Der Zölibat: Unerträglich für Relativisten

Die Augsburger Allgemeine Zeitung nimmt die „Erste deutschlandweite Seelsorgestudie der katholischen Kirche“ über „Ressourcen und Belastungen“ von katholischen Seelsorgern zum Anlass, die Zölibatsverpflichtung für katholische Priester zu kritisieren. Der Titel lautet „Wenn nur der leidige Zölibat nicht wäre“ (AZ, 18.4.15, S. 6). Im Untertitel dazu heißt es: „Jeder dritte katholische Priester in Deutschland empfindet die vorgeschriebene Ehelosigkeit als schwere Belastung“.
„Eine fünfköpfige Forschungsgruppe unter der Leitung von P. Prof. Eckart Frick SJ hat dazu mehr als 8.000 in der katholischen Seelsorge tätige Personen befragt. In der Studie werden Ressourcen, Anspruch und Belastung der pastoralen Berufe in der katholischen Kirche Deutschlands untersucht: Erreichbar sein, trösten können, spirituelle Orientierung geben, kompetent leiten können… Was aber passiert, wenn die Gemeinden zu immer größeren Einheiten zusammengelegt werden? Wie wirken sich die Herausforderungen unserer Zeit auf Engagement und Gesundheit aus… Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft sind erstaunlich hoch… Dennoch gibt es natürlich Hauptamtliche in der Seelsorge, die für Unterstützung oder auch eine stärkere Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten in der Seelsorge dankbar wären, so das Fazit des Forschungsteams“ (Pressemitteilungen der deutschen Bischofskonferenz, 16.4.15).
Auch die AZ konstatiert zum Ergebnis der Studie: „Erstaunlich gut. Wenn nur der leidige Zölibat nicht wäre. Jeder dritte Priester empfindet die vorgeschriebene Ehelosigkeit als belastend. Mehr als die Hälfte der befragten Priester bezeichnet den Verzicht auf Sexualität, Partnerschaft und Familie als eine ‚besondere Herausforderung‘. Jeder achte Priester wird nach eigenen Angaben nicht, oder nicht gut mit den Problemen fertig, die sich aus der Ehelosigkeit ergeben“.

Sprechen diese Feststellungen der AZ gegen den Zölibat? „Herausforderungen“ für eine Aufgabe werden üblicherweise als etwas Positives betrachtet. Sie geben Gelegenheit Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Gegen den Zölibat spricht auch nicht, wenn jeder achte Priester, d.h. 12,5% „nicht oder nicht gut“ mit den Problemen der Ehelosigkeit fertig werden, bevor nicht geklärt ist, warum das so ist und ob nicht diesem Umstand abgeholfen werden kann. Es geht zunächst einmal darum, in Erinnerung zu bringen, warum der Zölibat vom katholischen Priester gefordert wird.
Zum Zölibat sagt die Lehre der Kirche: „Mit Ausnahme der ständigen Diakone werden alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirche normalerweise aus den gläubigen Männern gewählt, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat ‚um des Himmelreiches willen‘ (Mt. 19,12) beizubehalten dazu berufen, sich ungeteilt dem Herrn und seiner ‚Sache‘ zu widmen, geben sie sich ganz Gott und den Menschen hin“. Der Zölibat ist zweifellos eine „Herausforderung“, um ungeteilt für die priesterliche Aufgabe zur Verfügung zu stehen. Ist er lebbar? Lt. Seelsorgstudie wird er von sieben Achtel gelebt. Die Entscheidung für die priesterlose Ehelosigkeit wird nicht als spontane Entscheidung gefordert. Der Priesterkandidat prüft sich dafür in einem jahrelangen Entscheidungsprozess. Wer sich gegen die Zölibatsverpflichtung ausspricht, traut offensichtlich einem Menschen nicht zu, eine solche Bindung einzugehen und ein Leben lang durchzuhalten. Gleiches gilt dann aber auch für ähnliche Entscheidungen, z.B. für die Ehe. Niemand ist so weltfremd anzunehmen, jemand, der einmal ein bewusstes und freiwillig gegebenes Versprechen abgelegt hat, könne nicht mehr versucht werden ein solches Versprechen auch zu brechen. Aber keiner wird deswegen die Ehe abschaffen, weil es Ehepartner gibt, die „nicht, oder nicht gut“ mit ihren Eheproblemen fertig werden. Die Frage hier ist, was geschehen kann, dass Priester ihr Zölibatsversprechen durchhalten oder erneuern können. Im AZ-Artikel wird beispielsweise angedeutet, dass, Priester, die zusammen mit anderen in einer Wohngemeinschaft leben, zufriedener seien als allein lebende“. Weiter sind „wesentlich für die Lebenszufriedenheit positive spirituelle Erfahrungen vor allem im privaten Gebet“. Eine Stärkung für die Priester ist außerdem die „Anerkennung ihrer Arbeit“. Wenig hilfreich ist dagegen, wenn selbst innerhalb der Kirche der Zölibat infrage gestellt wird. So fordert Joachim Frank, der neue Vorsitzende der „Gesellschaft katholischer Publizisten“ von den Bischöfen den Zölibat zu lockern und „alternative Zugänge zum Priesteramt anzubahnen“. Wörtlich: „… In dem Maße, in dem die Priester selbst ihre zölibatäre Lebensform als existenzielle Last oder gar als Hindernis auf dem Weg zum glückenden Leben beschreiben, müssten die Bischöfe ihre vom Papst betonte Rolle als ‚Hirten der Hirten‘ annehmen, in dem sie alternative Zugänge zum Amt bahnen.“ Frank verschweigt bei seiner Forderung, dass er verheirateter Expriester ist (kath.net 17.4.2015)
In der Diktatur des Relativismus steht die Zölibatsforderung auch für das unterscheidend Katholische. Diese Alleinstellung ist für Relativisten unerträglich. Der verbissene Kampf gegen den Zölibat findet darin seine Erklärung.

Hubert Gindert

Erscheint auch in der Monatszeitschrift „Der Fels“

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2 Antworten auf Der Zölibat: Unerträglich für Relativisten

  1. Mathias Wagener sagt:

    Ich kann hier nur bei dem Vorkommentator fortfahren.Was ist,wenn die Ehefrau nichtkatholisch ist ? Was ist bei Scheidung ? Müssen wir auch noch „Homoehen“ akzeptieren ? Im Übrigen ist die Ehe nun kein Allerheilmittel gegen irgendwelche Verfehlungen,die dem Zölibat untergeschoben werden.Diejenigen christlichen Determinationen ohne Zölibat sind nun auch kein Erfolgsrezept gegen Kirchanaustritte.Vielmehr herrscht dort Glaubensabbau an breiter Front.Priester ist letztendlich kein Beruf wie jeder Andere.Ich denke schon,dass es hierzu auch der Berufung bedarf.

  2. Interessanterweise werden in der Zölibats-Debatte die „Schattenseiten“ von Ehe und Familie komplett ausgeblendet – Probleme mit der Ehefrau, mit den Kindern scheint es nicht zu geben. Was ist, wenn Schul- oder Eheprobleme auftauchen oder langwierige schwere Erkrankungen? Drogenprobleme beim Kind? Hätte der Priester überhaupt „noch einen Kopf“ für die Sorgen und Schwierigkeiten seiner Gemeindemitglieder? Oder wollte er dann nicht (menschlich völlig verständlich) erstmal seine eigenen Probleme lösen und empfindet daher anderer Leute Sorgen als zweitrangig und lästig?

    Wie sähe übrigens das traute Familienleben aus, wenn der Pfarrer abendlich seelsorgliche Gespräche führen muß, die Gattin aber mißmutig alleine vor dem Fernseher sitzt? Gäbe es starre „Bürozeiten“ und das Priestertum würde ein „nine-to-five-Job“ mit Urlaubsanspruch in den Schulferien?

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