Andreas Hermes – ein Leben für die Wahrheit.

Viele Menschen haben sich in der Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus einen klaren Blick bewahrt und sogar ihr Leben riskiert für Gottes unvergängliche Ordnung. Ein Beispiel hierfür ist der deutsche Politiker Andreas Hermes. Er ist 1878 in Köln geboren und 1964 auf seinem Landsitz in der Eifel gestorben. Schon frühzeitig kam er als Abgeordneter der katholischen Zentrumspartei nach Berlin. In der Zeit der großen Not nach dem 1. Weltkrieg wurde er zunächst Reichsernährungsminister und später Reichsfinanzminister. Dann wurde er Präsident der christlichen Bauernvereine und der Raiffeisen-Genossenschaften. Seine Sachkenntnis und vor allem seine Geradlinigkeit waren eben an vielen Orten gefragt.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 durfte er kein öffentliches Amt mehr ausüben. Er hatte schon frühzeitig vor dem Terrorsystem gewarnt und war bald davon überzeugt, dass dieses Terrorsystem nur noch militärisch vom Ausland her beseitigt werden könnte. Als 1943 auch an ihn die Frage gerichtet wurde, ob er zur Mitwirkung beim gewaltsamen Sturz Hitlers bereit sei, war seine Reaktion klar: „Keine Beteiligung an einem Attentat, aber ich will mich einer Mitarbeit beim Wideraufbau eines Rechtsstaates nach dem Krieg nicht versagen.“ Die Diskussion, ob ein Tyrannenmord erlaubt sei, hatte auch ihn berührt. Darüber hinaus ahnte Hermes, dass das nun von Goerdeler und Stauffenberg geplante Attentat ebenso wie die 40 vorausgegangenen Attentate scheitern werde. Hitler würde dann  grausam Rache nehmen. Auch schien ihm Gördeler nicht vorsichtig genug vorzugehen. Wie recht er hatte, zeigte sich bald. Nach dem 20. Juli 1944 wurde auch Andreas Hermes verhaftet. Möglicherweise hatten Mitwisser seinen Namen unter Folter preisgegeben. Von  dem berüchtigten Richter Roland Freisler wurde auch Hermes zum Tode verurteilt. Was dann folgte, ist  erstaunlich. Eine große Gebetsgruppe von Frauen, die über ganz Deutschland verteilt waren, bestürmte den Himmel mit Gebeten. Sie suchten zugleich juristischen Beistand und Trost für alle Gefangenen zu beschaffen. Unter strenger Bewachung durften Frau Hermes und ihr Sohn Peter  dem  verurteilten Vater einen Abschiedsbesuch machen. Zwei Söhne waren schon gefallen. Als am 3.Februar 1945 der  Richter Freisler bei einem Bombenangriff ums Leben kam, wurde die Hinrichtungsmaschinerie langsamer und schließlich wurde Berlin von russischen Truppen besetzt, bevor das Todesurteil an Hermes und anderen vollstreckt werden konnte. Für viele war die ersehnte Rettung  geschehen. Nach dem Krieg gründete Hermes mit einigen Freunden die CDU in der sowjetisch besetzten Zone, um einen neuen Rechtsstaat aufzubauen. Dieses Wirken fand ein jähes Ende, als Ende 1945 die Sowjets die Popularität von Hermes dazu nutzen wollten, die so genannte Bodenreform gutheißen zu lassen. Hätte Hermes diese Reform öffentlich begrüßt, so hätte dies auch als Zustimmung zur rechtlosen Enteignung der Großgrundbesitzer, zur Zwangskollektivierung    und darüber hinaus zur grundlosen Erschießung der meisten Großgrundbesitzer gedeutet werden können. Das kam für Hermes nicht in Frage. Um ihn umzustimmen, hatten die Sowjets einen teuflischen Plan. Sie sagten zu Hermes: „Hinter dieser Tür ist Ihr Sohn! Wenn Sie jetzt endlich unterschreiben, geht die Tür auf und Ihr Sohn ist frei. Wenn Sie nicht unterschreiben, muss Ihr Peter zurück in die sowjetische Kriegsgefangenschaft.“ Das war eine herzzerreißende Versuchung für den Vater, denn er wusste, welch lebensbedrohliche Strapazen dort auf seinen letzten Sohn warten. Aber eine Zustimmung zum Unrecht kam für den Mann, der gerade erst dem Galgen entronnen war, nicht in Frage. Deshalb musste sein Sohn  wieder nach Russland.  Erst fünf Jahre später wurde er krank entlassen. Nach dem Abschluss seines Studiums konnte nun der Sohn zusammen mit seinem Vater und vielen anderen Verfolgten in Westdeutschland am Aufbau des Staates mitarbeiten.
Eduard Werner

Quellen: Marianne Hapig – Tagebuch und Erinnerung, Plöger, Mooshausen  2008
Peter Hermes: Meine Zeitgeschichte, Schöningh, Paderborn 2008

Quelle: Eduard Werner: Helden und Heilige in Diktaturen, Media Maria Verlag, Illertissen

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