Hat das Wort der Kirche noch Gewicht?

Wenn wir Zeitungen aufschlagen, den Fernseher öffnen, springen uns in den Schlagzeilen Misstrauen, Aggressionen, Unordnung bis zum Chaos entgegen. Der Eindruck ist: Die große und die kleine Welt geraten aus den Fugen: Erklärte Kriege, Stellvertreterkriege, Handelskriege füllen die Seiten. Und wir sollten nicht so tun, als hätten wir damit nichts zu tun. Deutschland gehört zu den größten Waffenexporteuren. Unser Hauptabnehmer Saudi Arabien führt Stellvertreterkriege, z.B. im Jemen und braucht auch keine Waffen, um sich zu verteidigen. Letzteres gilt auch für Ägypten und Algerien. Das sind zwei weitere Großeinkäufer von Waffen in Deutschland.
Nicht nur die USA verlangen Zölle auf Importe. Das fordern auch Deutschland und andere Länder der EU. Wir verlangen sie sogar gegenüber Entwicklungsländern und beschneiden ihre Möglichkeiten, wirtschaftlich Fuß zu fassen. Die Entwicklungshilfe wird im derzeitigen Haushalt um 500 Mio. gekürzt, obwohl wir behaupten, wir wollten Fluchtursachen durch Wirtschaftshilfe bekämpfen.
Die Medien prangern den Stil der politischen Auseinandersetzung an. Sie sollten sich fragen, was sie selber durch die Form der Berichterstattung dazu beitragen. Auch Medien pflegen Feindbilder. Wenn notwendige Kurswechsel herbeigeführt werden müssen, ist Auseinandersetzung vorprogrammiert. Oft ist der vielzitierte „Streit“, auch auf die fehlende Bereitschaft zur geistigen Auseinandersetzung zurückzuführen. Man kann ja fragen, wie Jesus, der Schriftgelehrte und Pharisäer als „übertünchte Gräber“ (Mt 23,2) bezeichnete, heute in den Medien apostrophiert würde, womöglich als Spalter, Demagoge, Populist.
Auch unsere ethischen Maßstäbe sind ins Rutschen gekommen. Die Berichterstattung über das Abstimmungsergebnis zur Abtreibung in Irland verdeutlicht das. Die FAZ begrüßte bspw. das Ergebnis als Triumph der Emanzipation der Frauen von der Unterdrückung der Kirche. Dazu wurden mehrere Leserbriefe geschrieben, welche aufzeigten, was Abtreibung bedeutet. Ein Leserbriefschreiber (Thomas Cramer, Leserbrief vom 11. Juni), offensichtlich kein Mann der Kirche, schreibt: „Hoffentlich verfällt man … jetzt nicht ins andere Extrem … die aus Unrecht Recht macht und sich folgende Auffassung als die herrschende durchsetzt: Wenn ein Kind ungelegen kommt … dann darf man es selbstverständlich beseitigen… denn es ist ja in den ersten 12 Wochen nur eine wertlose Vorstufe des späteren Babys ohne Recht auf Leben … die Biologie sagt etwas völlig anderes: Schon am allerersten Anfang hat der Embryo oder Fötus haargenau dieselben Anlagen und Eigenschaften wie das spätere Kind … Abtreibungsgegner denken nüchtern und konsequent, brauchen weder die katholische Kirche noch die Bibel, um ihre Überzeugungen zu begründen. Sie haben weit bessere Argumente: Von der Naturwissenschaft Biologie entdeckte unbestreitbare Fakten!“
Wenn Biologen aufgrund naturwissenschaftlicher Erkenntnisse das vorgeburtliche Leben verteidigen, so müssten das jene, die davon überzeugt sind, dass der Mensch das unverfügbare Ebenbild Gottes ist, das erst recht tun. Da sind zuerst die Bischöfe gefordert. Wenn diese aber gespalten sind, weil für manche nicht mehr klar ist, was das zentrale Sakrament der Kirche, die Eucharistie nach dem Glauben der Kirche und dem Kirchenrecht bedeutet, dann hat das Wort der Kirche kein Gewicht mehr.

Hubert Gindert

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