Erwartungen und Sorgen der Christen für das Jahr 2019

Von Worten wie „Anfang“, „Neubeginn“ geht zu allen Zeiten eine Faszination aus. Es ist die der Veränderung. Veränderung hat viele Gesichter: Parteien sprechen davon, Wirtschaftsunternehmen, Fußballklubs etc.. Was geändert wird können Parteiprogramme, Produkte, Konzeptionen oder Strukturen sein. Jene, die sie umsetzen, werden als Hoffnungsträger ausgegeben. Was zählt ist der Erfolg. Niemand erwartet, dass diese Hoffnungsträger bessere Menschen werden, als Politiker, Verkäufer, Fußballkicker.
Vom Politiker wird erwartet, dass er Stimmen erhöht, vom Verkäufer, dass er Verkaufsabschlüsse nach oben bringt, vom Fußballspieler, dass er Tore schießt.
Die Kehrseite der Fokussierung auf den Erfolg ist: Wenn der Hoffnungsträger nicht das erwartete Resultat erbringt, wird er als Kicker „verkauft“, als Manager gefeuert, als Politiker in die Ecke gestellt. Peter Hahne schildert am Beispiel des Bundeskanzlers Ludwig Erhard, des Vaters des Wirtschaftswunders, und von Lothar Spaeth, dem gefeierten Ministerpräsidenten und Manager, wie sie, nachdem sie abgesägt waren, bei einem Empfang mutterseelenallein herumstanden. Niemand nahm mehr Notiz von ihnen (PUR-Magazin, 11,2018, S. 16/17).
Für Christen gilt das Wort: „Bei euch soll es anders sein“ (vgl. Mk 10, S. 35 bis 45, Mt 20, 17-28).
Als die ersten Christen sich vom Juden- und Heidentum abwandten, wurden sie als die Anhänger des „Neuen Weges“ bezeichnet. Ihnen war klar, dass sich Gott für den ganzen Menschen interessiert, unabhängig von Herkunft, gesellschaftlichem Status, Alter oder Geschlecht. Der „Neue Weg“ bestand darin, dass sie „in der Welt, aber nicht von der Welt“ waren (vergl. Joh. 14,20). Schon damals galt das als eine „weltfremde Ansicht“. Diese Christen sonderten sich nicht von der Gesellschaft ab. Sie übten alle Berufe aus, bis hin zum Militärdienst, wie das Beispiel der Thebäischen Legion mit ihrem Kommandanten Mauritius zeigt. In einer frühen Schrift (Brief des Diognet) wird geschildert, wie die frühen Christen lebten: Sie heirateten, hatten Kinder, gingen ihrem Gewerbe nach. Aber sie setzten keine Kinder aus, trieben nicht ab und hielten die Ehe.
Der verstorbene Chef des „Fels“, Heinz Froitzheim, war als blutjunger Soldat in den letzten Kriegstagen im April 1945 bei der Verteidigung der „Seelower Höhen“ an der Oder eingesetzt. Was ihn beeindruckte war sein Zugführer. Für ihn galt die Devise: „Wir lassen keinen liegen“. Und es war auch so („Fels“ 5, 2017, S. 152-153). Das ist eine christliche Haltung, die den Weg geht mit den Augen des barmherzigen Samariters, der den Halbtoten am Wegrand aufhebt.
Christen gehen mit den Erwartungen und Sorgen, die alle bewegen, in das Neue Jahr aber mit der Zuversicht, dass sie einen zuverlässigen Wegbegleiter haben, den, der von sich sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (vergl. Mk 28,20).

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Jahr 2019

Hubert Gindert

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