Amen – zur Bedeutung eines vertrauten Wortes

Dieses Wort aus dem Hebräischen, das wir sehr oft (gedankenlos?) beim Beten verwenden, bedeutet so ist es, so sei es, ich will es, ich sage zu, ich liebe es, was ich gebetet habe. Das abschließende Amen ist wie ein Schwur und entspricht unserer persönlichen Unterschrift mit unserer Seele – wir bestätigen unsere Gebetsworte, sind damit einverstanden und schenken Gott, den wir loben, den wir preisen, den wir lieben und den wir anbeten, unseren Eigenwillen: Wir wollen Gott treu sein. Ohne Seine Hilfe wird dies nicht gehen und darum wollen wir Ihn regelmäßig bitten.
Betrachten wir das Gesagte anhand der wichtigsten Gebete, die wir tagtäglich verrichten:
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
Wir bekennen mit diesem Stoßgebet die Existenz des einen und dreifaltigen Gottes, beten Ihn an, stellen uns unter Seinen Schutz und nehmen uns ganz fest vor, nach Seinen Gesetzen zu leben, die uns zu Ihm führen. Zusätzlich machen wir dabei das Kreuzzeichen. Das Kreuz weist auf das Erlösungsopfer Jesu Christi hin, das dieser als der ewige Sohn dem Vater im Heiligen Geist aus Liebe darbringt, um uns zu erlösen. Weiterlesen

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„Dein Platz ist, wo Gott dich hinstellt“

Eine
Legende aus Russland erzählt: Einst lebte in einem Kloster ein Mönch, der täglich mit Andacht in seiner Zelle betete und dabei über die Herrlichkeit des Himmels nachdachte. Mit der Zeit erschien ihm die Kargheit und Enge seiner Zelle recht bedrückend und seine tägliche, meist gleichförmige Arbeit empfand er so gar nicht vergleichbar mit der Schönheit des Daseins im Paradies. So wuchs in seinem Herzen die Unzufriedenheit mit seinem irdischen Leben.
Da fand er eines Tages in der Bib¬liothek ein altes Buch. Darin stand geschrieben, dass am Ende der Welt ein Ort sei, an dem sich Himmel und Erde berührten. Dort sei die Gegenwart Gottes ganz nahe. Voll freudiger Erregung beschloss er, sich aufzumachen und diesen Ort zu suchen. Er nahm Abschied von seinen Mitbrüdern und seiner altvertrauten Klosterzelle und machte sich auf die Reise. Keine Entbehrung war ihm zu groß, um die Welt zu durchwandern und den ersehnten Ort zu finden.
Endlich, nach langen Jahren, gelangte er an ein besonderes Tor. Wenn er eintrat, so meinte er die sichere Eingebung zu spüren, würde er Gott ganz nahe sein. Sein Herz schlug vor erwartungsvoller Aufregung. Er klopfte, öffnete die Tür und trat ein. Doch – wo befand er sich? Er rieb sich die Augen. Das war ja seine eigene Klosterzelle! Sein Tisch, sein Stuhl, seine Arbeit warteten auf ihn. Da ging ein tiefes Begreifen durch seine Seele. Mit einem Mal wusste er: „Gott ist mir da am nahsten, wo mir meine Lebensaufgabe gestellt ist. Der Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren, ist der Platz, den Gott mir ganz persönlich für mein Leben zugewiesen hat. Die Tür zum Himmel ist auf Erden, wo ich meine tägliche Arbeit, mein tägliches Gebet, meine Liebe zu Gott und zum Nächsten sichtbar und spürbar lebe. Gottes Gegenwart ist nicht irgendwo in weiter Ferne, sondern insbesondere dort, wo ich die Enge meines irdischen Daseins geduldig ertrage, mein Kreuz auf mich nehme und Christus nachfolge.“ Weiterlesen

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Patrona Bavariae halte deine schützende Hand über das Land

Die Verehrung der Gottesmutter als Schutzfrau Bayerns findet noch eine erstaunliche Zustimmung. Zum Fest „100 Jahre Patrona Bavariae“ kamen am 13. Mai 2017 über 10.000 aus ganz Bayern nach München. Sie kamen ohne große Werbung. Vielleicht waren die Bischöfe selber erstaunt über den großen Zustrom zum Marienplatz in München. Hätten sie die zur Verfügung stehende Pfarreien-Struktur für eine intensivere Werbung genutzt, wären vermutlich noch weit mehr nach München gekommen.
Das Fest „Patrona Bavariae“ geht auf den letzten bayerischen König Ludwig III. zurück. Ludwig erbat mit seiner Gemahlin Therese im Kriegsjahr 1917 von Papst Benedikt XV. ein eigenes kirchliches Fest unter dem Namen „Maria Patrona Bavariae“, das mit Zustimmung des Papstes nun alljährlich am 14. Mai in ganz Bayern gefeiert wird.
Gläubige aller bayerischen Diözesen kamen am 13. Mai von verschiedenen Seiten sternförmig auf den Marienplatz: Gebirgsschützen, Trachtenabordnungen, katholische Organisationen mit wehenden Fahnen sammelten sich zum Festgottesdienst um die Mariensäule: Ein Meer von Fahnen und Farben unter weiß-blauem Himmel.
Zum Festgottesdienst kamen neben den Bischöfen Prinz Franz von Bayern als Vertreter des Hauses Wittelsbach, außerdem Ministerpräsident Horst Seehofer und Mitglieder des bayerischen Kabinetts.
Kurfürst Maximilian I., ein großer Marienverehrer, hatte während des 30jährigen Krieges 1637, aus Dankbarkeit für die Bewahrung Münchens vor der Plünderung durch die Schweden, die Mariensäule errichten lassen. Sie wurde zum Mittelpunkt Bayerns.
Am Ende des Festgottesdienstes sprach Kardinal Marx das Gebet, das die Weihe des Landes an die Gottesmutter erneuert. Eine Passage aus diesem Weihegebet lautet:
„Sei du die Patronin des Landes Bayern auch in dieser Zeit. In dem Streit der Parteien sei du Versöhnung und Friede; in den Weglosigkeiten unserer offener Fragen zeige uns den Weg; die Streitenden versöhne, die Müden erwecke; gib den Misstrauischen ein offenes Herz, den Verbitterten Trost, den Selbstsicheren Demut, den Ängstlichen Zuversicht, den Vorwärtsdrängenden Besonnenheit, den Zaudernden Mut, uns allen aber die tröstende Zuversicht unseres Glaubens …“
Die Feier auf dem Marienplatz endete mit der begeistert gesungenen Bayernhymne. Sie spiegelt das Bewusstsein eines Landes mit einer mehr als 1300jährigen Geschichte wider:
„Gott mit dir du Land der Bayern, deutsche Erde Vaterland!
Über deinen weiten Gauen ruhe seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau
und erhalte dir die Farben seines Himmels weiß und blau!“

Hubert Gindert

Foto: München-Marienplatz (c) privat

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Theodor Kniebeler – Die Frontbewährung als Strohhalm

Unter den über 70 000 Einzelfallakten der Gestapoleitstelle Düsseldorf, die heute im Düsseldorfer Landesarchiv aufbewahrt werden, befindet sich auch die Akte des jungen Priesters Theodor Kniebeler (1909 – 1944). Er war bei Kriegsbeginn Kaplan an der Kirche St. Godehard in Vost in der Diözese Aachen. Schon im April 1940 protestierte er gegen Jugend-Filme der nationalsozialistischen Gaufilmstelle. Darauf folgte eine Vernehmung beim NS-Ortsgruppenleiter. Dabei sah sich Kaplan Kniebeker vor die Wahl gestellt, sich entweder am nächsten Sonntag in der Messe zu entschuldigen, oder eine Verfolgung durch die Gestapo zu erleiden. Notgedrungen akzeptierte Kniebeler die öffentliche Entschuldigung. Bald darauf wurde auch Kaplan Kniebeler wie viele andere zur Wehrmacht eingezogen. Im April 1942 bekam er von der Ostfront Urlaub. Eine Woche vorher hatten sich die Bischöfe in einem gemeinsamen Hirtenbrief darüber beklagt, dass Klöster überfallartig beschlagnahmt werden. Am 19. April predigte Kniebeler laut Gerichtsakten in der Frühmesse u.a.: „ Warum kämpfen wir eigentlich an der Ostfront in der beißenden Kälte? Der letzte Hirtenbrief der Bischöfe hat mich zu ernsten Gedanken geführt. Jetzt weiß ich, warum man uns nicht in Urlaub schickt. Die Front soll nicht erfahren, was in der Heimat alles passiert. Kämpfen wir im Osten etwa dafür, dass man in der Heimat ungestört Kirchen und Klöster rauben kann? Es gehört wirklich kein großer Mut dazu, wenn die SS hingeht und die Klosterinsassen mit Bajonetten aus den Klöstern vertreibt. Diese Leute können mal an die Front kommen, da könnten sie ihren Mut beweisen. Wenn die Front alles erführe, würde es einen zweiten Winter im Osten nicht mehr geben. Wir würden die Waffen strecken. Kämpfen wir etwa dafür, dass man in der Heimat die Kirche ungestört verfolgen kann? Aus Gründen der Papierersparnis hat man unsere Kirchenzeitungen verboten, andererseits werden aber Millionen von Hetzexemplaren gegen die Kirche gedruckt …“. Natürlich veranlasste diese Predigt eine große Unruhe in der Bevölkerung und der Priester wurde verhaftet. Vor dem Kriegsgericht wurde wegen Zersetzung der Wehrkraft zweimal die Todesstrafe beantragt. Das war eine Schlinge, aus der man seinen Kopf normalerweise nicht mehr heil herausbrachte. Aber ein ebenso umsichtiger wie auch mutiger Richter wagte es, den Priester nur zu einer neunmonatigen Gefängnisstrafe mit anschließender Frontbewährung zu verurteilen. In der Verurteilung „zur Bewährung an der Front“ sahen manche Richter die einzige Chance, die Todesstrafe zu vermeiden. Es war der sprichwörtliche Strohhalm, der öfter Verurteilte tatsächlich gerettet hat. Kniebeler hatte dieses Glück nicht. Nach neun Monaten verschärften Arrests im Gefängnis Berlin-Moabit musste er wieder an die Ostfront. Soldaten mit dem Vermerk „Bewährung“ wurden oft bei besonders gefährlichen Kampfhandlungen eingesetzt. Dabei wurde Kniebeler verwundet. Er starb am 2. April 1944 in einem Militär-Lazarett in Ostpreußen. Wer heute den Menschen damals mangelnden Widerstand vorwirft, will nicht wissen, dass der kleinste Widerstand den Mut zum heldenhaften Tod erforderte. Wer hätte diesen Mut heute?

Eduard Werner

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Brauchen wir Scheidungsrituale?

Im „Fels“ (März 2017, S. 69-73) berichtet Pfarrer Dr. François Reckinger über „Eine katastrophale Bedrohung der Unauflöslichkeit der Ehe“. Der Titel seines Artikels lautet: „Die Scheidung feiern?“ Reckinger bezieht sich auf die Zeitschrift „Gottesdienst“ 2/2017, S.1-3. Sie stellt sich vor als „Information und Handreichung der Liturgischen Institute Deutschlands, Österreichs und der Schweiz“. Der Artikel, auf den Reckinger eingeht ist in der o.a. Zeitschrift nachzulesen und hat den Titel „Scheidungsrituale“.
Reckinger weist in seinem Felsartikel auf den Grundsatz hin: Kirche kann nicht eine in sich fragwürdige oder gar eindeutig schlechte Handlung für erlaubt erklären und gegebenenfalls für deren Vollzug ein Ritual schaffen, nur, weil viele ihrer Mitglieder das wünschen. Reckinger bringt außerdem das Wort Christi zur Ehescheidung in Erinnerung, wie es die Evangelisten Markus (Mk 10,2-12) und Lukas (Lk 16,18) überliefern.
Weil Überlegungen zu „Scheidungsritualen“ in der katholischen Kirche Kreise ziehen, hat eine Katholikin den Artikel von Pfarrer Reckinger im „Fels“ mit einem Begleitschreiben, in dem sie ihren Protest gegen die Redaktion der Zeitschrift „Gottesdienst“ zum Ausdruck bringt, allen deutschen Diözesanbischöfen zur Kenntnis gebracht. Das Ergebnis: vierzehn Bischöfe haben auf den Brief hin geantwortet, sechs davon in „mehr oder weniger zustimmender Weise“, die übrigen mit „mehr oder weniger höflichen Floskeln und Ausflüchten“.
Dass das Thema angesichts der hohen Scheidungsziffern auch unter Katholiken aktuell ist, braucht nicht näher begründet werden, ebenso wenig, dass es bedeutsam für Kirche und Gesellschaft ist. Trotzdem haben nur sechs Diözesanbischöfe, das ist weniger als ein Viertel, ein Scheidungsritual „mehr oder weniger“ abgelehnt. Gut drei Viertel der deutschen Diözesanbischöfe haben sich nicht festgelegt, bzw. nicht geantwortet.
Ein „Scheidungsritual“ ist die „Perversion des Ehesakraments“. Die Verantwortlichen für die Ehepastoral sollten ihre Bemühungen besser darauf verwenden, das Eheverständnis der katholischen Kirche bekannt zu machen, die Ehevorbereitung zu verbessern, Scheidungswillige zur gegenseitigen Vergebung und zum Neuanfang ermutigen, nicht aber „Scheidungsrituale“ inszenieren.

Hubert Gindert

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Irrtümer, die in die Jahre kommen, werden dadurch nicht richtiger.

„Ende der weiblichen Geduld“ ist ein Kongress überschrieben, der zum „Tag der Diakonin“, am 29. April 2017, in Stuttgart stattfand (Konradsblatt, 19.2017, S. 4).
Im Vorspann von Brigitte Böttner heißt es … „sie sind des Wartens müde und wollen sich nicht länger hinhalten lassen. Sie fordern den Zugang von Frauen zu Amt und Weihe in der katholischen Kirche. Auch die Bischöfe sind gefragt“.
Das Podium „Frauen und Kirche“?! – „Frauen sind Kirche!“ wurde geleitet von Silke Arning vom Südwestrundfunk. Es war besetzt mit Katharina Ganz (Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen), Claudia Lücking-Michel (ZDK), Bettina Jarasch (Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Hubert Wolf und Thomas von Mitschke-Collande.
Der „Tag der Diakonin“ wurde vor 20 Jahren vom „Netzwerk Diakonat der Frau“ gegründet. Sein Ziel ist die Zulassung von Frauen zu den kirchlichen Weiheämtern, d.h. zum dreigestuften Priestertum mit Diakonat-, Priester- und Bischofsamt.
Das Hauptproblem der Netzwerkerinnen besteht darin, dass sie sich nicht an Jesus Christus orientieren wollen. Die Übertragung der Weihevollmacht geschieht nach biblischer Überlieferung am Gründonnerstag, dem Tag vor seinem Leiden, durch Jesus an die Apostel. Das ist der eigentliche Grund und Bezug des apostolischen Schreibens von Papst Johannes Paul II. „Über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe“, in dem der Papst u.a. erklärte: „damit also jeder Zweifel bzgl. der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich Kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“.
Auch die Einführung des Diakonats, wie sie in der Apostelgeschichte beschrieben wird, geschieht an sieben Männern, die namentlich festgehalten sind. Weiterlesen

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Der Kongress „Freude am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken hat heute folgende 2. Resolution verabschiedet

Entmenschlichung der Sexualität durch Pornografie und frühe Sexualisierung

Pornografie und Cybersexangebote haben sich seit der digitalen Wende einerseits als massenmedial verbreitetes, „normales“ Konsumgut etabliert, dessen weitgehend unkritische Akzeptanz sich mit dem Feigenblatt progressiver Aufgeklärtheit umgibt. Andererseits verbergen sich hinter diesem Feigenblatt Formen der Entmenschlichung der Sexualität, der Gewalt und Entwürdigung von Menschen, die in einer aufgeklärten Gesellschaft nur durch ein doppeltes Tabu möglich sind: Das Tabu des Schweigens und der Anonymität und das Tabu durch Normalisierung und Normierung. So prägt das Mainstreaming pornotypischer Praktiken zunehmend erwachsene wie auch jugendliche Beziehungen, wie zahlreiche Studien belegen. Die frei verfügbaren Inhalte haben selbst auf den Mainstream-Seiten eine massive Steigerung hinsichtlich der Brutalität sexueller Misshandlungen und Demütigungen von Frauen erfahren. Den Konsumenten ist dabei häufig nicht bewusst, dass ein großer Teil der pornografischen „Schlachthofästhetik“ (Pastötter, 20132) nicht freiwillig, sondern im Dunkelfeld der modernen Sklaverei3 entstanden ist. Man geht davon aus, dass die Mehrheit der inzwischen auf 45,8 Millionen geschätzten Opfer moderner Sklaverei zum Zweck der sexuellen Ausbeutung gehandelt werden, wobei die Grenzen zwischen Zwangs-Prostitution und Pornografie durch die digitale Technik fliessend geworden sind. Pornografiekonsum befeuert wiederum die Nachfrage nach verfügbaren Frauen, an denen die zuvor gesehenen brutalen Akte praktiziert werden können. Zahlreiche experimentelle u.a. Studien belegen, dass regelmäßiger Pornografiekonsum die Akzeptanz von sexueller Gewalt erhöht wie auch die Bereitschaft, diese in die Tat umzusetzen4.
Laut einer Befragung von 2011 (Geiser, 2012) haben 91 % der 13-16-jähr. Jungen und 44 % der gleichaltrigen Mädchen bereits pornografische Inhalte im Internet gesehen, sowie fast alle (98 %) der 16-19-jährigen Jungen (Weber et al, 2012). Zwei Drittel der männlichen Jugendlichen konsumiert wöchentlich bis täglich Pornografie (Pastötter et al, 2008).
Während einige Kinder auf die frühe Konfrontation mit Pornografie traumatisiert, verwirrt und mit Angst reagieren, gewöhnen sich andere an den schnellen, jederzeit verfügbaren Kick als Selbstmedikation gegen Langeweile, Stress oder Einsamkeit. In beiden Fällen schildern uns Heranwachsende eine Veränderung ihrer Phantasien und ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung; sie nehmen sich selbst oder andere Menschen vermehrt sexualisiert und als Objekt wahr, wie auch Längsschnittstudien belegen. Konsumsex bedient den perfekten narzisstischen Traum: In Pornotopia bekomme ich alles, was ich will – sofort, jederzeit und ohne Anstrengung. Sex ist immer verfügbar. Dabei muss ich nichts investieren, mich nicht auf eine Person einlassen und mich niemandem verdanken. Diese Reduktion von Sexualität auf eindimensionale Erregungssuche kann zur Sucht führen, denn die Ausklammerung der emotionalen und Beziehungsdimension von Sexualität hinterlässt eine Leere, die wiederum nach neuen, gesteigerten Ersatzbefriedigungen verlangt. Neben der Beeinträchtigung der Empathie- und Bindungsfähigkeit belegen Studien eindeutig eine Verschiebung von Präferenzen hin zu härteren, gewalthaltigen Inhalten bei häufigem Konsum. Diese prägen Phantasien und Wünsche und haben eine deutliche Zunahme von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen und von sexueller Gewalt in jungen Paarbeziehungen zur Folge (u.a. Stanley et al, 2016). Die Ambivalenz, etwas wollen zu müssen, was man zutiefst nicht will oder was die seelische oder körperliche Unversehrtheit und Würde verletzt, ist eine Form von emotionaler Gewalt. Viele Heranwachsende fühlen sich mit der Macht der stimulierenden und illusionären Bilder und der inneren Ambivalenz allein gelassen und sind erleichtert, wenn das Thema von Erwachsenen auf eine gesichtswahrende und nicht schamverletzende Art angesprochen wird. Heranwachsende haben ein Recht auf Schutz vor verstörenden Inhalten und das Bedürfnis nach Orientierung im Hinblick auf ihre Fragen zu Liebe, Bindung und Sexualität. „Fit for Love?“ (www.fit-for-love.org), eine bindungsorientierte Sexualpädagogik holt Jugendliche in ihren Fragen zu Sexualität und Partnerschaft und ihren ambivalenten Gefühlen zu Pornografie ab. Sie stärkt sie in ihrer Empathie- und Bindungsfähigkeit, sensibilisiert für gesunde Grenzen und Suchtrisiken und vermittelt ein Verständnis von Liebe und Sexualität in ihrem größeren Sinnzusammenhang.
Ein ehrlicher gesellschaftlicher Diskurs und eine kritische Reflektion der unterschiedlichen Paradigmen im Verständnis menschlicher Sexualität ohne Denk- und Sprechverbote ist dringend notwendig, denn es geht bei diesem Thema um das Kostbarste, was wir Menschen zu verlieren oder zu gewinnen haben: unsere einzigartige Identität und Würde, unsere Integrität und unsere Fähigkeit zu lieben – unsere Menschlichkeit.

1 Es wird geschätzt, dass 30 Prozent des gesamten Datenverkehrs im Netz aus Pornografie besteht
2 Pastötter, J (2013) Vorwort zur 1.Auflage von „Fit for Love? Praxisbuch zur Prävention von Internet-Pornografiekonsum“
3 Global Slavery Index 2016; www.A21.org; Siddarth K., 2008, 2016; Schirrmacher 2012
4 Eine ausführliche Zusammenfassung von Studien vgl. www.tabea-freitag.de/Veröffentlichungen

Prof. Dr. Hubert Gindert
Vorsitzender des Forum Deutscher Katholiken

Fulda, den 9. Juli 2017

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Der Kongress „Freude am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken hat heute folgende Resolution verabschiedet:

Die Jugend braucht Vorbilder, um eine bessere Welt aufzubauen

Die Zukunft des Christentums hängt immer von der kommenden Generation ab. „Baut eine bessere Welt auf, eine Welt von Brüdern und Schwestern!“ rief Papst Franziskus den vielen tausenden jungen Menschen beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro 2013 zu. Doch Christ sein, sich ehrenamtlich engagieren, den Glauben durch Wort und Tat verkünden, regelmäßig in die Kirche gehen – das sind bei jungen Leuten von heute keine üblichen Beschäftigungen. Jugendliche, die diese Traditionen noch pflegen und sich offen dazu bekennen, gelten nicht selten als „schräg“, verschroben oder altbacken. Wie also sollen junge Menschen überzeugt und überzeugend „im Sturm spielen“, wie das Christentum bewahren, verbreiten und fortführen?
Die wichtigste Botschaft für junge Leute ist: Ihr seid völlig normal! Ihr tut etwas Gutes! Ihr denkt an die Zukunft und über euch hinaus! Denn das ist ein wesentlicher Punkt, der in der Erziehung und in den Medien heute gerne vernachlässigt wird: Eine Haltung und eine Lebensweise, die entgegen dem so genannten Mainstream eben nicht nur um sich selbst und höchstens noch um die engste angehörige Personengruppe kreist, sondern die über sich selbst hinausgeht. Eine Haltung, die neue Horizonte erschließt und letztendlich über diese Horizonte hinausgeht, jenseits von Egoismus, von rein weltlichem Denken, von rein materiellen Dingen.
Die Aufgabe der Vermittlung einer solchen Haltung liegt in der Familie, in der Schule und in der Kirche. Junge Menschen brauchen glaubwürdige Vorbilder, die mit Begeisterung vorleben, welche Kraft der christliche Glaube hat, wie wahr und schön er ist, wie viel Gutes man damit anderen Menschen geben kann. Ein Ausdruck dieses Glaubens ist eben auch das Eintreten für andere, die tätige Nächstenliebe in vielfältiger Form.
Ob man sein Leben Gott weiht, im sozialen Bereich arbeitet, Baykleidung sortiert, Schwangere begleitet, Kinderfreizeiten betreut, ob man Artikel schreibt oder in einer Suppenküche hilft: Alle Tätigkeiten sind sichtbare Belege für die Wirksamkeit eines tiefen Glaubens. Dieses Vorbild wirkt auch in der säkularen Welt und wirkt dort manchmal mehr als jedes Gespräch und jede Diskussion über den Glauben.
Diese Vermittlung an junge Menschen ist jedoch nur möglich, wenn die erwachsenen Vorbilder in allen Bereichen selbst begeistert und mitreißend wirken, wenn fundiertes Glaubenswissen vermittelt wird und das Brennen für den Glauben sichtbar ist.
Wir rufen daher die erwachsenen Christen auf, den Aufbau dieser besseren Welt glaubwürdig vorzuleben und weiterzutragen. Wir brauchen mutige, gebildete, engagierte Eltern und Lehrkräfte, wir brauchen begeisterte Geistliche.
Wir brauchen Vorbilder, die all dies auf normale Art und Weise einfach tun, damit die Jugend dieses Vorbild aufnehmen und selbst verwirklichen kann und damit das christliche Wirken auch in der heutigen Gesellschaft wieder so normal wird, wie es eigentlich ist.

Prof. Dr. Hubert Gindert
Vorsitzender des Forum Deutscher Katholiken

Fulda, den 8. Juli 2017

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Die Kräfte welche die Kirche zerstören, kommen vor allem vom Innern der Kirche. Das ist die Erfahrung seit 2000 Jahren

Am 13. Juli 1917 sagte die Gottesmutter den Seherkindern von Fatima „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren“. Sie wiederholte damit, was sie 1858 der heiligen Bernadette Soubirous in Lourdes geoffenbart hatte: „Ich bin die unbefleckte Empfängnis.“ Im Credo bekennen die Christen „Geboren von der Jungfrau Maria“.
Dieses Bekenntnis ist für den heutigen Zeitgeist offensichtlich völlig unannehmbar. Jene, die ihr Knie vor dem gängigen Mainstream beugen, wie ein bekannter Münchner Pfarrer, werden solche Aussagen relativieren oder infrage stellen. Derselbe Pfarrer hat ein Buch geschrieben, das ein Fluchwort zum Titel hat. Es wird berichtet, er habe das Buch seinem Dienstherrn, dem Erzbischof zur Kenntnis gegeben. Es sei nicht beanstandet worden.
Auf Seite 195 seines Buches schreibt dieser Pfarrer: „Die Sexualethik meiner Kirche ist von der Lebenswirklichkeit der Menschen längst rechts und links überholt worden und verwendet dennoch immer Sätze wie ‚in Sünde gezeugt‘ oder ‚in Sünde empfangen‘ – während bei Maria von einer Jungfrau die Rede ist, die Jesus unbefleckt geboren und als Jungfrau empfangen haben soll. Ich muss mich da selbst an die Nase fassen. Wie oft spreche ich im Gebet, z.B. im Weihnachtsgottesdienst, von ‚der ewigen jungfräulichen Unversehrtheit Mariens‘. Was setzen wir Priester mit solchen Floskeln nur für Bilder?“ Und weiter meint dieser Pfarrer, dass eine natürliche Geburt Jesu seine Wirkung nicht weniger „göttlich“ erscheinen lasse, wörtlich: „Was denn sollte diese Wirkung schmälern, wenn Jesus ganz natürlich geboren worden wäre. In ihrem Beharren auf die Jungfräulichkeit stempelt die Kirche Generationen von Frauen als zweitklassig ab, die den durchaus göttlichen Prozess einer natürlichen Geburt durchlaufen und Kinder auf die Welt bringen.“
Die Predigten dieses Pfarrers sollen gut besucht sein. Wen wundert das? Es ist das, was Paulus im Schreiben an seinen Schüler Timotheus anprangert (2 Tim 4,3-4): „Es wird eine Zeit kommen, da man die gesunde Lehre nicht mehr ertragen will und sich seine Lehrer nach eigener Willkür zusammenstellen wird, weil man nach Ohrenkitzel verlangt; und so wird man das Ohr von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeleien zuwenden.“

Hubert Gindert

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Abschied von einem großen Bischof und Menschen: Joachim Kardinal Meisner

Mit großer Trauer aber auch mit Dankbarkeit gegen Gott und seinen treuen Diener hat das Forum Deutscher Katholiken die Nachricht vom Tode Joachim Kardinal Meisners aufgenommen. Er war zahllosen Menschen ein Licht auf ihrem Pilgerweg. Sein großes Zeugnis und seine Überzeugungskraft gründete in seiner überwältigenden Liebe zu Christus und seiner Kirche. Hier ist auch die Quelle für seine Unerschrockenheit und seinen großen Mut, das Evangelium unverkürzt und in der Wahrheit zu verkünden, sei es gelegen oder ungelegen. Seine Begeisterung für Christus und seine tiefe Spiritualität waren geradezu ansteckend.
Das Forum Deutscher Katholiken ist Kardinal Meisner in vielfacher Weise verbunden. Von Anfang an hat er unser Anliegen unterstützt und mit Rat und Tat begleitet auch als Mitglied unseres Kuratoriums „Freude am Glauben“. Mehrfach hat er an unseren Kongressen teilgenommen, gesprochen und die heilige Messe zelebriert.
Wir dürfen uns trösten in der Gewissheit, dass er heute in der frühen Morgentunde die Stimmes unseres Herrn und Erlösers hören durfte: „Tritt ein zur Freude deines Herrn, du guter und getreuer Knecht.“

Prof.Dr. Hubert Gindert und das Team des Forums Deutscher Katholiken

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