Reformer und Wegbereiter in der Kirche

Der heilige Vinzenz Maria Strambi erblickte zur großen Freude seiner gut situierten Eltern am 1. Januar 1745 in Civitavecchia, einer Stadt vor den Toren Roms, das Licht der Welt. Er blieb das einzige Kind, auf das der Vater seine Hoffnung setzte, er könne einmal sein Erbe antreten, und die Mutter, er könne als Katholik mit einer guten Bildung sein Leben meistern.
Mit Beginn des Schulalters gaben die Eltern den Jungen in die Erziehung der Franziskaner. Der junge Vinzenz Maria bekam im Zusammenwirken des Elternhauses mit der franziskanischen Spiritualität sein Temperament in den Griff und zog sich, wie seine Mutter feststellte, immer wieder in sein Zimmer zurück, um im Gebet die Nähe Gottes zu suchen.
Im Alter von 15 Jahren bat Vinzenz Maria seine Eltern, ihn in den Klerikerstand eintreten zu lassen. Als Jugendlicher vertiefte Vinzenz sein Glaubenswissen und teilte es mit seinen Freunden. Der Heimatpfarrer übertrug ihm katechetische Aufgaben. Den engeren Weg zum Priestertum schlug Vinzenz mit der „Tonsur“ und dem Eintritt ins Seminar 1762 ein. Als der Vater ihn für eine lukrative Heirat zu überzeugen suchte, schickte Vinzenz ihm ein Bild der Muttergottes und schrieb dazu: „Dies ist meine Braut.“
In der Zeit der Vorbereitung auf das Priestertum lernte Vinzenz den Ordensgründer der Passionisten Paul vom Kreuz kennen. Die besondere Verehrung der Passion Christi und die asketische Lebensweise faszinierten schon den Studenten. So trat er nach seiner Priesterweihe 1768 in den Orden der Passionisten ein. Für ihn war die Theologie keine abstrakte Wissenschaft. Er wusste den Glauben lebensnah in der Sprache seiner Zeit zu verkünden und in die Nachfolge Christi gerade auch für seine Person umzusetzen. Orthodoxie und Orthopraxie beschreiben den Weg zur Heiligkeit, zu Gott. Unter seinen Mitbrüdern galt er als die „lebendige Ordensregel“. Aufgrund seines religiös gefestigten Charakters und seiner spirituellen Ausstrahlung konnte er als Heiliger unter Heiligen wirken: Mit Heiligen seiner Zeit bildete er schon auf Erden eine Communio Sanctorum. Im Orden der Passionisten wurde er mit führenden Aufgaben betraut.
Im Auftrag von Papst Klemens XIV. predigte er in Rom und weitete seine Predigttätigkeit auf ganz Italien aus. Papst Pius VII. erwählte ihn 1800 zum Bischof von Macerata und Tolentino. Er wollte die Kirche in seiner Diözese an Haupt und Gliedern reformieren. Die Voraussetzungen, die er mitbrachte waren: fester Glauben, gute Sitten, Frömmigkeit, Seeleneifer, Lebensweisheit und Klugheit. Besonders sorgte er sich um die Armen, Waisen und Alten. Aus der Betrachtung des Leidens Jesu und seiner Wunden schöpfte er Kraft für sein Wirken im Orden und in der Kirche.
Weil er sich den Forderungen Napoleons widersetzte, musste er ins Exil gehen und konnte erst nach neun Jahren wieder zurückkehren, und setzte sich dann für die sittlich-moralische Erneuerung einsetzte.
Schon während seines Exils hatte Vinzenz Maria Papst Pius VII. gebeten, ihm die Bürde des Bischofsamtes zu nehmen. Papst Leo XII. nahm 1823 die Resignation des Bischofs von Macerata an, bat aber um seinen Dienst als Berater und Beichtvater. Als im Winter 1823 Leo XII. schwer erkrankte und man seinen Tod befürchtete, bot Strambi Gott sein Leben für das Leben des Papstes. Gott nahm das Opfer an.
Der Papst durfte weitere fünf Jahre und vier Monate leben. Bischof Vinzenz Maria Strambi starb an seinem nächsten Geburtstag am 1. Januar 1824.
Die Heiligsprechung erfolgte 1950 durch Papst Pius XII.

Gerhard Stumpf 

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