„Gehört das Christentum in 20 Jahren noch zu Deutschland?“ Ansprache am Kirchweihfest 2018

Vor ein paar Jahren hat ein Bundespräsident eine breite Diskussion ausgelöst mit dem Satz: „Der Islam gehört zu Deutschland“: Es geht nun in dieser Predigt nicht um den Islam in Deutschland. Am heutigen Kirchweihfest möchte ich aber etwas provokativ sagen: Hoffentlich gehört das Christentum in 20 Jahren noch zu Deutschland!
Nur weil bei uns noch die Glocken auf den Kirchtürmen läuten, sind wir noch lange kein christliches Abendland. Wo zeigt sich denn bei uns noch das Christsein? Zur Kultur des christlichen Abendlandes gehört die Gestaltung des Sonntags. Zum Sonntag gehört für uns Christen die Feier der Heiligen Messe. Die Eucharistiefeier ist Quelle und Höhepunkt unseres Lebens als Christen. Ohne Heilige Messe gibt es kein Christsein; da landen wir sonst schnell bei einer Privatreligion und entfernen uns von einem Christsein auf der Grundlage der Heiligen Schrift.
Die Feier der Eucharistie verbindet uns als Christen weltweit miteinander. Nie können wir Jesus so nahe sein als bei der Feier der Eucharistie.
Wo sind wir da noch ein christliches Abendland? Deutschland ist eine Freizeit- und Wellness-Republik geworden. Freizeit und Sport sind zu Ersatzreligionen geworden, mit ganz eigenen Riten, auch mit eigener Kleidung. Heute steigt kaum mehr jemand auf ein Fahrrad, ohne sich von Kopf bis Fuß zu verkleiden.
Wie viele Kinder und Jugendliche feiern denn bei uns noch den Gottesdienst am Sonntag mit? Ein „Kommunionkind“ hat mir einmal gesagt: „Ich gehe am Sonntag zum Voltigieren und nicht in die Kirche.“ Ein anderer Drittklässler stellte sogar klar: „Wenn ich jetzt jeden Sonntag in die Kirche gehen soll, dann will ich erst gar nicht zur Erstkommunion gehen.“
Was haben wir aus dem Sonntag gemacht? Er dient nur noch dem Ausleben einer völlig irre gewordenen Freizeitkultur. Stau Richtung Garmisch und Richtung Füssen scheint den meisten lieber zu sein, als eine Feier in der Kirche. Manchmal ist es so, dass Mutter den einen Sohn sonntags nach A zum Fußballturnier fährt, während Vater den anderen Sohn nach B fährt und der dritte Sohn sich mittags allein eine Pizza auftaut.

Was ist denn das für ein Sonntag? Was haben überhaupt Fußballturniere am Sonntag zu suchen? So geht die Sonntagskultur, die zu einem christlichen Abendland gehört, allmählich kaputt.
Am Sonntag werden für die Kinder Geburtstagsevents ausgerichtet, bei denen man sich gegenseitig jedes Jahr übertreffen muss. Und die Kinder sagen dann: Ich feiere am Sonntag Geburtstag, da kann ich nicht in die Kirche gehen. Wenn wir den Sonntagsgottesdienst nicht mehr mitfeiern, entfernen wir uns von Jesus.
Viele bedauern, dass wir in einer Ellbogengesellschaft leben. Der Straßenverkehr sagt ja viel über unser Verhalten aus. Mit der Entfernung von der sonntäglichen Eucharistiefeier verlieren wir auch immer wieder die Wurzeln eines liebenden christlichen Miteinander.
In der Eucharistiefeier hören wir jeden Sonntag, wie Jesus gelebt, was er gesagt und wie er gehandelt hat. Wenn wir in unserem Zusammenleben Jesus als Richtschnur haben, dann wird unsere Welt besser und schöner für alle. Dann wird niemand ausgegrenzt, sondern wir verstehen uns als Schwestern und Brüder; dann können wir einander auch verzeihen und müssen einander auch verzeihen und müssen nicht auseinander gehen.
Manche sagen: die Heilige Messe ist immer das gleiche. Ich sage: gut, dass es so ist! Die Welt verändert sich heute in einem rasanten Tempo. Der Mensch braucht aber auch etwas, was sich nicht ständig selbst überholt, etwas, woran er sich festhalten kann. Die Heilige Messe ist seit 2000 Jahren unser kostbarstes Gut. Wohin wir kommen auf dem Erdenrund, bei aller Verschiedenheit, in der die einzelnen Gemeinden mit ihren Pfarrern den Gottesdienst gestalten können – es ist doch immer dieselbe Heilige Messe. Es ist immer dasselbe Grundgerüst; wie ein Pfahl, an dem man sich festhalten kann. Nicht wir haben die Messe gemacht, sondern Jesus. Deshalb machen wir auch kein billiges Event daraus, keine immer neue Action, sodass die Heilige Messe auch noch ein Teil unserer Spaßgesellschaft wird, mit immer neuen Gags. Wir feiern die Heilige Messe der Kirche. Jeden Sonntag dieselbe. Gott sei Dank!
An uns liegt es, vor allem an den Eltern, dass wir die Mitte unseres Christseins, die Feier des Sonntags, nicht verlieren, sondern dass wir sie pflegen und an die nächste Generation weitergeben. Hier haben wir eine gemeinsame missionarische Aufgabe.
Ich wünsche uns allen, dass wir den Sonntag als Mitte unserer Kultur wiederentdecken. Nur dann können wir uns noch christliches Abendland nennen. 

Nach dieser mutigen Predigt steht die Frage im Raum: Wie können konkrete Schritte der Neuevangelisierung in einer Pfarrgemeinde aussehen? „Weiter so“ wird der Situation nicht gerecht. (Anm. der Red.)

Pfarrer Helmut Friedl

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2 Antworten auf „Gehört das Christentum in 20 Jahren noch zu Deutschland?“ Ansprache am Kirchweihfest 2018

  1. Herbert Klupp sagt:

    Eine richtige und wichtige Schau auf die Realitäten unserer Tage. Kirche ade ? Oder schrumpft sie sich gesund, die Kirche, genauer gesagt, die kleine Herde der wahrhaft Gläubigen ? Ich weiß keinen einfachen Rat. Ich vermute, daß es weder durch irgendwelche „Werbungsmaßnahmen“ und „Schmackhaft-machen“ ( was ständig versucht wird ) noch durch eine scharfe Predigt über Sünde und Hölle ( wofür wir ja auch gar keine Pfarrer mehr haben ) die Umkehr gelingen kann. Ich spüre aber, daß eine große Umkehr im Volk möglich ist. Daß die Zeit kommen kann und kommen wird, wo von der Basis her – sowohl der persönlichen seelischen Basis, als auch von einem neuen gläubigen Mainstream im ganzen Volk – eine Erneuerung des Glaubens in großem Stil möglich ist. Wie das gehen soll, weiß ich nicht. Gott wird eingreifen. Auf seine Weise. Wie wir es einfach nicht hinbekommen. Vielleicht erst in einer Zeit nach „uns“ ( nach mir ). Bis dahin heißt es: ausharren und treu bleiben !

  2. Mathias Wagener sagt:

    Einen Aspekt möchte ich doch noch zu diesem aussagestarken Artikel besonders erwähnen: Die Universalität. Offiziell lechst man doch nach Globalität. Die Kirche hat sie, wenn die Messe auf dem ganzen Erdenrund in erkennbarer Einheitlichkeit gefeiert wird. Das ist ein Stück Weltgemeinschaft, eine Tatsache, die andere erst noch als Errungenschaften in unzähligen Konferenzen erarbeiten müßten. Daran kann nur festgehalten werden.

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