Tapferkeit, Selbstachtung und eine gute Gemeinschaft 18. Kongress „Freude am Glauben“ zum Thema: Selbstbewusst mit Christus

„Wo aber bekreuzigen sich in unserem Umfeld noch katholische Christinnen und Christen außerhalb des ‚geschützten‘ Kirchenraums in der Öffentlichkeit, mitten im Leben? Faktisch überwältigt sie fast überall die Scham, sich zum eigenen Glauben und Hoffen zu bekennen, unbewusst verbunden mit der elenden Furcht, gegenüber Nichtglaubenden aufdringlich zu wirken.“ Er hat schon die Hand in eine tiefe Wunde gelegt – Bischof Heinz-Josef Algermissen beim Eröffnungsgottesdienst zum 18. Kongress „Freude am Glauben“, und er hat nicht Unrecht. Kaum noch sieht man Christen im Gasthaus oder Restaurant, die vor dem Essen ein Gebet sprechen, und noch seltener, die mit dem Kreuzzeichen beginnen. Andererseits scheint es, es brauche heute wieder mehr denn je den „miles Christi“, den tapferen Soldaten für den Herrn, der für diesen Herrn einsteht und ihn bezeugt. An ihn erinnerte Weihbischof Athanasius Schneider aus Kasachstan beim Abschlussgottesdienst des Kongresses. Und zwischen diesen beiden Pontifikalgottesdiensten gab es viel Gelegenheit, sich mit einem christlichen Selbstbewusstsein auseinanderzusetzen – und es auch zu lernen.
Kompromisse beschleunigen den Untergang
„Selbstbewusst mit Christus“ war denn auch das Thema des Kongresses, der in Fulda vom 20. bis zum 22. Juli stattfand und vom „Forum Deutscher Katholiken“ organisiert wurde.
Eröffnet wurde er vom Vorsitzenden des Forums Prof. Dr. Hubert Gindert, der in seiner Begrüßung den heiligen Petrus Canisius zitierte, der im Zeitalter der Reformation und katholischen Reform deutlich machte: „Kompromisse beschleunigen den Untergang.“
Und ganz in diesem Sinn sprach auch Bischof Algermissen in einem Grußwort über die zur Zeit intensiv diskutierte Erlaubnis für nichtkatholische Ehepartner, die Kommunion im Rahmen der Eucharistiefeier zu empfangen. Der emeritierte Fuldaer Bischof positionierte sich dazu eindeutig im Sinn der kirchlichen Tradition und machte deutlich, dass die Eucharistie Kirche bildend ist – Kirche und Eucharistie also untrennbar zusammenhängen. Darum muss kirchliche Einheit Voraussetzung für den Empfang der heiligen Kommunion sein.
Großpfarreien und kleine Zellen
Aber Bischof Algermissen wies auch auf etwas anderes hin: Weil die Eucharistie wesentlich dazu gehört, dass die Kirche und auch eine Pfarrei existieren kann, kann es keine Pfarrgemeinde ohne Priester geben. Dies muss insbesondere auch bedacht werden in einer Zeit des Priestermangels, der dazu führt, dass Pfarreien zusammengelegt werden. Diesem Thema widmete sich ein Podiumsgespräch beim Kongress, bei dem die drei Teilnehmer aus ganz verschiedenen Perspektiven von ihren Erfahrungen berichteten und wertvolle und interessante Impulse gaben. Bischofsvikar Christoph Casetti aus dem Bistum Chur, der für pastorale Fragen in seiner Diözese verantwortlich ist, empfahl als Lösung das Modell „Kirche als Gemeinschaft aus Gemeinschaften“, das der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke für sein Bistum anstrebt. Dabei sollen kleine Gebets- oder Gesprächskreise den Glauben vor Ort wach halten, jedoch nicht, ohne sich mit anderen Kreisen im „pastoralen Raum“ zu vernetzen. Bischofsvikar Casetti baute dieses Modell noch weiter aus und riet vor allem dazu, die Familien einzubeziehen. Die Familie, so machte Casetti deutlich, ist im Grunde der „Focus“ für das kirchliche Leben; von ihr kann eine Glaubenserneuerung ausgehen, und nicht von ungefähr werde sie ja auch Hauskirche genannt.
Aus seiner Praxis als Pfarrer in einem Pastoralverband im Bistum Speyer sprach Christof Anselmann. Der junge Priester – Jahrgang 1981 – versorgt als Kooperator insgesamt sieben Pfarreien. Sein Fazit: Er würde gern viel mehr Menschen besuchen, doch dazu reicht die Zeit nicht. Aber für Seelsorgegespräche sei er immer zu haben. An der Beichte freilich – merkte Anselmann an – gebe es indessen kaum Interesse. Gleichwohl, müsste er, wenn er es allen recht machen wollte, jeden Sonntag vier Messen feiern, doch dann bliebe die geistliche Vorbereitung auf die Eucharistie zwangsläufig auf der Strecke, was der junge Priester zutiefst bedauerte. So appellierte er an die Anwesenden beim Kongress: „Bitte, geben Sie Ihren Priestern die Chance, zur Ruhe zu kommen und nicht zu viele Gottesdienste feiern zu müssen. Tun Sie dies durch Ihre Bereitschaft, auch anderswo als in ihrer Pfarrkirche die Heilige Messe zu feiern.“ Den Zölibat hielt Pfarrer Anselmann schon aus eigener Erfahrung für sinnvoll: „Wenn ich eine Familie hätte, so hätte ich noch viel weniger Zeit für meine Tätigkeit als Seelsorger.“
Gemeinschaft aus Gemeinschaften – diesen Ansatz verfolgt auch das Modell der Pfarrzellen. Darüber sprach Paul Fladung, der selbst ganz aktiv in einer solchen Pfarrzelle in Kempten im Allgäu mitwirkt. Jene Pfarrzellen sind Orte der Begegnung untereinander, vor allem aber mit dem lebendigen Christus. Aus dieser Begegnung kann dann auch eine Begegnung mit anderen erwachsen, denn die Pfarrzellen sehen sich in der christlichen Verantwortung für die Welt, der sie Christus bringen möchten.
Den Glauben weitergeben
Anderen Christus bringen – das ist nicht zuletzt auch die Aufgabe der Eltern an ihre Kinder. Darüber sprach der Publizist und zehnfache Vater Jürgen Liminski mit vielen anschaulichen Beispielen. Liminski betonte zunächst einmal, dass es in der frühesten Kindheit ganz entscheidend ist, Urvertrauen zu bilden, Hier spiele die Mutterliebe die zentrale Rolle. So erwachse aus der Erfahrung der selbstlosen Mutterliebe die Erfahrung der Gottesliebe – Grundlagen für einen Glauben, der das Leben trägt. In diesem Sinn sagte Liminski: „In den ersten Jahren wird geliebt und nicht belehrt.“ Später, gerade in der Pubertät, ist Belehren auch nicht sinnvoll – vielmehr erwarten Jugendliche überzeugende Argumentationen. Besonders bewährt haben sich – so Liminski aus der Erfahrung seiner Ehefrau – Gespräche bei Autofahrten. Denen kann einerseits keiner entfliehen, und besonders hilfreich ist auch, dass sich beide nicht anschauen, sondern der Fahrer auf die Straße achten muss. In Konfliktfällen macht es gerade bei Jugendlichen Sinn, wenn Eltern darauf hinweisen, dass nicht nur die Kinder, sondern auch sie als Erwachsene ein Recht auf Freiheit haben.
Wie wichtig es ist, jungen Erwachsenen zu vermitteln, dass sie vor Gott wertvoll sind, machte P. Dr. Martin Mayerhofer FSO deutlich. Der Universitätsseelsorger in Wien konnte viel darüber berichten, wie sehr Studenten am Sinn des Lebens verzweifelten oder nicht mehr an ihren Wert glaubten. Anhand der Theologen der frühen Kirche, der Kirchenväter, machte er deutlich, dass jedem Menschen von Gott her Würde und Wert zukommt. Im Menschen gebe es von daher eine Sehnsucht nach Gott. Mayerhofer riet dazu, auf Jugendliche, die zu viel trinken, Pornographie konsumieren oder den „One-Night-Stand“ praktizieren, keinen Druck zu machen, sondern vielmehr bei ihnen nachzufragen, ob sie nicht Sehnsucht nach mehr hätten.
Gott zu den Menschen bringen, das praktiziert auch der Wiener Lazaristenpater Josef Herget, der viele Muslime auf den Weg zum Christentum begleitet hat. Bekehrt hat er sie nicht – so betont er, denn „Bekehrungen sind nicht machbar, sie geschehen einzig durch die Gnade Gottes“. Doch da wirkt Gott, so machte der Ordensmann deutlich, schon Großes. So habe er etwa erlebt, dass Jesus oder die Gottesmutter Muslimen im Traum erschienen sei, was Bekehrung bewirkte. Deutlich wandte sich Herget gegen die Behauptung, es gebe nur unwesentliche Unterschiede zwischen Islam und Christentum. Vor allem sei Gott im Islam völlig transzendent, und der Moslem habe die Aufgabe, sich dem Willen Gottes hinzugeben. Der Christ hingegen dürfe sich als Ebenbild eines Gottes wissen, der ihn unermesslich liebt und zu dem der Mensch gar „Papa“ sagen darf.
Dass es in islamischen Ländern sehr gefährlich sein kann, sich zum Christentum zu bekennen, machte P. Herget schon deutlich. Berthold Pelster vom Hilfswerk „Kirche in Not“ behandelte dieses Thema ebenfalls. Er sprach über die Verbrechen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ und machte dabei deutlich, dass vor allem gemäßigte muslimische Gruppen Opfer dieser Organisation seien. Gleichwohl bedrohe der Terror die Existenz des Christentums, das ohnehin schon Minderheit im Land ist. Pelster verwies aber auch auf Christenverfolgungen in Nordkorea, wo seit Jahrzehnten ein willkürlich herrschender Clan regiert, und in China.
Sorge um die Menschenwürde
Dass indessen Christen auch hierzulande selbstbewusster auftreten sollen, forderte Prof. Werner Münch, ehemaliger Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt. Münch, der auch Schirmherr des Kongresses ist, sprach im Blick auf die „Europäische Union“ über die verlorengegangenen christlichen Wurzeln Europas. Unter anderem beklagte er, dass das christliche Bild von Ehe und Familie zunehmend verschwinde und dem „Gender-Mainstreaming“ gewichen sei und auch die Abtreibung nicht mehr als Tötung menschlichen Lebens, sondern vielmehr als Menschenrecht gelte. Auch auf die Migrationspolitik ging Münch ein und zeigte sich besorgt darüber, dass es nicht mehr darum gehe, Notleidenden auf Zeit Asyl zu gewähren, sondern sie schlichtweg hier anzusiedeln. In diesem Sinne forderte er eine vertiefte Integration der Asylanten, auch unter den Prämissen von Subsidiarität und Solidarität.
Ebenfalls habe sich der Christ für eine Achtung vor dem Leben in dieser Gesellschaft einzusetzen. Wie sehr der Lebensschutz bedroht ist, führte auch der Politologe Prof. Manfred Spieker aus. Er befasste sich mit dem Thema „künstliche Befruchtung“, einer seit rund 40 Jahren praktizierten sehr bedenklichen Methode, Paaren den Kinderwunsch zu erfüllen. Bedenklich vor allem deshalb, weil dabei Embryonen auf der Strecke bleiben. Im Grunde werde dadurch die Menschenwürde nicht berücksichtigt. Spieker wies auch darauf hin, dass bei nicht erfülltem Kinderwunsch oft eine psychologische Beratung weiterhelfen könnte und dann eine künstliche Befruchtung gar nicht nötig sei.
Auf die Bedeutung der Menschenwürde des ungeborenen Lebens wies auch der emeritierte Salzburger Weihbischof Andreas Laun OSFS hin. Er berichtete von einer jungen Frau, die bei einer Vergewaltigung gezeugt worden war, aber trotzdem – anders als so oft – nicht abgetrieben wurde, sondern zur Welt kommen durfte. Immer wenn sie Menschen begegnete, die die Abtreibung nach Vergewaltigung befürworteten, sagte sie ihnen: „Sie wollen also, dass ich nicht lebe!“ – und machte damit deutlich, dass es bei der Frage nach der Abtreibung wesentlich um das Kind geht. Laun selber würde übrigens die gleiche Antwort Abtreibungsbefürwortern im Falle einer Behinderung geben, kam er doch mit einer Hasenscharte zur Welt – auch diese Beeinträchtigung führt oft zur Tötung im Mutterleib.
Christus begegnen
Sehr konkret zum Kongressthema „Selbstbewusst mit Christus“ sprach Pfarrer Winfried Abel und machte deutlich: „Selbstbewusstsein ist Christusbewusstsein.“ Er zeigte, dass Christen sich darüber im Klaren sein sollten, dass sie aus Christus leben. Beispielhaft für eine solche Identifikation sei die Gottesmutter Maria, die nicht nur Mutter Jesu war, sondern am Ende zur Mutter der Kirche wurde – eben dadurch, dass sie dieser Kirche die Botschaft weitergab, die sie bei der Hochzeit zu Kana sagte: „Was er – ihr göttlicher Sohn – sagt, das tut.“
Diesem Christus ganz intensiv zu begegnen, das ist das große Geschenk der Eucharistie. Das Altarsakrament behandelte Weihbischof Athanasius Schneider ORC aus Kasachstan in seinem Vortrag und faszinierte dabei durch seine tiefe Eucharistische Frömmigkeit. Anschaulich berichtete er vom kleinen Peter, der an einem nicht mehr zu operierenden Gehirntumor litt und dem die Eucharistie bis zu seinem Tod mit nur sechs Jahren zwei Jahre lang Trost und Stärkung gab. Und Weihbischof Athanasius wies auch darauf hin, dass die Eucharistie wunderbar vor Versuchung schützen kann und durch das Feuer der Liebe Gottes die Glut böser sinnlicher Begierden zu bewältigen vermag. Gleichwohl seien Reue und Beichte schwerer Sünden notwendig vor dem Kommunionempfang, doch dann hilft die Eucharistie, auf dem Weg zum Guten voranzuschreiten.
Begegnung mit dem Herrn in der Eucharistie – das geschah bei den beiden Pontifikalämtern zu Beginn und am Ende des Kongresses und in der heiligen Messe im außerordentlichen Ritus, die am Fest des heiligen Laurentius von Brindisi Pfarrer Winfried Bittner in der Pfarrkirche St. Blasius feierte. In dieser Kirche endete die schon traditionelle Marienprozession, die durch Schloßpark und Fußgängerzone führte, mit einer eucharistischen Anbetung als Begegnung mit dem Herrn.
Doch auch für die Begegnung untereinander gab es viel Zeit – die Erfahrung, als Christ nicht allein zu sein, tut auch dem Selbstbewusstsein gut. So freute sich denn auch der Vorsitzende des Forums Prof. Hubert Gindert bei seinem Schlusswort, dass der Kongress familiären Charakter hatte.

Die Kongressfamilie trifft sich im kommenden Jahr vom 14. bis 16. Juni 2019 im bayerischen Ingolstadt. Es wäre schön, wenn mehr Menschen auf den Kongress aufmerksam würden. Radio Horeb, die Fernsehsender K-TV, EWTN und bonifatius.tv jedenfalls leisten ihren Beitrag wie auch das katholische Printmedium „Die Tagespost“. Sehr beachtenswert waren für die Dauer des Kongresses auch die zahlreichen Präsentationen engagierter katholischer Gemeinschaften. Der Appell an alle Teilnehmer lautete: „Wenn es Ihnen gefallen hat, sagen Sie es weiter.“ Es gab viele Stimmen, die sagten, dass sie vom Kongress Wertvolles mitnehmen.

Raymund Fobes 

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Eine Antwort auf Tapferkeit, Selbstachtung und eine gute Gemeinschaft 18. Kongress „Freude am Glauben“ zum Thema: Selbstbewusst mit Christus

  1. „Wo aber bekreuzigen sich in unserem Umfeld noch katholische Christinnen und Christen außerhalb des ‚geschützten‘ Kirchenraums?“

    „Ja sicher – und innerhalb?“, möchte man zurückfragen. In diözesanen Gottesdiensten schlurfen die Kirchgänger aller Altersgruppen größtenteils ohne Kreuzzeichen, geschweige denn Kniebeuge, in die Kirche, schlendern in die Bank und fläzen sich hin. Jahrzehnte nach der sog. „Liturgiereform“ sind Kirchgänger meist gelangweilte Besucher geworden, die sich aufführen wie im Saal kurz vor der Theateraufführung: Geraschel, Geplapper, Hin- und Herlaufen. Das Bewußtsein des präsenten Christus im Tabernakel ist kaum mehr vorhanden, es herrscht regelmäßig vor dem Einzug des Pfarrers ein Lärmpegel wie an einer Bushaltestelle.
    Welche Gründe mag dies haben?
    Wer ist dafür verantwortlich?
    Sind die Bischöfe nicht mehr gemäß CIC Can. 375 § 1 „Lehrer des Glaubens“?
    Oder sind diese Fragen zu unbequem, dass man sie stellen dürfte?

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