Die Demut Gottes. Von der Krippe zur Nachfolge Christi

Während in der Volksfrömmigkeit Weihnachten sehr verwurzelt ist und auch für die weithin säkulare Welt immer noch bei manchen eine letzte Brücke zum christlichen Glauben ist, gibt es auf der anderen Seite gerade bei Theologen – nicht unberechtigte – Skepsis. Wird Weihnachten nicht überbewertet? Denn das wirkliche Fest der Christenheit ist doch Ostern, dessen Botschaft freilich heute noch weit weniger bewusst ist als die von Weihnachten. Dabei wurde ja bereits bei den ersten Christen regelmäßig Ostern gefeiert – bei jedem Sonntagsgottesdienst, der viel mehr Höhepunkt der Woche für die Gläubigen war als er es heute ist. Das Weihnachtsfest indessen entstand erst Anfang des vierten Jahrhunderts und wurde erst gar nicht so groß begangen, wie wir es heute kennen.
Die Krippenfrömmigkeit, die maßgeblicher Grund für die große Aufwertung des Weihnachtsfests im Lauf der Zeit wurde, kam erst im Mittelalter auf. Einer, der entscheidend dazu beigetragen hat, war der heilige Franz von Assisi.
Die Krippenfrömmigkeit des heiligen Franziskus hat eine ganz wichtige Grundlage: nämlich, dass in der Menschwerdung uns Gott ganz nah gekommen ist. Diese Bereitschaft, uns nah zu sein, und dies in einer ganz einfachen Familie, geboren in einem Stall, ist Zeichen der übergroßen Demut Gottes. Gott macht sich klein, um bei uns zu sein. Und dieses Sich-Kleinmachen Gottes, findet Franziskus nicht nur in der Menschwerdung, sondern auch in der Passion und schlussendlich in der Eucharistie, in der sich Gott nicht zu schade ist, in der kleinen Form des Brotes zu uns zu kommen. So schlägt Franziskus die Brücke von der Krippe hin zum Christusgeheimnis als Ganzem, zum Erlöser, der für uns gelitten hat, an Ostern auferstanden und immer gegenwärtig ist – gerade auch in der Feier der Eucharistie.

Für Franziskus war diese Begegnung mit dem Mensch gewordenen Gott eine Herzensangelegenheit.Er hat sich mit allen Sinnen auf ihn eingelassen, sowohl auf das göttliche Kind wie auch auf den leidenden Herrn und ebenso auf die Eucharistie. Wahrscheinlich ist auch das der Grund, dass Franziskus bis heute so glaubwürdig für die Menschen ist, weil er sich mit dem göttlichen Kind freut, mit dem leidenden Christus leidet und die Eucharistie mit größter Ehrfurcht empfängt. Und dadurch hat er auch viele, die auf der Suche nach dem wahren Sinn und Glück sind, auf den Weg zum Christentum geführt. Dabei ist dieser Weg nicht bequem, aber er führt zum Guten. Christliches Leben als Nachfolge Christi hat nämlich auch – wie Franziskus deutlich macht – viel mit Demut zu tun. Aber weil Gott selbst demütig geworden ist, und zwar weil er uns liebt, darum können wir es auch gern annehmen, uns mit ihm auf den Weg zu machen, auch wenn wir ausgelacht werden, weil wir eben nicht auf Karriere, Geld und Ruhm aus sind – uns vom Mainstream der Ellenbogengesellschaft anstecken lassen, in der jeder erstmal sich selbst der Nächste ist. Weil Gott sich in Christus den Menschen zugewandt hat, weil für ihn Liebe auch bedeutet, Unbequemes in Kauf zu nehmen – bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz – darum ist es für uns Christen entscheidend, sich für eine Kultur der Liebe und des Lebens aller einzusetzen und in Demut auch Spott und Verachtung zu ertragen, dabei aber nicht zu verzweifeln, sondern auf Christus zu schauen – ja, sich von ihm umarmen zu lassen, wie es viele Franziskus-Darstellungen zeigen. Franziskus sagte auch Unbequemes, er und seine Gefährten verstanden sich als „Brüder der Buße“, die zur Umkehr aufriefen. Wichtig ist es aber, für die Botschaft wirklich aus einer Haltung der Demut Gott gegenüber und auch den Menschen gegenüber, einzustehen. Denn Demut ist ein Zeichen der Liebe, und im letzten darf ich nur aus Liebe zu Gott und zum von Gott geliebten Menschen Kritik üben und zur Umkehr aufrufen, wie es auch Franziskus getan hat. Allein dann tue ich Gottes Willen, und dann bin ich auch überzeugend, nicht wenn ich Dinge für andere fordere und mich selbst nicht daran halte. Oder auch, wenn ich mich sogar ganz hochmütig dessen rühme, Demut zu üben. Im Grunde geht es um Dank dem demütigen Gott gegenüber und darum, sich zu freuen, dass Gott sich in seiner Demut den Menschen zugewandt hat.
Auch wenn Ostern das wichtigere Fest für die Christen als Weihnachten ist, so kann doch der Weihnachtsfestkreis uns helfen, Gottes Demut und auch seine Liebe tiefer zu verstehen – wenn wir dies alles im Geist des Franziskus sehen, der sich mit allen Sinnen von der Menschwerdung Gottes berühren ließ.

Diakon Raymund Fobes

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