Leitbilder sind gefragt. Gedanken am Grab des heiligen Bonifatius zu Fulda.

In Fulda ist am 22. Juli der 18. Kongress „Freude am Glauben“ zu Ende gegangen. Der Kongressort liegt geographisch in der Mitte von Deutschland. Es ist aber das Grab des heiligen Bonifatius, das Fulda für Katholiken zur Herzmitte Deutschlands macht. Denn Bonifatius war es, der im achten Jahrhundert der Kirche in Deutschland, gegen den Widerstand verweltlichter Bischöfe und Kleriker, sowie ins Heidentum zurückgefallener Christen, ein neues vitales und verjüngtes Gesicht zurückgab. Auch im hohen Alter war der missionarische Eifer des Bonifatius nicht erloschen. Als der über 70jährige auf seiner letzten Missionsreise am 5. Juni 754 in Friesland zusammen mit seinen Gefährten erschlagen wurde, ließ er eine Kirche im Aufbruch zurück.
Bischof Rudolf Voderholzer von Regensburg, dessen Bistum 739 von Bonifatius kanonisch errichtet wurde, hat auf der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 28. September 2017 an ihn mit den Worten erinnert: Bonifatius habe „das Christentum als »Gewissensreligion gelehrt und verkündet«. Nur wer mit seiner ganzen Person für den Glauben einsteht, nur wer zu erkennen gibt, dass er sich als Bote dem sendenden Gott und nicht dem Zeitgeist, den Erwartungen der Medien oder sonstigen vorläufigen Instanzen verantwortlich weiß, wird bei anderen Glauben wecken. Kirchliches Leben braucht mehr als nur Sympathisanten. Leitbilder sind gefragt. Menschen, die brennen und so das Feuer des Glaubens weitergeben können“.
Der diesjährige Kongress „Freude am Glauben“ hat sich die Aufgabe gesetzt, die heutigen Fragen, die kirchenverbundene Katholiken bedrängen, aufzugreifen. Das Motto „Selbstbewusst mit Christus“ mag manchen, die den Zustand der deutschen Ortskirche kennen, überzogen erscheinen. Die Betonung liegt aber auf Christus. Denn auf unsere Kraft gestellt, hätten wir keinen Anlass zu einem solchen Selbstbewusstsein. Das gilt sowohl für den gesellschaftspolitischen wie den kirchlich-religiösen Kontext.
Wenn wir z.B. auf den Zustand der Europäischen Union schauen, sehen wir einen „Tummelplatz widerstrebender Ideologien“ (Stephan Baier). Es ist zu befürchten, dass das Erbe der Gründungsväter Konrad Adenauer, Robert Schuman und Alcide de Gasperi verschleudert wird, weil die EU die christlichen Fundamente verlassen und die tragenden Prinzipien der katholischen Soziallehre, Subsidiarität und Solidarität, über Bord geworfen hat.
Wenn die Zukunft der Ortskirche in neuen größeren Seelsorgeräumen, aber nicht in einem erneuerten Geist gesehen wird, weil sich die Katholiken – Bischöfe, Priester und Laien – nicht zu einer Neuevangelisierung aufraffen, wird die Zukunft nur die weitere Verwaltung des Niedergangs bedeuten.
„Leitbilder sind gefragt“, hat Bischof Voderholzer gefordert: Menschen, die ihre Gewissensentscheidung gegenüber staatlichen Gesetzen, die im Widerspruch zur katholischen Lehre stehen, praktizieren und zu verteidigen gewillt sind. Dann werden Christen in einer neuheidnisch gewordenen Umwelt wieder wahrgenommen. Sie werden zunächst eine verschwindende Minderheit sein. Aber das waren die Christen nach dem ersten Pfingstfest auch.

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Leitbilder sind gefragt. Gedanken am Grab des heiligen Bonifatius zu Fulda.

  1. Mathias Wagener sagt:

    Die EU hat mit dem Christentum überhaupt nichts zu tun. Sie wurde für den freien Wirtschaftsverkehr gegründet bzw. entwickelte sich aus Montan-Union und EWG zum gegenwärtigen Riesenmonster. Bei der EU geht es nur ums Geld und sonst gar nichts.

  2. Nun, ob die EU wirklich „christliche Fundamente“ hat, wird man bezweifeln dürfen. Unzweifelhaft ist jedoch, dass der schamvoll sein Brustkreuz versteckende Kardinal Marx kaum das Zeug zum von Bischof Voderholzer skizzierten Leitbild hat…

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