Missbrauch des Missbrauchs. Ein Kommentar von Dr. Eduard Werner

Noch keine andere Organisation hat bis jetzt daran gedacht, Missbrauchsfälle, die in ihrer Organisation passiert sind, an die Öffentlichkeit zu bringen. Das hat bis jetzt nur die katholische Kirche getan – und das gleich in einem Zeitraum von 70 Jahren. Herauskam, dass über 1670 Priester Jugendliche sexuell missbraucht haben sollen. Man kann aber davon ausgehen, dass ein Teil davon falsche Anschuldigungen sind. In einer Diözese sind zwar nach Professor Manfred Lütz nur 6% der gemeldeten Fälle als falsche Anschuldigungen staatsanwaltschaftlich dokumentiert. Aber in 38 % der behandelten Fälle steht Aussage gegen Aussage. Um auf die gewünschte große Täter-Zahl zu kommen, muss man also den Rechtsgrundsatz „im Zweifelsfall für den Angeklagten“ umdrehen und in Zweifelsfall gegen den Angeklagten entscheiden. Nun wären 800 Täter auch eine schrecklich hohe Zahl. Jede einzelne Tat ist ein Verbrechen. Ein Rückgriff auf nur 30 Jahre – also auf eine Generation – wäre realistischer und gerechter gewesen. Denn die heutigen Priester, die überwiegend korrekt und opferbereit ihren Dienst tun, mit den Verbrechen früherer Generationen zu belasten, ist nicht gerecht sondern ein großes Unrecht. Außerdem hätte es die Zahl der Täter noch mal halbiert. Wahrscheinlich auf 400. Die Anklageschrift scheint noch einen anderen krassen Fehler zu haben. Sie zählt offensichtlich die damals in der ganzen Gesellschaft in Europa üblichen Ohrfeigen als Missbrauch. Eine klare Unterscheidung zwischen sexuellem Missbrauch und gewöhnlicher Ohrfeige fehlt offenbar. Die heutige Generation kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass Ohrfeigen und Prügel auch in den Schulen zum damaligen Erziehungskonzept gehörten. Mit Recht sind sie heute verboten. Wozu auch unterscheiden, wenn man an einer möglichst großen Zahl von Missbräuchen interessiert ist. Und: Niemand – auch kein Bischof – stellt sich heute schützend vor die große Zahl der guten Priester, die die Schande der Übeltäter erdulden müssen. Warum sind Kirchenfunktionäre an so großen Zahlen interessiert? Ist es deswegen, weil man nur mit einem riesengroßen Skandal zu „Reformen“ und vor allem zur Abschaffung des Zölibats zu kommen glaubt? Die Vorspiegelung so hoher Täter-Zahlen scheint eher ein publizistischer Missbrauch des sexuellen Missbrauchs zu sein. Heute wird gerne auch von Kirchenleuten der Zölibat für den Missbrauch verantwortlich gemacht, obwohl doch nun wirklich bekannt ist, dass die allermeisten sexuellen Missbräuche in den Familien, in Sportvereinen etc. geschehen.

Jetzt wird auch aus der Kirche heraus der Missbrauch missbraucht, um die alte Forderung nach Abschaffung des Zölibats endlich durchzusetzen. Selbst der Abt von St. Bonifatius und Andechs hat vor wenigen Tagen sein neues Buch „Steh auf“ in Andechs vorgestellt. Dabei hat er die Priesterweihe von Frauen, die Abschaffung des Zölibats und die kirchliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Gemeinschaften empfohlen. Für einen Klostervorsteher eine pikante Äußerung. Auf der Dorfebene geht es bald zu wie in den Stätten des Ungehorsam gegen Rom und den Katechismus der Kirche KKK.
In der ganzen Missbrauchs – Diskussion wurde auch der Einfluss der so genannten 68er und Spät68er raffiniert vergessen. Nicht verdrängt werden sollten die Berliner Kinderläden, der grüne Politiker Cohn Bendit und andere dieser Partei, die offen für Pädophilie eingetreten sind. Ihnen haben sich in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts keine Presse und keine Polizei entgegengestellt. Wenn die Saat der grünen Kinderlibertinage der 80er Jahre jetzt gesamtgesellschaftlich aufgeht, so ist das keine Überraschung.
Wer heute die Kirche wegen der Missbrauchsfälle anklagt und nicht gleichzeitig gegen die Gender – Ideologie Sturm läuft, ist jedenfalls unehrlich. Denn die Gender – Ideologie sät in den Schulen das aus, was später unweigerlich zur schweren Störung der kindlichen und jugendlichen sexuellen Identität führen kann. Zum Schluss dürfen wir nicht vergessen, dass unsere vielen guten Priester gerade jetzt Dank und Anerkennung verdienen. Wir stehen fest an ihrer Seite. Dass die Lehre des Evangeliums zurecht gebogen wird und große Feindschaft hervorrufen wird, haben Jesus und seine Apostel uns vorhergesagt. Wer aber bis zum Ende treu bleibt, dem ist die Krone des Lebens versprochen. Der Zeitgeist bläst Sturm, lasst uns standhalten.

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2 Antworten auf Missbrauch des Missbrauchs. Ein Kommentar von Dr. Eduard Werner

  1. Johannes Friedrich sagt:

    Die Überschrift ist völlig zutreffend, denn der Mißbrauch wird tatsächlich mißbraucht, zum einen, um gegen die Katholische Kirche zu hetzen, zum anderen, um wieder die absurden Forderungen wie Abschaffung des Zölibates und Frauenpriestertum zu fordern. Mit dem Zölibat hat Pädophilie nicht das Geringste zu tun. Die Zahl der Mißbrauchsfälle durch Nicht-Geistliche, betragen ein Vielfaches derer, welche Geistliche verübt haben. Wie die Weihe von Frauen Mißbrauchsfälle verhindern soll, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Die Forderung nach Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ist geradezu hirnrissig; schließlich ist der Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie bekannt – auch wenn dies durch die Genderisten vehement bestritten wird.

  2. Hubert Krebser sagt:

    Einzelziele rücken das Hauptziel in den Hintergrund
    Das Anliegen dieses Beitrags wird durch die Überschrift richtig wiedergegeben. Indem aber die Argumentation nach verschiedenen Richtungen abgesichert wird, liegt das Hauptziel dem Leser nicht ständig im Sinn.
    Man muss davon ausgehen, dass hohe Kleriker (Kardinal, Bischof) an einer zahlenmäßigen Ausweitung des Themas nicht nur interessiert waren / sind, sondern aktiv dazu beigetragen haben. Das taten sie, indem sie die Rahmenbedingungen für die „Missbrauchsstudie“ entsprechend setzten. In der Folge erhoben die Verfasser der Studie nicht nur Fakten, sondern leiteten daraus direkt / indirekt Handlungsempfehlungen ab, wie sie der Zeitgeist nahelegt. Diese Empfehlungen entsprechen nicht der Lehre und / oder der Tradition der Katholischen Kirche. Eine höhere Zahl von Bischöfen hat sich damit eine quasi-wissenschaftliche Begründung geben lassen für das, was sie ohnehin im Sinn hatten / haben.
    Der „Missbrauch des Missbrauchs“ besteht demnach darin, dass ein Sachverhalt für sachverhaltsferne kirchenpolitische Ziele zu nutzen gesucht wird.
    Es sind hauptsächlich diese:
    die Abschaffung des Zölibats, die Einführung der Frauen-Priesterweihe, die kirchliche Anerkennung für die gleichgeschlechtlichen Verbindungen.
    Erstaunlicherweise steht Homosexualität, die oft Ausgangspunkt von sexueller Gewalt gegen minderjährige junge Männer ist, kaum im Blickpunkt der hohen Kleriker (Kardinal, Bischof). Sie kannten noch nicht das neueste Zeugnis des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Carlo Maria Viganò, vom19. Oktober 2018, bezüglich Vertuschung. Den Sachverhalt aber kennen sie hinreichend und schon lange genug.

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