Historiker von hohem Rang im Dienst der Kirche – Würdigung zum 90. Geburtstag von Walter Kardinal Brandmüller

Im Rückblick auf 90 Jahre darf Kardinal Walter Brandmüller sich dankbar an seine Kindheit und Jugendzeit in seiner Heimat erinnern und an eine lange Zeit wissenschaftlicher Arbeit. 1929 wurde er in Ansbach geboren. Er wurde in der evangelischen Konfession getauft, aber katholisch erzogen. Nach seinem Abitur studierte er katholische Theologie und empfing 1953 in Bamberg die Priesterweihe. Anschließend war er in der Seelsorge tätig.
Freigestellt zur wissenschaftlichen Arbeit wurde er 1963 mit einer Arbeit zum Thema Das Wiedererstehen katholischer Gemeinden in den Fürstentümern Ansbach und Bayreuth promoviert. 1967 habilitierte er sich mit einer Arbeit über das Konzil von Pavia-Siena. 1969 wurde er als Professor an die damalige Philosophisch-Theologische Hochschule Dillingen berufen. Nach deren Auflösung wurde er 1970 in Augsburg Ordinarius für Kirchengeschichte, wo er bis zu seiner Emeritierung 1997 lehrte. Während dieser Zeit betreute er die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Walleshausen. Die Themen der Promotion und Habilitation wiesen schon auf die künftigen Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Forschung hin.

Geschichte ist für ihn nichts Verstaubtes, in Archiven abgelegt, dem Vergessen überlassen. Die Geschichte lebt, ist in den Generationen verankert und braucht doch den Historiker, der sie universal einordnet, ihre Verästelungen überblickt und in Monographien gewissermaßen punktuell erfasst und den Lesern lebendig vor Augen führt. Von der Komplexität der Geschichte fasziniert, wissend um die Bedeutung der Geschichte für die Menschen und hier besonders für die Kirche, hat sich Prälat Prof. Dr. Walter Brandmüller eine Lebensaufgabe gegeben, „Licht und Schatten“ – so heißt eines seiner Bücher – in der Geschichte der Kirche aufzuzeigen und die antikatholische Geschichtsschreibung zu entlarven. Objektivität, Genauigkeit und ausgewogenes Urteil fern von jeder Parteinahme, Emotion und Aggression bestimmen sein Forschen und Schreiben. Ein Kirchenhistoriker, so dokumentiert er es in seinen Werken, muss über theologisches und philosophisches fundiertes Wissen verfügen, seine Sprache muss an der klassischen Literatur geschult sein. Sein Faktenwissen ist verbunden mit den grundlegenden Einsichten in die Seele des Menschen und in die Kräfte der Politik. Der verantwortungsbewusste Historiker Brandmüller führte das siebenbändige Standardwerk „Kirchengeschichte Bayerns“ von R. Bauerreis mit drei gewaltigen Bänden (Handbuch der Bayerischen Kirchengeschichte) zum 19. und 20. Jahrhundert fort. Er legte das Fundament zur Konziliengeschichte und brachte sie ein gewaltiges Stück voran.
Wenn er bei Kongressen auftrat, wusste er die Zuhörer mit seinen Vorträgen zu faszinieren. Walter Brandmüller spürt als Historiker, dass die Kirche neue Aufbrüche braucht. Er ist ein Freund von klaren Aussagen und scheut sich nicht, Kritik zu üben, wenn er die Einheit im katholischen Glauben gefährdet sieht. Er war seit 1981 Mitglied der Päpstlichen Kommission der historischen Wissenschaften, seit 1998 Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft in Rom und von 1998 bis 2006 Präsident der Internationalen Kommission für vergleichende Kirchengeschichte. Der Historiker von hohem Rang im Dienst der Kirche unterstützte selbstlos neue Gemeinschaften, initiierte die Theologische Sommerakademie in der Diözese Augsburg, ist Mitbegründer des IK-Augsburg und stand diesem lange Zeit mit Rat und Tat zur Seite. Das Forum Deutscher Katholiken ist ihm dankbar für seine Vorträge beim Kongress „Freude am Glauben“, die Mitarbeiter des „Fels“ danken ihm für seine Beiträge. Alle, die im Forum Deutscher Katholiken, im Fels und in der Aktionsgemeinschaft mit den ihr angeschlossenen Initiativkreisen mitarbeiten, wünschen Kardinal Walter Brandmüller Gottes reichsten Segen für die Zukunft, für sein weiteres, wie man sicherlich erwarten darf, unermüdliches Arbeiten und Forschen, für sein priesterliches Wirken und viel Freude an den Früchten seiner Arbeit.

Die Redaktion des „Fels“, das Forum Deutscher Katholiken, die theologische Sommerakademie Augsburg

Foto: Forum-Deutscher-Katholiken.

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