Alfred Andreas Heiß – ein klares Zeugnis in dunkler Zeit

Wie wir aus der Demoskopie wissen, veranlasst die Schweigespirale die meisten Menschen dazu, ein Bekenntnis zur eigenen Meinung zu unterdrücken. Wer wagt es schon, seine abweichende Meinung gegen eine Mehrheit kundzutun ? Um so erstaunlicher ist das Zeugnis jener Märtyrer, die gegen eine erdrückende Mehrheit und unter Lebensgefahr ein Bekenntnis für ihre Überzeugung abgelegt haben. Dies waren allein in der Zeit des Nationalsozialismus viertausend katholische Priester und zweihundert evangelische Pastoren. Sie alle fanden den Tod gemäß Christi Wort:“ Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ Zu diesen Märtyrern gehört aber auch eine unüberschaubare Zahl von Laien, deren Mut und Gewissen stärker waren als die Todesangst. Einer von ihnen ist der Justizangestellte Alfred Andreas Heiß. Er ist 1904 in Triebenreuth in Oberfranken geboren. Durch Fleiß und Ausdauer erwarb er in der schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg die Position eines Verwaltungs- angestellten in Stadtsteinach. Fotos aus dieser Zeit zeigen Alfred Heiß als fröhlichen Fußballspieler, als Wanderer und als geselligen Gast auf Faschingsveranstaltungen. Um beruflich vorwärts zu kommen und auch um von der weiten Welt etwas mehr zu sehen, ging er schließlich nach Berlin, wo er beim Arbeitsgericht tätig war.
Er fand Anschluss in der katholischen Gemeinde, besuchte Fortbildungskurse und arbeitete in der Freizeit auch für Kaplan Fahsel. Dieser hatte in ganz Deutschland eine Vortragstätigkeit entfaltet, welche ihn in Konflikt mit den Nationalsozialisten brachte, weshalb er 1933 in die Schweiz emigrieren musste. 1934 verbrachte Heiß seinen Urlaub in der fränkischen Heimat. Im Gespräch mit Triebenreuthern äußerte er, dass die Ursachen für den Reichstagsbrand noch nicht geklärt seien. Er glaube auf keinen Fall, dass der Täter in das Reichstagsgebäude gelangt wäre, wenn ihm die Nationalsozialisten nicht absichtlich dazu verholfen hätten. Seine Gesprächspartner zeigten ihn an. Heiß wurde verhaftet und sofort aus dem Dienst entlassen. Seinen Verrätern und Belastungszeugen verzieh er großmütig. Schließlich fand er wieder eine Beschäftigung. 1940 lehnte er es als Soldat ab, eine Uniform mit Hakenkreuz zu tragen. „Da der Nationalsozialismus antichristlich eingestellt ist, muss ich es ablehnen, für den nationalsozialistischen Staat Dienst als Soldat zu tun.“ (Aus der Anklageschrift des Reichskriegsgerichtes). In der Gefängniszelle erlebte er die totale Einsamkeit. Es gab keinen Besuch. Ohne jede Aussicht auf menschliche Hilfe blieb er seinem Gewissen treu.. Er war allein gegen Millionen. Nur glaubensstarke Zeiten bringen derart mutige Zeugen hervor.
Erwartungsgemäß wurde er „wegen Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt und am 24.09.1940 hingerichtet. In seinem Abschiedsbrief heißt es u.a. : „Haltet fest an Christus und an seiner Kirche !“ Das Zeugnis von Alfred Andreas Heiß ist erschütternd. Ein hoffnungs- voller junger Mensch muss für sein Gewissen in den Tod gehen. Ein Mensch von dieser Glaubenskraft und von diesem Opfermut ist so rein, dass er wohl von Gott sofort in den Zustand der Seligen aufgenommen wird. Märtyrer sind Heilige. Tröstlich ist hier ein Gedanke von Georges Bernanos:“ Ein paar Sekunden Ewigkeit werden alles wieder in Ordnung bringen!“.

Eduard Werner

Quelle: Eduard Werner: Helden und Heilige in Diktaturen, Media Maria Verlag, Illertissen 2017

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*