Kardinal Höffner und seine Judenhelfer: Risiko mit glücklichem Ausgang.

Kardinal Joseph Höffner hat mit seinen über 4000 Veröffentlichungen schon als Sozialwissenschaftler eine überragende Bedeutung. Seine Wirksamkeit als Bischof und Kardinal ist jedoch nicht geringer einzuschätzen. Seine menschliche Größe als Judenretter verlangt aber noch größere Hochachtung.
Wer einmal in einer Diktatur gelebt hat, weiß wie gefährlich eine humanitäre Hilfe für einen Verfolgten sein kann. Joseph Höffner ist 1904 auf einem Bauernhof im Westerwald geboren. Dass einem Menschen das Leben viel abverlangt, musste er schon mit vier Jahren erfahren, als er das Sterben seiner Mutter miterlebte. Der begabte Junge kam auf das Gymnasium und später zum Studium nach Rom. Als er 1934 als Priester nach Deutschland zurückkam, herrschte hier die Hitler-Diktatur. Dass der Nationalsozialismus mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar ist, hatte er schon durch bischöfliche Rundschreiben und durch das Studium der nationalsozialistischen Literatur erfahren. Willi Graf, der später als Mitglied der „Weißen Rose“ hingerichtet wurde, zählte in Saarbrücken zu seinen Ministranten. In Berlin hatte Höffner öfter zu tun, einmal weil dort seine Schwester Elisabeth Seelsorgehelferin war und dann auch, weil er zur Fertigstellung seiner Habilitationsschrift in Berlin Professoren und Archive aufsuchen musste. Bei einem dieser Berlin-Besuche lernte er die jüdische Familie Meyerowitz mit dem siebenjährigen Kind Alice Esther kennen. Schnell entschlossen organisierte Höffner eine „Kinderlandverschickung“ und ließ die kleine Alice Esther in seinen Seelsorgebezirk Kail an der Mosel bringen. Unter strengster Geheimhaltung vertraute er das Kind der Bauernfamilie Wilhelm Heucher an. Dort bekam das Kind den Namen Christa Koch und konnte mit den anderen Kindern des Dorfes die Schule besuchen. Die Rolle eines katholischen Kindes spielte Christa Koch nun so überzeugend, dass keine Zweifel über ihre Herkunft aufkamen. Als Pfarrer Höffner bald darauf nach Trier versetzt wurde, musste er seinen Vorgesetzten Generalvikar Meurers in die Geheimaktion einweihen. Er unterstützte das Kind durch häufige Besuche und vor allem durch heimliche Geld- und Sachspenden. Das Kind überlebte den Krieg und Pfarrer Höffner konnte es Ende 1945 den glücklichen Eltern in Berlin zurückgeben. Sie selbst hatten den Krieg in Berlin in einem leeren Eisenbahnwagen überlebt. Alice alias Christa wanderte später nach Amerika aus und kam 2007 als verheiratete Lisa Lehner nach Deutschland zurück, um sich für die Rettung zu bedanken.
Im Sommer 1943 vermittelte Höffners Schwester Elisabeth ihrem geistlichen Bruder auch das jüdische Arzt-Ehepaar Dr. Edith Nowak zum Verstecken. Dieses Ehepaar brachte Pfarrer Höffner zu seiner Schwester Helene Hesseler auf den elterlichen Bauernhof in Hornhausen im Westerwald. 1946 schrieb Frau Dr. Nowak an Pfarrer Höffner „mit Freuden, um Ihnen endlich einmal zu danken. Damals, als wir nicht wussten wohin, haben Sie uns bei Ihrer Familie im Westerwald untergebracht. Es wäre nicht ohne böse Folgen für Sie und die Ihren geblieben, wenn man erfahren hätte, dass Sie eine Jüdin im Hause verbargen. Glauben Sie mir, dass ich dieses mutige und menschliche Verhalten niemals vergessen werde.“

Eduard Werner

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