Der heilige Papst Johannes Paul II. und die Priester

In seinem Buch Geschenk und Geheimnis (1997) beschreibt der Papst anlässlich seines fünfzigjährigen Priesterjubiläums seinen Weg zum Priestertum sowie die weiteren Stationen seines Lebens. Wir wollen von seinem Leben und seinen Worten lernen, die seine Verbundenheit mit Jesus, unserem Herrn und Gott, sowie Seiner Mutter Maria, ausdrücken. Gott überhäuft jeden Menschen mit Seinen Gnaden, wir müssen diese Geschenke nur erbitten und annehmen sowie für unsere Nächsten und uns selbst fruchtbar machen. Der Herr führt uns auf Seinen Wegen, wenn wir auf Ihn und Seine Weisungen demütig hören sowie diese in unserem Leben umsetzen. Gott ist barmherzig, allwissend und gerecht – Er kümmert sich besonders um die Verfolgten und Benachteiligten. Johannes Paul II. verlor schon mit neun Jahren seine Mutter und schloss sich eng an seinen frommen Vater an, der viel betete. Der spätere Papst erlebte die grausame Besatzung im II. Weltkrieg durch die verschiedenen Organisationen der Nazis und musste Zwangsarbeit in einer Fabrik leisten. Er schloss mit vielen Arbeitern Freundschaft, taufte später nach seiner Priesterweihe ihre Kinder und hielt für ihre Verstorbenen die heilige Messe. Während dieser Zeit als Zwangsarbeiter studierte er im Untergrundseminar des Erzbischofs von Krakau und bereitete sich auf das Priesteramt vor. Die Arbeiter erlaubten dem späteren Papst, seine Bücher heimlich mitzubringen, während der Arbeit auch zu studieren und schützten ihn. Voller Dankbarkeit erinnert er sich an sie sowie seine priesterlichen Oberen und Professoren. 1947 empfing Johannes Paul II. die heilige Priesterweihe und wurde nach Rom geschickt, um dort den Doktor der Theologie zu erwerben. Sein Interesse für das Heil der Seelen brachte ihn immer wieder in Verbindung mit den Menschen, besonders auch mit den Arbeitern, deren hartes Leben er selbst durch seine Zwangsarbeit gut kannte. Nach dem Abschluss seiner Studien war Johannes Paul II. ein Jahr Kaplan in einer Landpfarrei und unterrichtete an fünf Schulen. Seine zweite Stelle als Priester war die Krakauer Stadtpfarrei St. Florian. Dort oblag ihm zusätzlich noch die Studentenseelsorge. Er hielt Vorträge unter anderem über die Existenz Gottes, um den Studenten Argumente gegen den kommunistischen Atheismus an die Hand zu geben. Die heilige Beichte sowie die Seelsorge an den Familien und der Jugend waren neben der heiligen Messe seine Schwerpunkte – auch als er vom Krakauer Erzbischof den Auftrag erhielt, sich auf eine Professur in Ethik und Moraltheologie vorzubereiten.

Zwölf Jahre nach seiner Priesterweihe wurde Johannes Paul II. Bischof, dann Erzbischof von Krakau und Kardinal. Neben der schon genannten Jugend- und Familienseelsorge kümmerte er sich besonders um den Priesternachwuchs, der für jedes Bistum wegen der Verkündigung des göttlichen Wortes und der Spendung der Sakramente wesentlich ist. In dem neu entstandenen Vorort Nowa Huta gelang es ihm gegen den Willen der herrschenden Kommunisten mit Hilfe der Gläubigen eine Kirche zu errichten. 1978 wurde Johannes Paul II. nach dem plötzlichen Tod von Johannes Paul I. zum Papst gewählt. Dieses schwierige Amt bekleidete er fast 27 Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 2005. Bedingt durch seine Erfahrungen unter zwei menschenfeindlichen Diktaturen war dem Papst der Schutz der gottgegebenen Würde eines jeden Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ein großes Anliegen, was er immer wieder in Predigten und Rundschreiben – gelegen oder ungelegen – zum Ausdruck brachte. Seine enge Verbindung zur Gottesmutter Maria schlug sich in seinem Wappen nieder, das neben dem Kreuz ihres Sohnes ein M für Maria sowie die Worte Totus Tuus (‚ganz Dein‘) auf blauem Hintergrund – der Farbe Mariens – enthält. Diese tiefe Verehrung der Gottesmutter wurde schon in der Familie und der Heimatpfarrei grundgelegt. Später wallfahrte Johannes Paul II. immer wieder zur Kirche der Karmeliten, die ihm auch das braune Skapulier Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel auflegten. Er betete gerne den Engel des Herrn, der die Mitwirkung Mariens an unserer Erlösung durch ihren Sohn Jesus Christus beschreibt und eine kurze Zusammenfassung dieser Heilsgeheimnisse ist. In vielen Schreiben wandte sich der Papst an die Priester, die er zum Gebet, zu einer engen Christusbeziehung, die sich aus der Feier des heiligen Messopfers ihre Kraft und Stärke holt, sowie zur Verkündigung der Frohen Botschaft vom Reich Gottes ermutigte. Die Zusammenarbeit mit den gläubigen Laien war ihm seit jeher ein Herzensanliegen. Er selbst half als Ministrant und Katechet seinen priesterlichen Seelsorgern und unterstützte als Priester, Bischof und Papst die eifrige Arbeit der gläubigen Laien für Christus und Seine Kirche. Johannes Paul II. betonte sehr stark die göttliche Sendung der Priester für die Menschen, um ihnen die Liebe und Barmherzigkeit des dreifaltigen Gottes zu verkünden und vorzuleben. Der Vater hat uns aus Liebe erschaffen und Seinen Sohn gesandt, um uns von unseren Sünden zu erlösen. Der Heilige Geist wirkt in uns durch die göttlichen Gnaden, die Er uns schenkt und in den Sakramenten. Diese unendliche Liebe und Barmherzigkeit verkündete Johannes Paul II. unermüdlich auf der ganzen Erde. Er sprach Schwester Faustyna heilig, die von Jesus den Auftrag erhielt, Seine Barmherzigkeit durch ihre Schriften, den Barmherzigkeitssonntag und das Bild vom Barmherzigen Jesus, das ihr der Herr selbst in einer Vision offenbarte, auf der ganzen Welt zu verbreiten. Johannes Paul II. verstarb am Vorabend des Barmherzigkeitssonntages, dem ersten Sonntag nach Ostern, im Jahr 2005.
Nach dieser kurzen Beschreibung des Lebens von Johannes Paul II., die seinen Einsatz für Jesus Christus und die Menschen in der Gottes- und Nächstenliebe deutlich hervortreten lässt, wollen wir uns noch einigen seiner Gedanken aus seinem Buch Geschenk und Geheimnis zuwenden, um das eben Gelesene zu vertiefen. Der Papst hebt hervor, dass jede Berufung ein Geheimnis Gottes ist und Er derjenige ist, der uns erwählt: „Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt“ (Joh 15,16). „Und keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen“ (Hebr 5,4). Dieser Ruf Gottes ist eine große Gnade (2 Tim 1,9). Johannes Paul II. lebte und verkündete das Geheimnis der heiligen Messe, der sakramentalen Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers, der Auferstehung und der Himmelfahrt unseres Herrn und Gottes Jesus Christus. Die liebende Hingabe des Sohnes an den Vater im Heiligen Geist tilgt unsere Sünden und ermöglicht es uns, in der Taufe Kinder Gottes und Seiner Kirche zu werden. Der Papst schöpfte aus dieser unendlichen Liebe Gottes seine Kraft, die ihre Fortsetzung im Gebet des Breviers, der Verkündigung des Evangeliums und der tätigen Nächstenliebe findet. In diesen heiligen Handlungen ist jeder Priester Nachfolger Jesu Christi – von Ihm erhält der Priester seine Gnaden und die Kraft für sein Wirken. Priester ist man nicht für sich selbst, sondern immer für die Menschen, die Gott durch Seine Priester zu sich rufen will – eben durch Gebet, durch die Verkündigung, durch ein vorbildliches Leben und vor allem durch die Sakramente. Johannes Paul II. schreibt, dass der Priester der Verwalter der Geheimnisse Gottes ist und in der Person Jesu Christi die Sakramente spendet. Dadurch dient der Priester den Gläubigen, besonders in den Sakramenten der heiligen Eucharistie und der heiligen Beichte, die uns die Barmherzigkeit und Liebe Gottes vermitteln. Jeder Christ hat durch die heilige Taufe, die ihn zum Kind Gottes macht, Anteil an der Sendung Jesu Christi: Die Christen leben und verkünden das Evangelium in der Familie, in der Schule, an der Universität und am Arbeitsplatz durch Wort und Tat. Die Getauften haben Anteil an der priesterlichen Sendung Jesu Christi, wenn sie gesammelt und fromm an der heiligen Messe – vor allem am Sonntag – teilnehmen. „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8). Jesus Christus ist unser Herr und Gott – „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm“ (1 Joh 4,16). Und in Seiner unendlichen Liebe bleiben wir, wenn wir Seine Gebote der Gottes- und Nächstenliebe anerkennen und leben. Dazu bedarf es der Treue – Gott schenkt uns Seine Gnaden, damit wir treu bleiben können bis zum Tod. Dafür können wir Ihm nicht genug danken: Ich danke Dir, Herr Jesus Christ, dass Du für uns gestorben bist. Ach, lass Dein Blut und Deine Pein an uns doch nicht verloren sein. Amen. Diesen Dank an Gott wollen wir in der Nächstenliebe umsetzen, indem wir gut zueinander sind, wie Jesus Christus gut zu uns ist.

P. Andreas Hirsch FSSP

Foto: commons. wikimedia.org

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