Sie bringen ihre Geschütze in Stellung

Der 266. Nachfolger des Heiligen Petrus, Papst Franziskus, bringt alle Voraussetzungen mit, die Universalkirche zu leiten. Das momentane Wohlwollen der Medien wird nicht anhalten, zumal bekannt ist, dass Papst Franziskus keine Abstriche am Glauben und an der Morallehre der Kirche zulässt.
In einer freien Gesellschaft ist es immer möglich, dass mit Respekt eine andere Sicht einer Person, den Inhalten eines Programms oder einem bestimmten Arbeitsstil vorgebracht werden. Nicht annehmbar ist eine Kritik, wie sie die TAZ vom 15. März gebracht hat, wo es hieß: „Der neue Papst ist, den bislang vorliegenden Informationen nach, ein reaktionärer alter Sack, wie sein Vorgänger, der seinerseits einem reaktionären alten Sack gefolgt war, der wiederum einen reaktionären alten Sack beerbt hatte.“ Dieser Satz ist keine Kritik, sondern so bodenlos parterre, dass er nur mit den Hetzartikeln des Nationalsozialisten Julius Streicher im „Stürmer“ verglichen werden kann. Es ist ein verkommener Stil der Auseinandersetzung und Diskriminierung aller alten Menschen.
Der heute meist geübten Kritik geht es üblicherweise um die angemahnten Reformen, auch Reformstau genannt. Schon vor dem Konklave wurden sie an den neuen Papst gerichtet, und werden jetzt Papst Franziskus präsentiert. Es sind, wie der Medienexperte Prof. Norbert Bolz ausführt, diejenigen, die „ständige Vorschläge zur Modernisierung und Anpassung an das 21. Jahrhundert geben. Das ist aber nichts anderes als eine geschickte Form von Antiklerikalismus“. Diese Kreise wollen damit „ihren antirömischen Affekt inszenieren“ (Bolz). Die katholischen Hilfstruppen in Laienräten und Verbänden springen willig auf die von den Medien ausgeworfene Leimrute an. So stellte beispielsweise der Vertreter des Diözesanrates des Erzbistums München, Prof. Hans Tremmel, auf der Frühjahrsvollversammlung die Frage in den Raum, „Wie und ob die Kirchenleitungen tatsächlich zu echten Reformen fähig sind und ob sie den Mut dazu haben“. Die Nagelprobe dafür sieht er im Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen (Münchner Merkur 4.3.13).
Aus seiner Tätigkeit als Erzbischof von Buenos Aires ist die Haltung von Papst Franziskus zu den „Reformen“ hinsichtlich Zölibat, Frauenpriestertum, Abtreibung, geschiedene Wiederverheiratete bekannt. „Die Kritiker in Reserve“ bereiten das Terrain vor, um bei gegebenem Anlass loszuschlagen. Der neue Papst wird jetzt für diese Kritik konditioniert. Dazu gehört auch die Empfehlung an ihn, sich hauptsächlich als Bischof von Rom zu sehen und den Ortskirchen größere Freiheiten zu gewähren. So heißt es fürsorglich im Konradsblatt (12/2013, S. 2) … Sie haben einen Papst gefunden, der – mehr als seine Vorgänger dies taten – sich vor allem als Bischof von Rom versteht … Wenn der Papst seinen Dienst vor allem aus dem Bischofsamt, aus der Verantwortung des Gesamtepiskopats heraus ableitet, und sich nicht immer schon den Mitbrüdern im Bischofsamt gegenüberstellt, könnte dies viel verändern“. Der ZdK-Präsident hofft auf „mehr Entscheidungspielräume für Bistümer und nationale Kirchen. Nötig seien weniger Zentralismus sowie eine neue Balance zwischen Vatikan und Ortskirchen“. Widerstrebt dem „römischen Zentralismus“ heißt die Losung. Nun gäbe es für die Ortskirchen Freiheiten, die aber wenig genutzt werden. Man denke an die überfällige Reform des Religionsunterrichts, an die Besetzung der theologischen Fakultäten, an denen Priesteramtskandidaten, Religionslehrer, Pastoralassistenten etc. ausgebildet werden, mit lehramtstreuen Professoren, an Chefredakteure von Kirchenzeitungen oder der KNA, an die Sprecher des „Worts zum Sonntag“ etc.
Papst Johannes Paul II. hat in seinem Schreiben „Apostolos suos“ vom 21. Mai 1998 die Befugnis und Autorität der Diözesanbischöfe, auch gegenüber Bischofskonferenzen, gestärkt.
Die Freiheit der Ortskirchen kann aber nicht heißen, dass es z.B. in den deutschsprachigen Ländern geweihte Diakoninnen gibt, geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion zugelassen werden und so das Ehesakrament ausgehöhlt wird, weil damit auch das Sakramentenverständnis und die Einheit der Kirche im Wesentlichen in Frage gestellt würde.
Derzeit versuchen Medien einen Gegensatz zwischen Papst Franziskus und seinem Vorgänger Benedikt XVI. zu konstruieren. Ein Versuch, der angesichts der Aussagen und Gesten des neuen Papstes gegenüber Benedikt XVI. völlig daneben liegt.

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Sie bringen ihre Geschütze in Stellung

  1. Mathias Wagener sagt:

    Die „Reformer“ fordern zum Einen die Einheit der Christen unter möglichst „progressiven“ Vorzeichen und wollen zum Anderen, dass gerade die Einzigartigkeit unserer Weltkirche in nationale und Ortskirchen zerstückelt wird. Welch ein
    Widerspruch ! Der Protestantismus in seiner Erscheinungsform als Landeskirchen, Freikirchen, Kirchen reformatorischer, uniierter, lutherischer Prägung, im Ausland nicht einmal unter gemeinsamen Dächern ist uns kein Vorbild und dient sicher dem Glauben nicht. Und was die Mitbestimmung der Gläubigen angeht, so ist doch das Gerede vom „Allgemeinen Priesterum“ leeres Gedresch.
    Kämpfen wir für die Weltkirche, dafür, dass Christus für die Menschen in Deutschland, in Afrika, in Rußland und überall sonst auf der Welt gestorben ist. Dass wir weltweit in der katholischen Kirche beheimatet sind ohne örtliche Sonderglauben.

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