Gottes Vorsehungen

Die Hl. Schrift ist angereichert mit Berichten über die Fügungen Gottes: Er rettet Noah aus der Sintflut und schenkt Abraham im hohen Alter Isaak. Abraham wird für uns alle zum Vater im Glauben – ihm wird der Erlöser – der Messias prophezeit. Gott rettet das auserwählte Volk aus Ägypten und macht den Schafhirten David zum König über Israel, dem Er die Sünden des Ehebruches und des Mordes nach dessen Reue verzeiht. Jesus, der einzige Sohn des ewigen Vaters, tritt an die Stelle Isaaks und an unsere Stelle und gibt sich dem Vater aus Liebe am Kreuz für uns dahin, um uns zu erlösen, die Gerechtigkeit Gottes für uns zu erfüllen sowie die Liebe und Barmherzigkeit des Vaters zu offenbaren.
Das Leben eines jeden einzelnen Menschen wird durch die liebende Vorsehung Gottes gelenkt und begleitet. Der Herr berücksichtigt dabei unsere Freiheit und in Seiner Allwissenheit und Allmacht jede nur denkbare Situation. Eine Legende aus Slowenien berichtet uns, wie Jesus zusammen mit Petrus durch das Land wandert und eine gottesfürchtige Bauernfamilie trifft, die sich über die zu erwartende reiche Ernte dankbar freut. Sie will den Sohn in die Stadt zum Studium schicken. Jesus und Petrus werden freundlich bewirtet und verabschiedet. Bei deren weiteren Wanderung zieht ein fürchterliches Gewitter auf und vernichtet zum großen Teil die Ernte der Bauern. Petrus macht Jesus Vorwürfe. Dieser entgegnet ihm, dass Sein himmlischer Vater sehr wohl weiß, was Er tut. Der gottesfürchtige Sohn wäre in der Stadt vom rechten Weg abgekommen – wogegen er hier als Bauer dem Herrn treu bleiben wird. Diese Legende lässt sich leicht auf unser eigenes Leben übertragen. Selbstverständlich dürfen wir nicht die uns widerfahrenden Unglücke Gott direkt zurechnen, als ob Er uns quälen wollte. Gott respektiert die menschliche Freiheit und so sind die meisten schlechten Dinge von den Menschen hausgemacht – manchmal mit böser und sündhafter Absicht, oft aber auch als gedankenlose Handlungen.
Der Herr ist in Seiner Allmacht in der Lage, auf unseren krummen Zeilen gerade zu schreiben und lenkt alles zum Guten, wenn wir nur wollen und mitarbeiten. Selbstverständlich lässt Gott nicht alles zu – Er hat das letzte Wort und greift auch selbst direkt ein, sendet uns gute Menschen als Beistand oder sogar Seine verlängerten Arme – die Engel. Jeder hat da schon seine Erfahrungen machen dürfen. Manchmal nimmt der Herr schon kleine Kinder zu sich – wir wissen nicht warum. Gottes Ratschlüsse sind unergründlich, aber wegen Seiner Liebe, Güte und Barmherzigkeit immer gut und richtig sowie zu unserem Besten, was wir manchmal erst nach Jahren erkennen. Dies gilt auch für Misserfolge bei an sich guten und richtigen Zielen, die wir nicht erreichen durften. Später geht es uns dann auf, dass der dornige Weg, den wir gegangen sind, der bessere war. In allem dürfen wir sicher sein, dass Gott uns trägt und beisteht wie dem Mann, mit dem der Herr auf seinen Lebensweg zurückblickt. Man sieht zwei Spuren im Sand und dann nur noch eine.
Der Mann beklagt sich bei Gott, dass in dieser für ihn so schwierigen Zeit er alleine gehen musste. Der Herr antwortet ihm, dass Er ihn in diesen schweren Stunden auf den Händen getragen habe. Beklagen wir uns nicht bei Jesus; denn Er hatte den schwersten Leidensweg: Aus Liebe und Gehorsam nimmt Er für uns das Kreuz auf Seine Schultern und stirbt für uns als der Gerechte stellvertretend für die Sünder. Im Ausatmen Seines Leidens geht Er heim zum Vater und offenbart so die göttliche Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Es ist nun unsere Aufgabe in Freiheit diese Erlösungsgnade in den Sakramenten und durch ein Leben der Gottes- und Nächstenliebe anzunehmen, indem wir Jesus nachfolgen und das für uns bestimmte Kreuz tragen. Ein Mann beschwerte sich bei Jesus über sein Kreuz, was leider manchen von uns auch nicht fremd ist. Jesus nimmt ihn mit in einen Raum, in dem viele Kreuze hängen und er darf sich eines aussuchen. Nachdem dies geschehen ist, sagt ihm der Herr, dass er sich genau sein Kreuz ausgesucht habe.
Vertrauen wir also auf die liebende Vorsehung Jesu Christi, der uns ein Beispiel gegeben hat, uns nie im Stich lässt und durch Seine Fügungen liebevoll jede Sekunde unseres Lebens begleitet. Der Herr liebt uns und will uns so ausrichten, dass wir bei Ihm in den Wohnungen ewig leben dürfen, die Er für uns beim Vater vorbereitet. Gottes Geduld und Langmut mit uns sind grenzenlos: Er will uns erlösen und retten: Sind wir Ihm dafür dankbar und demütig, damit wir Seine Fügungen nicht übersehen. Der Herr gibt uns Gelegenheit, die Löcher in unserem Seelenteppich zu flicken und sogar zu verschönern. Er hilft uns immer dabei! Bitten wir Ihn um ein heiliges Denken, Wollen und Vollbringen – nehmen wir Gott ernst – wir wollen ja auch, dass Er uns ernst nimmt und uns beisteht. Empfehlen wir das Leben unserer Mitmenschen dem Herrn, damit Er es verbessert – wir können es nicht und haben mit uns selbst genug zu tun: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet mahnt uns Jesus im Evangelium (Mt 7,1). Kombinieren wir unseren Glauben an den allmächtigen Gott, der Seinen Sohn zu unserer Erlösung und Seinen Heiligen Geist zu unserer Heiligung gesandt hat, mit unserem Wollen, damit wir am Kreuzweg entlang an der Hand Mariens in den Himmel gelangen können.
Dabei werden wir durch die Tugend der Hoffnung genährt, die uns Zuflucht beim allerheiligsten Herzen Jesu nehmen lässt. Unser Glaube wird gestärkt durch die Hoffnung, denn diese stirbt zuletzt, wie der Volksmund sagt. Ohne Hoffnung können wir mit der Liebe nichts anfangen. Wir dürfen uns immer in der heiligen Beichte waschen lassen – auch wenn unsere Sünden rot wie Scharlach sind – der Herr macht sie weiß wie Schnee (Jes 1,19). Die Hoffnung auf Gottes Prophezeiungen und der Glaube an Ihn ließen Abraham seinen Weg gehen und dadurch sind auch wir in der Lage, unser Leben zu meistern – auch wenn es noch so schwer ist. An den Kleinen und Sündern zeigt der Herr Seine Größe – denken wir an den heiligen Petrus und die heilige Maria Magdalena.
Regulieren wir unser Leben mit unserem Verstand, indem wir es an den Gesetzen Gottes ausrichten, auf Ihn unsere einzige Hoffnung setzen und Ihm grenzenlos vertrauen. Mit Gott haben wir den Allmächtigen an unsere Seite! Allmacht trifft einzig und allein auf Gott zu! Er allein vollbringt alles aus sich und bedarf dazu niemanden – wir dagegen können getrennt von Ihm nichts vollbringen (Joh 15,1). Hüten wir uns vor dem Neid und der falschen Freiheit zu denken, wir dürften tun und lassen, was wir wollen – sonst werden wir Sklaven der Sünde. Bedanken wir uns bei Gott schon im Voraus für Seine Hilfe und für Seinen Schutz. Er will uns heiligen und bei sich in der Ewigkeit haben. Dort werden wir von Gott mit der Vollendung beschenkt. Darauf wollen wir uns freuen und dafür lohnt es sich zu kämpfen! Sind wir gut zu allen Menschen und helfen wir uns gegenseitig durch unsere Gebete, durch unsere tröstenden Worte sowie durch unsere Taten: Jesus, Maria, Josef, wir lieben Euch – rettet Seelen! Amen.

P. Andreas Hirsch FSSP

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