Demontage aus dem Inneren der Kirche

„Revolutionäres im Ruhestand – Ältere Priestergeneration aus Eichstätt und Bamberg wirbt für weitreichende Kirchenreformen“ ist ein Artikel in der Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt (Nr. 7, 17.2.2019, S. 13) überschrieben.
„Träume für die Kirche für heute und morgen“ von 19 Ruhestandsgeistlichen aus Nürnberg und Umgebung vor einem Jahr verfasst, darunter Stadtdekan Theo Kellerer, der ehemalige Jesuitenprovinzial Jörg Dantscher, der Schwabacher Dekan und frühere Domkapitular Alois Ehrl, wird neu aufgewärmt. Warum eigentlich?
Gefordert werden die „Zulassung von Frauen zum Priesteramt, Ende des Pflichtzölibats, Eucharistie für konfessionsverschiedene Ehepaare und wiederverheiratete Geschiedene“ – und das mit Hinweis auf das Zweite Vatikanische Konzil, „das der Kirche den Weg in die Moderne wies – ohne freilich die Wünsche zu erfüllen!“ Wo gibt es in den Texten dieses Konzils Stellen, welche diese Wunschvorstellungen ansprechen? Eine Spekulation auf die Unwissenheit der Gläubigen über dieses Konzil!
Die „Revolutionäre“ möchten eine Kirche, „die dezentrale Lösungen für pastorale Nöte sucht, die Gemeinden weitgehend unabhängig arbeiten lässt … und die neue, ansprechende Gottesdienstformen ermöglicht“. Solche „Gottesdienste“, in denen sich die Menschen selber feiern, haben wir schon öfter erlebt, mit dem Resultat, dass die leeren Kirchenbänke zunehmen.
„Die Kernforderungen des Papiers enthalten einen Ansatz, der sich als strikt pastoral – antidogmatisch beschreiben lässt“, so der Bericht in der Kirchenzeitung. Der Blick auf wiederverheiratete Geschiedene versucht „den Gedanken der Barmherzigkeit in den Vordergrund zu stellen“. Ist das wirklich so? Kardinal Müller erinnert im „Glaubensmanifest“ an den Apostel Paulus, wenn er sagt, dass „wiederverheiratete Geschiedene die Eucharistie nicht fruchtbar empfangen (KKK 1457), weil sie ihnen nicht zum Heil gereicht. Darauf hinzuweisen entspricht dem geistlichen Werk der Barmherzigkeit.

Die Frage nach dem „Frauenpriestertum“ will Ehrl mit dem Galaterbrief (3,28), nach dem die Unterscheidung von Mann und Frau nicht mehr von Bedeutung sei, legitimieren. Inhalt und Intention des Galaterbriefes haben mit dem „Wunschtraum“ nichts zu tun. Paulus sagt vielmehr im ersten Brief an Timotheus (2 11/2) … „belehrend aufzutreten, gestatte ich der Frau nicht“ … Der Kommentar dazu äußert: „zurückgewiesen wird ein Anspruch von Frauen, in der Gemeindeversammlung vor Männern ‚belehrend‘ aufzutreten; Eine Aussprache im Sinne von 1 Kor 11,5 ist dadurch nicht verwehrt“.
Die Zustimmung zu den „Träumen für die Kirche von heute und für morgen“ durch den ZDK-Präsidenten Thomas Sternberg sowie den Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner wertet das Papier auch nicht auf.
Die gutgemeinten Vorschläge sollen „Denkanstöße, Überlegungen, nicht Forderungen sein: Wir haben auch nicht die Lösungen“. Das stimmt! Tatsächlich wecken sie Wünsche bei einigen Gläubigen, die sich dann später, wenn die Wunschträume geplatzt sind, evtl. frustriert von der Kirche abwenden. Bischof Hanke von Eichstätt sieht die Lösung offensichtlich anders: Die Kirchengeschichte zeige, dass durch die „Homöopathisierung des Evangeliums“ kein geistliches Wachstum entsteht. Weiter: Mehr Zeugenschaft und Nachfolge Jesu, weniger Institution und Verfasstheit“. Eine geistliche Erneuerung der Kirche ist nach seinen Worten nicht zu erreichen, „wenn wir an Kirche und Glaube herumschrauben, als ginge es um ein Parteiprogramm, das es mehrheitsfähig zu machen gilt“ (Kath.net. 20. Januar 2019).

Hubert Gindert

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3 Antworten auf Demontage aus dem Inneren der Kirche

  1. Kirchfahrter Archangelus sagt:

    Die überalterte Konzilsgeneration bläst zum letzten Gefecht, bevor sie abtritt. Verbittert registriert sie, dass ihre neue Lehre steril blieb, kein Nachwuchs steht bereit, um ihre Fackel zu übernehmen. „Das Konzil“ war das zeitbedingte Projekt der Generation, die in den 1960ern/70ern jung war, mit ihrem Abgang versinken die Gedanken im Orkus.

    • Herbert Klupp sagt:

      Wie bereits im Artikel festgestellt, kann man all das Zerstörerische und Zersetzende gar nicht in den Konzilstexten finden. Diese „Herrschaften“ arbeiten doppelt verwerflich. Sie legen nicht nur Hand an die Grundfesten unserer Heiligen Kirche, sondern sie „nutzen“ zu diesem Zwecke Lügen nach belieben. Man fühlt sich an die schlimmsten Kommunisten des 20sten Jahrhunderts erinnert.

      • „Gar nicht finden“ stimmt nicht, man hat vor allem mit ausdeutbaren Formulierungen gearbeitet, um die konservativeren Konzilsväter gezielt zu täuschen. Hier wurde der Handlungsrahmen für die spätere anthropozentrische Ausrichtung der Liturgie absteckt. Emil J. Lengeling, profiliertester Vertreter der nachkonziliaren Liturgiereform in Deutschland, hat dies klar zugegeben: „Manches musste sicherlich in den Jahren vor dem Konzil und in den beiden ersten Konzilssessionen zurückhaltend, beinahe verklausuliert formuliert werden, wenn man die möglichst einmütige Zustimmung zum ganzen erhalten wollte. Dabei ist es in der Formulierung gelungen, Türen zu Entwicklungen offen zu halten, für die auch in der letzten Konzilssession sicherlich keine 2/3 Mehrheit erreichbar gewesen wäre“ (Lengeling, Liturgisches Jahrbuch, zit. nach Schüler, a.a.O., Bd.2, S. 1122). Hans Küng, Giuseppe Alberigo oder Uta Ranke-Heinemann sahen in rechtgläubigen Textteilen der Konzilsdokumente lediglich taktisch bedingte Maßnahmen, um die konservativen Gegner der Reform gleichsam „einzubinden“: Der konkrete Textwortlaut sei sekundär, primär sei der „Geist des Konzils“, welcher die progressiven Inhalte enthalte.

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