Frustration ist die große Versuchung

Das Geschehen in der Welt kann man besser verstehen, wenn man davon ausgeht, dass sich auf der Weltbühne Gott und der Widersacher gegenüberstehen. Gott, der aus Liebe die Freiheit des Menschen achtet und der Widersacher, der diese Freiheit für seine Zwecke missbraucht. Während Gott zur Umkehr ermutigt und dazu, den schmalen Weg zu gehen, entmutigt Satan die Menschen, damit sie kraftlos den breiten Weg nehmen, der ins Verderben führt.
Der Widersacher Gottes zeigt uns ein auswegloses Negativbild der Welt und der Menschen. Den Gottsuchern stellt er ihre Fehlerhaftigkeit und ihr Versagen vor Augen. So versucht er ihnen Lebensfreude und ihre Identität zu nehmen.
Ein Blick auf das Weltgeschehen erinnert uns an das, was die Evangelisten über die Endzeit berichten. Sie sprechen von „Kriegen und Kriegsgerüchten … von einem Volk, das sich gegen andere erhebt … von Seuchen und Hungersnöten … von vielen falschen Propheten, die die Menschen verführen … von der Verfolgung der Gläubigen und vom Massenabfall“ (Mt 24).
Papst Franziskus sprach in einer Rede an die Delegierten des Patriarchen von Konstantinopel am 28. Juni 2018: … „Von der Verdunkelung des Glaubens, der nicht mehr die persönlichen und öffentlichen Entscheidungen beeinflusst, von der Missachtung der menschlichen Würde der Person, der Vergötzung des Geldes, der Verherrlichung der Gewalt, der Absolutsetzung der Wissenschaft und der Technik, der Ausbeutung der Naturschätze“. „Wir sehen schwerwiegende Zeichen einer tragischen Wirklichkeit, vor der wir nicht resignieren dürfen. Weisen wir den zynischen Satz zurück: Es gibt keine Alternative.“
Natürlich kann man beim Blick auf die Realität viele Zeichen sehen, die frustrieren. Werfen wir einen Blick auf die eigene Pfarrgemeinde: Es ist der fünfzehnte Sonntag im Jahres¬kreis in einer Pfarrgemeinde mit rund 3.800 Katholiken. Sie bildet mit drei ehemaligen selbstständigen Pfarreien einen Pfarrverband von insgesamt 5.500 Katholiken. Es war die einzige heilige Messe in der Hauptpfarrei. Anwesend waren rund 7%. Das entspricht dem durchschnittlichen Gottesdienstbesuch bei der letzten Kirchenzählung. In der Kirche waren fünf Kinder. Der Altardienst bestand aus 14 Ministranten, die meist dann anwesend sind, wenn sie Dienst haben. Das geschätzte Durchschnittsalter der übrigen Gottesdienstteilnehmer lag bei 60-70 Jahren. In dieser absterbenden Pfarrgemeinde gibt es eine Legio Mariens und eine Pfadfindergruppe (DPSG), die aber in der Kirche nur vertreten ist, wenn Fahnenabordnungen auftreten. Ist diese Situation alternativlos? Nein! Denn es gibt zwei gut besuchte kirchliche Kindergärten, eine Ministrantengruppe von insgesamt ca. 70 Mädchen und Buben und den Religionsunterricht für die Schulpflichtigen. Das wären Möglichkeiten für einen Neuanfang. Was man dazu bräuchte? Einen missionarischen Geist!
Die Sicht auf die deutsche Ortskirche bestätigt, was in einem Papier auf dem letzten Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe steht. Es ist ein Bild einer absterbenden Kirche.
Die Einheit der Bischöfe der Weltkirche unter sich und mit dem Papst ist ein hohes Gut, aber sie kann nicht gegen die Wahrheit ausgespielt werden. Die Einheit der Bischöfe der Weltkirche ist durch die unterschiedliche Auslegung des päpstlichen Schreibens Amoris Laetitia in der Frage des Kommunionempfangs Geschiedener-Wiederverheirateter nicht mehr gegeben. Die unterschiedlichen Auffassungen der Bischöfe zur Eucharistie sind erneut in der Frage der Eucharistie, d.h. der Zulassung konfessionsverschiedener Ehepartner zur Kommunion wieder ausgebrochen. Es besteht derzeit die Gefahr, dass einzelne Bischöfe der deutschen Ortskirche unterschiedliche Regelungen praktizieren. Es handelt sich nicht um eine zweitrangige Streitfrage, weil die Eucharistie das zentrale Sakrament darstellt, auf das alle übrigen Sakramente hingeordnet sind.
Die Katholiken der deutschen Ortskirche sind religiös unterernährt. Das liegt auch daran, dass zuhause in vielen Fällen nicht mehr gebetet wird, religiöse Fragen kein Thema sind, der Religionsunterricht nicht gewinnend angeboten wird und Predigt und Katechese brisante Themen (Buße, Eucharistieempfang, eheähnliches Zusammenleben) aussparen. Für den religiös Interessierten muss das kein Grund zur Frustration sein. Denn es gibt Radio Horeb, K-TV und EWTN-Fernsehen, Kath.net und einige Zeitschriften, um sich zu informieren. Jeder Katholik kann sich auch heute über den Glauben informieren. Jeder hat im Katechismus der katholischen Kirche einen zuverlässigen Kompass. Denn er enthält das gesamte Glaubensgut der Kirche. Jeder kennt die Bischöfe, die sich an die Lehre der Kirche und an das Kirchenrecht halten. Mit ihnen kann man sich solidarisieren und Kontakt aufnehmen. Niemand hat also wirklichen Grund frustriert zu sein. Es gibt immer Alternativen.
Es gibt noch andere Vorgänge, die entmutigen können. Weltweit gilt die Ehe von Mann und Frau als das Fundament, auf dem die Gesellschaft steht. Schwester Lucia dos Santos von den drei Fatima-Kindern soll einmal geäußert haben: „Der Endkampf richtet sich gegen die Familie.“ Dieser ist in vollem Gang.
Im sogenannten Familienbericht der Bundesregierung besteht die Familie nicht mehr aus Mann und Frau mit ihren Kindern, sondern aus dem Zusammenleben verschiedener Menschen, auch Homosexueller mit Kindern. In den offiziellen Formularen ist deswegen von Ehegatten oder Lebenspartnern die Rede. Die rechtliche Gleichstellung von Zusammenlebenden mit Ehepartnern, bis hin zur Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare, ist nahezu vollzogen. Die von der Bundeskanzlerin Merkel eingefädelte „Ehe für Alle“ war ein Sprung vorwärts zur Demontage der klassischen Ehe. Das ist der Status Quo.
Die Zukunft der Gesellschaft ist die heranwachsende Generation. Das sind Kinder und Jugendliche. Eine verpflichtende „Sexualpädagogik der Vielfalt“ versucht in den staatlichen Pflichtschulen die „Schamgrenzen und Schutzräume“ aufzuweichen und zu überwinden. Das steht eindeutig gegen das grundgesetzlich garantierte Elternrecht. Das Bundesverfassungsgericht hat 1977 im Urteil zur staatlichen Sexualkunde „fünf Leitsätze formuliert, wonach die Schule jeden Versuch der Indoktrination zu unterlassen hat, Rücksicht auf das natürliche Erziehungsrecht der Eltern und auf deren religiöse Überzeugungen nehmen und die Eltern über Inhalt und den methodisch-didaktischen Weg der Sexualerziehung vorab informieren muss“ (Beverförde, Schreiben vom 6. Juli 2018). Die Eltern stehen dem Treiben oft hilflos gegenüber, weil sie nicht wissen, wie sie sich rechtlich dagegen wehren können. Die „Vielfalts-Sexualpädagogik“ ist Teil der sexuellen Revolution, die von der Genderideologie vorangetrieben wird. Papst Franziskus hat die Genderideologie mehrfach als „teuflisch“ bezeichnet. Das Merkel-Kabinett hat die Genderideologie als Querschnittsaufgabe für die Pädagogik – übrigens ohne Parlamentsdebatte und Parlamentsbeschluss – installiert.
Und die Alternative?
Hedwig von Beverförde hat 2017 die „Initiative Elternaktion“ ins Leben gerufen. Zur Information gibt es das Web-Angebot www.elternaktion. Interessierte werden über die Gefahren der LSBT-Sexualpädagogik informiert. Das Bündnis verteilt Informationsmaterial über Ziele und Methoden dieser Pädagogik und wie sich Eltern dagegen wehren können. Das ist auch notwendig, denn Eltern, die sich über die Sexualisierung ihrer Kleinkinder beschweren, werden eingeschüchtert und sogar mit dem Entzug des Sorgerechtes bedroht. Die große Koalition von CDU/CSU und SPD will laut Koalitionsvertrag bis Ende 2019 Kinderrechte in das Grundgesetz aufnehmen. Dies ist der Versuch, die Erziehungsrechte der Eltern zugunsten des Staates auszuhebeln (Beverförde, Schreiben vom 6. Juli 2018).
Auch diese Situation ist nicht „alternativlos“. Jeder kann das Aktionsbündnis „Ehe und Familie“ unterstützen durch Gebet, finanziell und die Teilnahme an den „Demos für Alle“! Frustration ist keine Lösung.

Hubert Gindert

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*