Papst Franziskus: Das Bekenntnis zum Erlöser führte zu Steinigung

Nach dem Fest der Geburt Jesu feiern wir heute den heiligen Stephanus, den ersten Märtyrer, und seine »Geburt zum Himmel«. Auch wenn es auf den ersten Blick den Anschein haben könnte, als bestünde zwischen den beiden Feiertagen keine Verbindung, ist sie in Wirklichkeit gegeben, und es ist eine sehr enge Verbindung.
Gestern haben wir in der Weihnachtsliturgie die Verkündigung vernommen: »Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt« (Joh 1,14). Der heilige Stephanus stürzte die Anführer seines Volkes in eine Krise, da er »erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist« (Apg 6,5) unerschütterlich an die neue Gegenwart Gottes unter den Menschen glaubte und sie bekannte. Er wusste, dass der wahre Tempel Gottes nunmehr Jesus ist, das ewige Wort, das gekommen ist, um in unserer Mitte zu wohnen, in allem uns gleich, außer der Sünde. Doch Stephanus wird beschuldigt, die Zerstörung des Tempels von Jerusalem zu predigen. Die gegen ihn gerichtete Anklage besteht darin, erklärt zu haben: »Dieser Jesus, der Nazoräer, wird diesen Ort zerstören und die Bräuche ändern, die uns Mose überliefert hat« (Apg 6,14). Die Botschaft Jesu ist tatsächlich unbequem und stört uns, da sie die weltliche religiöse Macht herausfordert und die Gewissen provoziert. Nach seinem Kommen ist es erforderlich, umzukehren, die Mentalität zu ändern, darauf zu verzichten, wie vorher zu denken, sich zu ändern, umzukehren.
Stephanus blieb bis in den Tod hinein fest in der Botschaft Jesu verankert. Seine letzten Gebete: »Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!« und »Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! (Apg 7,59-60), diese beiden Gebete sind der treue Widerhall jener Worte, die Jesus am Kreuz sprach: »Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist« (Lk 23,46) und »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!« (V. 34). Jene Worte des Stephanus waren nur möglich, weil der Sohn Gottes für uns auf die Erde gekommen, gestorben und auferstanden ist. Vor diesen Ereignissen waren es menschlich undenkbare Worte. Stephanus fleht zu Jesus, seinen Geist aufzunehmen. Der auferstandene Christus nämlich ist der Herr, er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. Nicht nur in der Stunde unseres Todes, sondern auch in jedem Moment des Lebens: ohne ihn vermögen wir nichts zu vollbringen (vgl. Joh 15,5). Daher dürfen auch wir vor dem Jesuskind in der Krippe so beten: »Herr Jesus, dir empfehlen wir unseren Geist, nimm ihn auf«, damit unser Dasein wirklich ein gutes Leben nach dem Evangelium sei.
Jesus ist unser Mittler und er versöhnt uns nicht nur mit dem Vater, sondern auch untereinander. Er ist die Quelle der Liebe, die uns für die Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern öffnet, dazu, einander zu lieben und jeden Konflikt und Groll zu beseitigen. Wir wissen, dass Ressentiments etwas Hässliches sind, sie richten Schlimmes an und verletzen uns! Und Jesus beseitigt all dies und lässt uns einander lieben. Das ist das Wunder Jesu. Wir wollen den für uns geborenen Jesus bitten, uns zu helfen, diese zweifache Haltung des Vertrauens auf den Vater und der Liebe zum Nächsten anzunehmen; eine Haltung, die das Leben verwandelt und es schöner, fruchtbarer macht. Zu Maria, der Mutter des Erlösers und Königin der Märtyrer, erheben wir voll Vertrauen unser Gebet, dass sie uns helfe, Jesus als den Herrn unseres Lebens aufzunehmen und zu seinen mutigen Zeugen zu werden, die bereit sind, persönlich den Preis für die Treue zum Evangelium zu zahlen.

Bild  L’Osservatore Romano

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