Das christliche Abendland – Was war das denn eigentlich?

Der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx sagte im Januar 2019, dass er den Begriff „Christliches Abendland“ ablehne, weil er ausgrenzend wirke. In der Tat unterscheidet sich das christliche Europa von den Kulturen der muslimischen, hinduistischen und buddhistischen Länder. Bei der Ablehnung des Begriffes „Christliches Abendland“ geht Erzabt Notker Wolf noch einen Schritt weiter als Marx. Notker Wolf schreibt in seinem neuen Buch „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Was Heimat wirklich ausmacht“ Seite 82: „Das so genannte Christliche Abendland hat unter anderem zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen. Wenn man vom Evangelium kommt, war das Christliche Abendland nie wirklich christlich.“ Diese Aussagen sind erstaunlich! Den Zweiten Weltkrieg haben doch nicht die Päpste Pius XI. und Pius XII. sowie die Gelehrten Romano Guardini und Josef Pieper verursacht. Auch die Kardinäle Faulhaber, Bertram und Bischof von Preysing können für das Ausbrechen dieser Kriege nicht ernsthaft verantwortlich gemacht werden.
Den Zweiten Weltkrieg verursacht haben Männer, die das Christliche Abendland bis aufs Blut bekämpften. Das waren doch Adolf Hitler und sein Chef-Ideologe Alfred Rosenberg. Die Führer des Nationalsozialismus waren allesamt grundsätzliche Gegner des Christlichen Abendlandes. Exponenten des Christlichen Abendlandes waren vielmehr die 4000 von Hitler ermordeten Priester sowie Tausende christlicher Missionare, die als Ausgesandte des Christlichen Abendlandes in Afrika und Asien ihr Leben für die Verbreitung des Christentums eingesetzt haben. Und jedes Mal wenn ein Priester zu einem Brautpaar spricht. „Was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen!“ dann spricht das Christliche Abendland zur Welt. Wer eine gültig geschlossene Ehe für auflösbar hält, hält damit konsequenterweise auch das Christliche Abendland für entbehrlich. (siehe Amoris laetitia) Einen Unterschied zwischen dem Christlichen Abendland einerseits und den Ländern außerhalb dieses Kulturbereiches stellte der Nobelpreisträger Heinrich Böll fest: „ Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen Welt vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache und mehr noch als Raum gab es für sie Liebe, für die, die der heidnischen. wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.“ Diese christliche Grundhaltung wurde in zahllosen Stiftungen und Pflegeeinrichtungen des christlichen Abendlandes sichtbar. Auch die Kirchen, Dome und Kathedralen sind in der Kultur des christlichen Abendlandes entstanden. Auch unsere Kirchenmusik brauchte zu ihrer Entwicklung die Umwelt des christlichen Abendlandes. Jedenfalls hätten die Werke von Beethoven, Bach, Mozart und Anton Bruckner weder in Saudi-Arabien noch in Thailand entstehen können. Vor allem aber bildeten die Klöster und die Bischofssitze von ihrem Anfang her bis in die Neuzeit herauf die Grundlagen für die Entwicklung der Wissenschaften. Den krönenden Abschluss stellt wohl der belgische Priester Georges Lemaitre dar. Er hat die Ausdehnung des Universums durch die Infrarotverfärbung nachgewiesen. Notker Wolf bezweifelt, ob das Abendland je christlich war. Das war es aber sicher, als am 7.Oktober 1571 die christliche Flotte des Abendlandes unter Don Juan de Austria Europa vor einem türkischen Angriff schützte. Damals haben viele Katholiken des Abendlandes auf den Knien den Rosenkranz gebetet und ihnen blieb das Schicksal der Christen von Otranto erspart. Das Christliche Abendland hat bis jetzt jedenfalls noch nie jemand mit den Menschen identifiziert, die den Zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen haben.

Eduard Werner

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2 Antworten auf Das christliche Abendland – Was war das denn eigentlich?

  1. Mathias Wagener sagt:

    Marx gehört zu denen,die vor lauter Verbiegungen und Verbeugungen sich selbst ein Bein stellen.Das christliche Abendmahl ist ein schlichter Befund,eine Tatsache,eine Beschreibung eines Zustands.Andere Regionen der Welt sind anderweitig geprägt.Das sind Tatsachen,die man nicht politisch korrekt ummünzen kann.Diese Art verbaler Bilderstürmerei,die Marx betreibt,ist unverständlich und damit unnütz.

  2. Es bleibt zu hoffen, dass die Sicht des Hw. Erzabtes ihren Ursprung lediglich in mangelnden historischen Kenntnissen hat. Den Regierungen am Vorabend des I. bzw. II. Weltkrieges auch nur die geringste Affinität zur Idee des „christlichen Abendlandes“ zu unterstellen, ist so abwegig wie grotesk. Einzige Ausnahme: Der sel. Kaiser Karl I. von Österreich, er ordnete seinem Glauben nationale, dynastische und persönliche Eigeninteressen unter, für ihn war ein „christliches Reich“ mehr als nur eine politische Phrase. Der anrührende Versuch, den mittelalterlichen Ständestaat zwei Jahrzehnte später unter dem „Krukenkreuz“ der Kreuzritter im zeitbedingten „autoritären“ Gewand noch einmal in die politische Realität der 30er Jahre einzustiften, mußte zwingend scheitern – der tiefgläubige Kanzler Engelbert Dollfuß zahlte dafür mit seinem Leben. Zu sehr hatte sich Europa bereits damals von seinen christlichen Wurzeln entfernt, geistig morbid, alleine von der Technik fasziniert.

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