Weihbischof Athanasius Schneider: Ein echter Christ soll Christus nachahmen

„Christianus alter Cristus“, d. h. „der Christ ist ein zweiter Christus“. Das ist der erhabenste und edelste aller Titel, die ein Christ tragen kann. Schon in den ersten Jahrhunderten der Kirche haben die Gläubigen diese Bezeichnung immer wieder aus dem Mund ihrer Hirten gehört. Diese Bezeichnung geht auf den heiligen Märtyrerbischof Cyprian von Karthago aus dem dritten Jahrhundert zurück. Er sagte wörtlich: „Was Christus ist, das werden wir Christen sein, sofern wir Christus nachahmen werden“ (Quod est Christus, erimus Christiani, si Christum fuerimus imitati: Idol. (=Quod idola dii non sint), 6, 15). Gerade in der Zeit, in der allein schon der Name „Christ“ als ein Verbrechen galt oder zumindest Diskriminierung und Verachtung mit sich brachte, wurden die Christen daran erinnert, dass ein echter Christ Christus nachahmen soll, vor allem im Verachtet- und Verfolgtsein seitens der öffentlichen Meinung und der Politik der damaligen ungläubigen Welt.
Als dann die Verfolgung aufhörte, haben die Kirchenväter öfters an die herausragende Würde, an den geistlichen Adel des Christseins, erinnert: „Agnosce, o christiane, dignitatem tuam“, „Werde bewusst, o Christ, deiner Würde“ (S. Leo Magnus, serm. 1 de Nat.). Der heilige Leo der Große, von dem dieser Ausdruck stammt, führt dann weiter aus: „Werde bewusst, o Christ, deiner Würde. Du wurdest zur Teilnahme an der göttlichen Natur erhoben. Falle nicht ab in die Tiefe der alten Lebensweise. Erinnere dich daran, wessen Hauptes und wessen mystischen Leibes du Glied geworden bist. Denke nach über deine Befreiung aus der Macht der Finsternis und über deinen Hin­übergang in das Licht und in das Reich Gottes.“

Die Welt hat und wird immer Christus, den menschgewordenen Sohn, hassen. Deshalb wird sie auch immer Seine heiligste Mutter Maria und alle Seine Jünger durch alle Jahrhunderte hindurch hassen.  Der Christ heißt auch „Soldat Christi“. Dieses Bewusstsein war sehr stark in den ersten christlichen Jahrhunderten ausgeprägt und wurde dann auch durch alle Generationen weitergegeben, vor allem im Verständnis des Firmsakramentes, durch welches die Gläubigen zu Soldaten Christi für den geistigen Kampf geweiht und ausgerüstet werden. „Wir haben allen guten Grund, uns nie des katholischen Glaubens zu schämen, weil er der Glaube ist, den Christus gegründet hat und den die Apostel gelehrt haben. Es ist der Glaube, für den zahllose heilige Märtyrer gelitten haben und gestorben sind. Es ist der Glaube, der eine wahre Zivilisation mit all ihren Wohltaten hervorgebracht hat. Es ist der einzige Glaube, der die private und die öffentliche Sittlichkeit wahrhaft zu erneuern und zu erhalten vermag. Deshalb müssen wir die Hauptgeheimnisse dieses Glaubens und die Pflichten eines Christen kennen. Denn, wie jemand kein guter Soldat sein kann, ohne die Regeln seiner Heereseinheit und die Anordnungen des Befehlshabers zu kennen, so kann niemand ein guter Christ sein, ohne die Wahrheiten der Kirche und die Befehle Christi zu kennen. Wenn der heilige Paulus von „dieser bösen Zeit” (Eph. 5, 16) spricht, so ist damit die gegenwärtige Zeit gemeint, in der wir leben, die von Unglauben, falschen Lehren, schlechten Büchern, schlechten Beispielen und Versuchungen jeder Art umgeben ist“ (Katechismus von Baltimore, 3. Teil, 15. Lektion).
Papst Pius XII. sagte: „Der Christ, wenn er seinem Namen Ehre erweist, ist immer ein Apostel. Dem Soldaten Christi ist es nicht erlaubt, dass er das Schlachtfeld verlässt, weil nur der Tod seinen Militärdienst beendet“ (Ansprache an die Bischöfe der Vereinigten Staaten vom 1. November 1939).
Ein wesentliches Merkmal der Kirche und somit des Christseins ist die Sichtbarkeit. Sich in die „Katakomben“ zurückzuziehen, bedeutet sich vom Schlachtfeld zurückziehen und sich in der Illusion verstecken, ohne Kampf überleben zu können. Das käme einer Ablehnung der militanten Eigenschaft des Christentums gleich. Der „Katakombist“ will nicht kämpfen, weil er überzeugt ist, den Kampf bereits verloren zu haben. Die Katholiken haben nicht gekämpft, weil sie die biblische Idee des geistigen „Feindes“ beseitigt haben. Pius XII. widerspricht dieser Theorie und erklärt, dass die Katholiken der ersten drei Jahrhunderte keine „Katakombisten“, sondern Eroberer waren, indem er sagte: „Nicht selten wurde die Kirche der ersten Jahrhunderte als „Kirche der Katakomben“ dargestellt, als ob die Christen jener Zeit gewohnt gewesen wären, dort verborgen zu leben. Es gibt nichts Unrichtigeres: Jene unterirdischen Nekropolen waren hauptsächlich für das Begräbnis der verstorbenen Gläubigen bestimmt. Das Leben der Christen wurde in diesen blutdurchtränkten Jahrhunderten mitten in den Straßen und Häusern im Freien geführt. Diese „lebten nicht abgeschieden von der Welt; sie besuchten, wie andere, das Forum, die Bäder, die Werkstätten, die Geschäfte, die Märkte, die öffentlichen Plätze; sie übten ihre Berufe als Seefahrer, Soldaten, Bauern und Kaufleute aus“ (Tertullian, Apologeticum, 42). Diese tapfere Kirche war immer bereit an vorderster Front zu leben. Diese als eine Gemeinschaft von Christen darzustellen, die sich aus Verlegenheit oder Feigheit versteckten, wäre eine Beleidigung ihrer Tugenden. Sie waren sich ihrer Pflicht bewusst, die Welt für Christus zu erobern, das private und öffentliche Leben gemäß der Lehre und dem Gesetz des göttlichen Erlösers zu verändern, von wo dann eine neue Zivilisation, ein anderes Rom entstehen konnte. Und sie haben ihr Ziel erreicht. Rom und das Römische Reich wurden Christen“. (Ansprache an die Jugend der Katholischen Aktion Italiens am 8. Dezember 1947; vgl. Roberto de Mattei, True Devotion to the Chair of Saint Peter, Vortrag vom 8. April 2018 in Deerfield, Illinois).
„Die Sendung der Kirche und eines jeden ihrer Gläubigen ist immer dieselbe geblieben, nämlich das ganze Leben, das eigene, private und öffentliche Leben zu Christus zurückzuführen. Sich auf keine Waffenruhe einlassen, bis die Lehre Christi und sein Gesetz vollständig das Leben erneuern und prägen. Er ist unser Herr, unser König, unser Friede (vgl. Eph. 2, 14). In der Tat, je gewalttätiger heute die Kräfte des Unglaubens sind, um Christus und Seine Kirche vom Weg der Menschen fernzuhalten, desto mehr sollen sich die Reihen des geistlichen christlichen Heeres zusammenschließen, um für die souveränen Rechte Christi und die Freiheit der Kirche einzutreten, wovon nicht nur das ewige Heil der Seelen abhängt, sondern auch die Würde und das Glück der Menschen auf Erden, die bürgerliche Ordnung, die Gerechtigkeit und der Friede. Wenn das Leben aufhört, ein christliches zu sein, ist es dazu ausgesetzt, rasch in Unzivilisiertheit und Barbarei zu verfallen“ (Pius XII., Ansprache an die Jugend der Katholischen Aktion Italiens am 8. Dezember 1947).
Die Unbefleckte Jungfrau und Gottesmutter Maria besiegt alle Häresien, wie es die Kirche in der Liturgie singt (cunctas haereses sola interemisti in universo mundo: Commune Fest. B. M. V., ad Matut., ant. 7). „Maria besiegt alle Irrtümer, alle falschen Systeme, die der Menschheit versprechen, sie zur Vollkommenheit und zum Gipfel des Glücks zu führen, in der Tat aber bringen die falschen Systeme die Menschheit zum Abgrund der Korruption und des Zusammenbruchs“ (Pius XII., Ansprache an die Jugend der Katholischen Aktion Italiens am 8. Dezember 1947). Unter dem Zepter dieser unserer mächtigen Mutter bewahren wir unser Selbstbewusstsein mit Christus. Sie ist die Hilfe der Christen, die Königin des Friedens, ihr Unbeflecktes Herz wird uns sicherlich den Sieg bringen. Weil wir Christen sind, sind wir Kinder Gottes, sind wir ein zweiter Christus. Wir wollen immer mit Glauben und Ehrfurcht Gott dienen und Ihn allein anbeten, Seine Diener sein, die Kinder Seiner Magd, unserer heiligen und unbefleckten himmlischen Mutter Maria. „Werde bewusst, o Christ, deiner großen Würde“.         Amen
Predigt, 22. Juli 2018, Fulda,  Abschlussmesse beim Kongress „Freude am Glauben“
Foto(c) Forum Deutscher Katholiken

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*