Kennzeichen einer dekadenten Gesellschaft

Die Götter dieser Welt waren wohl schon immer Macht, Geld und Sex. Entsprechend korrespondieren damit die Verzichte derer, die sich einer großen Aufgabe ganz und ungeteilt hingeben, nämlich Gehorsam, Armut und Keuschheit.
Gottferne Gesellschaften, wie man sie in der westlichen Welt heute antrifft, praktizieren die moderne Götzenanbetung besonders ungeniert. Ein Beispiel dafür liefert die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) vom 9. Oktober. Was ist passiert? Wegen Steuerhinterziehung musste Uli Hoeneß, der Präsident des FC-Bayern-München eine Gefängnisstrafe abbüßen: „Mehrere Mithäftlinge wollten ihn heimlich fotografieren, um damit Geld zu machen.“ „Unter anderem unter der Dusche, wo ich nackt war“, berichtete Hoeneß und „meine größte Sorge war, dass solche Fotos von mir im Internet auftauchen … meine Privatsphäre wurde extrem verletzt. Das habe ich bis heute nicht verarbeitet.“
Uli Hoeneß stellte Strafantrag und sagte in einem Prozess gegen einen Mitangeklagten aus, der mit einer Mini-Digitalkamera in einem Kugelschreiber Fotos und ein Video von Hoeneß gemacht haben soll. Hoeneß stellte gegen diesen Mann Strafantrag, sagte aber: „Ich habe kein Interesse, dass der Angeklagte verurteilt wird.“ Hoeneß griff in seiner Aussage Reporter des Magazins Stern an und äußerte: „Die gehören hierher, die, die dahinterstehen, sollten bestraft werden.“ Die Stern-Journalisten hatten lt. Hoeneß den Gefangenen Geld geboten für Fotos von Hoeneß. Tatsächlich sollen, der Anklage nach, die Stern-Reporter „2500 Euro für Aufnahmen bezahlt haben“ verhandelt wurde über 35.000 Euro.
Hoeneß hat recht wenn er sagt: „Da wurde die Not eines Gefangenen schamlos für derart schäbige Zwecke ausgenutzt.“ Dieser Bericht sagt etwas aus, nicht nur über die Geldgier von Mithäftlingen, sondern auch über das Berufsethos von Reportern des Stern. Wenn über Beträge von 35.000 Euro gesprochen wurde, taucht die Frage auf, welche Hintermänner standen hinter einem solchen Deal. Denn Reporter können von sich aus kaum solche Summen hinblättern.

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Kennzeichen einer dekadenten Gesellschaft

  1. Mathias Wagener sagt:

    Dekadent ist der richtige Ausdruck für diese Erscheinungen, die näher geschildert worden sind, und beileibe keine Einzelerscheinungen bilden. Zahlreiche Medien darunter auch mit Zwangsbeiträgen finanzierte nutzen überreichlich ihre Machtstellung aus. Das ist sehr beklagenswert.

  2. Wobei zu ergänzen wäre, dass weder solche Summen angeboten noch bezahlt würden, wenn der „Stern“ mit Nackfotos von Herrn Hoeness keine Auflage machen würde. Das Kernproblem scheinen mir hier weniger der sich anbietende Häftling, noch die zahlungswilligen Reporter (beides unanständig, keine Frage), sondern die nach Sensationen gierende Leserschaft zu sein.

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