbegründet entlarvt. Als der Jesuitenpater diesen fragwürdigen Ausspruch tat, war er noch der Meinung, dass die Spaltung der Gesellschaft in Klassen zuerst von Marx entdeckt worden wäre. Dies war aber ein schwerer Irrtum, wie Pater Nell-Breuning später selbst zugeben musste. Auch die gehässigen Äußerungen von Karl Marx selbst über die zeitgenössischen Sozialreformer sollten nicht unerwähnt bleiben. Über Bischof von Ketteler schrieb Marx : „Die Hunde kokettieren (z.B. Bischof Ketteler in Mainz, die Pfaffen auf dem Düsseldorfer Kongress usw.) wo es passend scheint, mit der Arbeiterfrage.“ (MEW Werke Bd. 32 Seite 371) Auch jene, die mehr oder weniger seine Gedanken übernahmen, wurden von Marx auf das Heftigste beschimpft, wenn sie es unterließen, Karl Marx als den Vater dieser Gedanken entsprechend herauszustellen. Wäre es ihm primär um die proletarische Sache gegangen und nicht um die eigene Person, so hätte er sich nicht über Spaltungen innerhalb des sozialistischen Lagers gefreut oder Krisen bewusst geschürt. Über einen Streit innerhalb der italienischen Sozialisten schrieb Marx:„Die Spaltung unter den Italienern ist wunderschön. Es ist vortrefflich, dass dem getriebenen Schwärmer Mazzini endlich die materiellen Interessen auch einmal in die Quere kommen. .. Auch die anderen Gründe der italienischen Dissidenten sind erfreulich, und schließlich ist es sehr schön, dass die einzige bisher wenigstens öffentlich ungespaltene Emigration jetzt sich auch in den Haaren liegt.“ (MEW, Werke Bd. 27, Seite 342) Karl Marx hat über die Misserfolge seiner Weggenossen eine abnorme Freude empfunden statt sie zu bedauern.

Dr. Eduard Werner

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