Judenhelfer Andreas Girkens – „Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit …“

In Deutschland ist ein Dogma weit verbreitet, nach dem fast alle Deutschen Nazis und Antisemiten gewesen seien. Folglich sind alle Hinweise auf „gute“ Deutsche, auf Judenhelfer tabu. Wer trotz dieses Tabus Geschichten von Judenhelfern sammelt und damit gegen das Kollektivschuld- Klischee verstößt, wird in den Medien als Unperson behandelt. Das Prinzip von der Freiheit der Forschung und das sonst so hochgelobte Grundrecht zur freien Meinungsäußerung sind hier außer Kraft gesetzt. Wer bei seiner Judenrettung von der SS nicht erfasst wurde, hatte Glück bei seinen Aktionen, aber Pech vor der Geschichte. Er wurde einfach vergessen oder verdrängt. Bekannt sind eher die Judenhelfer, die ihren Einsatz für die Menschenwürde mi dem Leben bezahlt haben. Sie bilden jedoch nur die sprichwörtliche Spitze des weithin unsichtbaren Eisberges. Allein im katholischen Martyrologium „Zeugen für Christus“ sind 40 ermordete Judenhelfer dokumentiert. Einer dieser Helden ist der Bäckermeister Andreas Girkens.
Er ist 1883 im Dorf Mechernich im Raum Aachen geboren. Dort brachte er es zu einem wohlhabenden Bäckermeister mit ansehnlichem Hausbesitz. Im Nachbarhaus wohnten ein jüdischer Arzt und ein jüdischer Zahnarzt. Mit ihnen pflegte Girkens einen freundschaftlichen Umgang. Als nach Hitlers Machtübernahme 1933 Patienten der jüdischen Ärzte von den Nazis belästigt wurden, schleuste der Bäckermeister diese Patienten durch seinen Laden zu einem rückwärtigen Eingang in das Ärztehaus. Anlässlich der Reichspogromnacht am 9.11.1938 suchten mehrere Juden in der Bäckerei Zuflucht. Das blieb den Nazis nicht lange verborgen. Deshalb überfielen sie zwei Tage später die Bäckerei, zerschlugen Schaufenster und Vitrinen und den Bäckermeister selbst schlugen sie krankenhausreif. Die Schikanen gegen die ganze Familie Girkens steigerten sich von Jahr zu Jahr. Selbst für ein zu frühes Öffnen oder zu spätes Schließen von nur zwei Minuten gab es empfindliche Strafen. 1944 unterstellten die Nazis dem Bäckermeister, er hätte ausländische Rundfunksender gehört, was damals strengstens verboten war. Girkens kam deshalb in das Kölner Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Dort wurde Girkens gefoltert. Als ihn Wochen später Verwandte kurz besuchen konnten, waren sie von seinem Aussehen erschüttert. Girkens war abgemagert. Er hatte blaue Flecken im Gesicht und verschwollene Augen. Am 3.Oktober 1944 erlag er seinen Verletzungen. Durch Beziehungen und mit Hilfe von damals sehr wichtigen Lebensmittelspenden gelang es der Familie, den Leichnam im geschlossenen Sarg zur sofortigen Beerdigung frei zu bekommen. Ein SA-Mann fotografierte die wenigen Trauergäste bei der Beerdigung.
Andreas Girkens war als regelmäßiger Kirchgänger im religiösen Leben der Kirche fest verankert. Er wollte zeitlebens nicht hinnehmen, dass unschuldige Juden nur wegen ihres „Judeseins“ verfolgt werden. Als bekennender Katholik wusste er schließlich, dass Christus, Maria und die Apostel auch Juden waren. Nach dem Urteil seiner Nachbarn und des Ortspfarrers hatte Andreas Girkens einen gesunden inneren Instinkt für Wahrheit und Gerechtigkeit. Der NS-Weltanschauung stand er von Anfang an ablehnend gegenüber. Ohne große Worte hat er die Konsequenzen seiner Haltung bis hin zum Lebensopfer auf sich genommen. Ein Zurückweichen vor der Gewalt war für diese geradlinige Persönlichkeit nicht denkbar. Andreas Girkens könnte ein Vorbild sein für jene, die versucht sind, sich dem Zeitgeist anzupassen. Während die Intellektuellen an Deutschlands Universitäten vorsichtig schwiegen, waren es neben den Priestern oft einfache Menschen, die zwischen Recht und Unrecht unterschieden und entsprechend geholfen haben. Sie sind die besseren Vorbilder
Quelle: Herbert Arens im Martyrologium „Zeugen für Christus“ I S. 41 – 45

Eduard Werner

Quelle: Eduard Werner: Helden und Heilige in Diktaturen, Media Maria Verlag, Illertissen 2017

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Eine Antwort auf Judenhelfer Andreas Girkens – „Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit …“

  1. Herbert Klupp sagt:

    Ich habe das Buch „Helden und Heilige“ mit seinen 108 Biografien erworben – und bin sehr dankbar für diese Publikation. Da es aber wohl weitaus mehr solcher Schicksale gab, wie etwa Monat für Monat dokumentiert auf der letzten Seite des „FELS“, möchte ich angesichts der „neuen Medien“ die Bitte äußern, doch unbedingt auch eine eigene „Webseite“ aufzumachen ( das kostet angeblich teilweise nur 1 Euro pro Monat ? ) um dort FÜR ALLE WELT IM SCHNELLEN ZUGRIFF all diese Schicksale, Martyrien, Rückgratbeweise, Glaubensbeweise uam vorzuhalten. Diese „Homepage“ könnte bspw heißen „www.katholischer-widerstand.de“ ( diese Adresse scheint noch nicht vergeben zu sein )

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