Graf von Drechsel – den Tod gläubig annehmen

Der Tod ist für jeden Menschen todsicher. Dennoch verdrängen ihn die meisten Menschen. Dagegen können Menschen, die ihr Todesurteil und ihre Hinrichtung erwarten, den nahen Tod nicht mehr verdrängen. Daher ist das Zeugnis eines Todeskandidaten echt. Das zeigen uns die vielen Helden und Heiligen der zweitausendjährigen Kirchengeschichte. Der Hauptmann Max Ulrich Graf von Drechsel ist einer von ihnen. Er wurde 1911 auf Schloss Karlstein bei Regensburg geboren. Nach dem Abitur am Benediktinergymnasium St. Stephan in Augsburg studierte er Rechts- und Sozialwissenschaften. Nach dem Staatsexamen ergriff er die Offizierslaufbahn, weil dort damals der Einfluss der Nationalsozialisten noch vergleichsweise geringer war als in der staatlichen Verwaltung. Bei Kriegsbeginn kam er an die Westfront. In Frankreich achtete er darauf, dass die Zivilbevölkerung als europäisches Brudervolk gut behandelt wurde. Nach einer Verwundung in Nordafrika wurde er in die Abteilung des Freiherrn Ludwig von Leonrod in München versetzt, wo er sich den Verschwörern des Grafen Claus Schenk von Stauffenberg anschloss. Er wollte mithelfen, Deutschland vom Unrechtssystem Hitlers zu befreien. Nachdem das von Stauffenberg vorbereitete Attentat am 20.07.1944 gescheitert war, wurde auch Hauptmann Drechsel nach wenigen Tagen von der SS verhaftet und nach Berlin gebracht. Da wusste Graf Drechsel, dass er mit seiner baldigen Hinrichtung rechnen musste. Der bevorstehende Tod löste aber bei ihm keineswegs Niedergeschlagenheit aus. Er hatte von Jugend auf gelernt, Dinge, die nicht zu ändern sind, im Vertrauen auf Gott anzunehmen. Das hatte ihn seine fromme Mutter gelehrt. Und Hauptmann Drechsel hatte ein reines Gewissen. Wie sein letzter Brief zeigt, war er fest davon überzeugt, dass die Zeit des Leidens kurz ist und dann die Herrlichkeit des Himmels für ihn aufleuchtet. Am 3.9. 1944 schrieb er an seine Eltern den Abschiedsbrief: „Liebe Eltern, morgen findet meine Verhandlung statt. Ich sehe dem Tod ruhig und gefasst entgegen. Eine große Gnade war es für mich, diese lange Vorbereitungszeit von drei Wochen zu haben, während ich im Gebet viel Trost, Stärkung und Erleuchtung erfahren habe. Der liebe Gott hat mir oft wunderbar geholfen. … Ihr dürft nicht glauben, dass ich meinen Humor verloren habe. Ich habe es im Leben so schön gehabt, jetzt freue ich mich auf den Himmel.“ Am folgenden Tag, am 4. September 1944, wurde Graf Drechsel zum Tod durch Erhängen verurteilt und am gleichen Tag hingerichtet. Kurz vor der Hinrichtung konnte er noch schreiben: „Liebe Eltern, ich sehe schon Gott vor mir, wie er liebreich die Arme ausbreitet, um mich aufzunehmen …“. Dieser Hoffnungsstrahl tröstete den Hauptmann auf dem Weg zum Galgen.

Die wahre Kirche Jesu Christi findet man bei den Märtyrern. Deshalb ist es so erstaunlich, dass heute viele Bischöfe und Religionslehrer den Gläubigen die Helden und Heiligen der Kirche vorenthalten. Sie predigen eine Wohlfühl-Kirche ohne Kreuz. Das ist lebensfremd.

Eduard Werner

Bild: Georg Schwager in Martyrologium „Zeugen für Christus“, Bd. I, S.646-650

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