Das Ehepaar Bernhard und Maria Kreulich im Widerstand

Die meisten Katholiken blieben in der Zeit des Nationalsozialismus der Kirche treu. Besonders die in der katholischen Arbeiterbewegung organisierten Hütten- und Bergarbeiter des Ruhrgebiets lehnten das heidnische NS-Regime so selbstverständlich ab, dass sie sogar die gebotene Vorsicht vor Verfolgung nicht beachteten. Beispiele hierfür sind u.a. Gottfried Könzgen, Heinrich Imbusch, Nikolaus Groß und Karl August Brinkmann. Auch die Eheleute Bernhard und Maria Kreulich äußerten sich so frei, dass sie verhaftet und hingerichtet wurden. Sie stammten aus Bergarbeiterfamilien in Essen. Maria Kreulich wurde 1889, Bernhard Kreulich 1890 geboren. In der Familie, in der Volksschule und in ihrer Pfarrei erhielten sie die damals übliche religiöse Erziehung. Maria wurde Verkäuferin, Bernhard wurde Bergmann. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde Bernhard Kreulich zum Militär eingezogen und an der Westfront eingesetzt, wo er bald in französische Kriegsgefangenschaft geriet. Bald nach der Freilassung 1920 heiratete er Maria Budziak. Die Ehe blieb kinderlos. Beide waren neben ihren Berufen in religiösen Vereinen ihrer Pfarrei aktiv. Besonders in der katholischen Arbeiterbewegung taten sie sich hervor. Im Mai 1943 befand sich Bernhard Kreulich zur stationären Behandlung im Knappschaftskrankenhaus. Dort wurden er und seine ihn besuchende Frau in ein Gespräch verwickelt. Dabei äußerte sich Kreulich kritisch zur Lage an der Front und zur Politik Hitlers insgesamt. Auch als die Gesprächspartner widersprachen und Hitler verteidigten, beharrte Kreulich – unterstützt von seiner Frau – auf seinem Standpunkt. Er sagte, er sei nicht bange. Er habe schließlich im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft und durfte dort auch keine Angst haben. „Selbst wenn man mich sofort an die Wand stellt, sage ich es noch einmal.“ Da nahm das Schicksal seinen Lauf, wie es nicht anders zu erwarten war. Im Juli 1943 wurde das Ehepaar verhaftet. Am 28. Januar 1944 erging gegen beide das Todesurteil. Dem Gericht zufolge wurden sie „wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Die übliche Schlussformel des Urteils lautete zynisch: „Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihnen auf Lebenszeit aberkannt. Sie tragen die Kosten des Verfahrens.“
Wie konnten diese Eheleute sich so unvorsichtig äußern? Sie waren fest in der Kirche verankert und kannten daher den Gegensatz zwischen der katholischen Kirche und den regierenden Nationalsozialisten. Die Bischöfe hatten ja vor der Machtübernahme wiederholt davor gewarnt, die Nazis zu wählen. „Die NSDAP ist für Katholiken nicht wählbar“ lautete vor 1933 die Devise. Auch die Tatsache, dass das ideologische Hauptbuch der Nationalsozialisten, Alfred Rosenbergs Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ auf den Index der für Katholiken verbotenen Bücher gesetzt wurde, zeigte den unüberbrückbaren Gegensatz. Und diese Widerstandshaltung wurde natürlich durch das päpstliche Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ gestärkt. Sie waren überzeugt davon, dass Hitler und seine Weltanschauung das Übel schlechthin sind und dass dies beim Jüngsten Gericht offenbar werden wird. 1989 enthüllte Bischof Franz Hengsbach an der Heimatkirche St. Christophorus in Essen-Kray eine Gedenktafel für das Ehepaar Kreulich mit folgender Inschrift:
„Zeugen der Wahrheit – Bernhard und Maria Kreulich. Am 17. und 19. März 1944 in Berlin- Plötzensee von NS-Schergen hingerichtet.“

Eduard Werner

Foto: Baldur Hermans in Martyrologium „Zeugen für Christus“, hrsg von Helmut Moll S.15-16

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Die hartnäckige, aber durchsichtige Strategie der Kirchenveränderer

Was haben die Leitung einer Pfarrgemeinde durch Laien oder die Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion mit der Verwaltung diözesaner Gelder zu tun? Nichts!
Es ist nur der durchsichtige und hartnäckig verfolgte Versuch, jedes kirchliche Problem mit den Zielen der Kirchenveränderer zu verbinden, um die Kirche endlich dort hin zu bringen, wo man sie schon lange haben möchte, nämlich auf den Pfad des Relativismus. Zu diesem Zweck werden die finanziellen Probleme in den Diözesen Eichstätt, Freiburg und Hamburg instrumentalisiert. Alois Knoller von der Augsburger Allgemeinen Zeitung überschreibt seinen Beitrag (22.2.18) mit „Auch für die katholischen Bischöfe endet die Zeit der Alleinherrschaft“. Der Untertitel lautet: „Der Eichstätter Finanzskandal hat der Bischofskonferenz in Ingolstadt ein Thema aufgedrängt, das einen tiefgreifenden Wandel im Führungsstil verlangt.“
Hier werden die o.a. Ziele wie „Leitung von Pfarrgemeinden durch Laien“, „Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete“ wieder aufgekocht und die Basis, „die sich nach Reformen sehnt“, bemüht. Tatsächlich sehnen sich allenfalls bezahlte Kirchenfunktionäre nach mehr Demokratie in der Kirche. Nicht bezahlte Mitarbeiter, wie z.B. die Pfarrgemeinderäte, werden mit der Lupe gesucht und gedrängt, sich doch für die Mitarbeit zur Verfügung zu stellen.
Im Übrigen ist der Redakteur Alois Knoller nicht gut informiert, was seine Behauptung im gleichen Artikel betrifft, wo es heißt: „Vereinzelt wagen Bischöfe einen mutigen Vorstoß wie etwa der Münchner Kardinal Reinhard Marx in der Frage der Segnung von homosexuellen Paaren.“ Denn Kardinal Marx war schon vor Erscheinen dieses Artikels heftig zurückgerudert. Er dementierte (Tagespost 22. Februar 18, S. 12): „Von Segnung homosexueller Paare öffentlich habe ich überhaupt nicht gesprochen“. Es gehe vielmehr „um die Begleitung von Homosexuellen, die Christen sein wollen und die für ihr Leben auch Zuspruch suchen“.
Der Durchbruch im Sinne des Relativismus gelingt nicht, wenn wir uns vor Augen führen, was Kardinal Ratzinger am 18. April 2005 dazu geäußert hat: „Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgestempelt, wohingegen der Relativismus, das sich ‚vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin- und Hertreiben-Lassen‘, als die heutzutage einzige zeitgemäße Haltung erscheint. Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt.“ Auch die Ziele der Kirchenveränderer lassen sich m.E. alle auf „die Idee zurückführen, dass es keine unbestreitbaren Wahrheiten gibt, die unser Leben lenken, und deshalb der menschlichen Freiheit keine Grenzen gesetzt sind“ (Papst Franziskus: Enzyklika „Laudato Si“, Ziff 6 Der Papst zitiert hier Benedikt XVI.)

Hubert Gindert

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Karl Marx – eine Herausforderung bis heute. Vor 200 Jahren wurde er geboren

3,3 Millionen Zuschauer haben sich vor einigen Jahren an der Abstimmung „Unsere Besten“ im Zweiten Deutschen Fernsehen beteiligt, 778 984 haben dafür gesorgt, dass Konrad Adenauer auf den ersten Platz kam. Für Karl Marx stimmte über eine halbe Million, was ihm – nach Martin Luther – Rang drei einbrachte. Die Bewohner der neuen Bundesländer halten Marx mehrheitlich sogar für „Unseren Besten“.
Ist daran etwas anstößig? Bevor man mit Ja oder Nein antwortet, ist es geboten, über Marx und seine Auswirkungen nachzudenken. Schließlich haben – wie heute weitgehend unbestritten – bekennende Marxisten über 85 Millionen Menschen geopfert. Das „Schwarzbuch des Kommunismus“ bietet die Beweise.
Im Folgenden sollen der Mann und sein Werk in der gebotenen Kürze vorgestellt werden. Als Leitfaden diene eine Ansprache Engels. Bei der Bestattung seines Freundes äußerte er:
„Am 14. März nachmittags ein Viertel vor drei [1883] hat der größte lebende Denker aufgehört zu denken. … Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte … [Histomat]
Damit nicht genug. Marx entdeckte auch das spezielle Entwicklungsgesetz der heutigen kapitalistischen Produktionsweise und der von ihr erzeugten bürgerlichen Gesellschaft. … So war der Mann der Wissenschaft. Aber das war noch lange nicht der halbe Mann. Denn Marx war vor allem Revolutionär.“
Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren. 1844 begann die lebenslange Freundschaft mit Engels. Nach Zwischenstationen in Brüssel und Paris begab sich Marx 1849 nach London, wo er am 14. März 1883 starb.
Worum geht es im Histomat? Er benennt die „Gesetze“, nach denen sich die Menschheitsgeschichte vollzogen haben soll und vollziehen werde. Auf die unmittelbar bevorstehende Diktatur des Proletariats werde mit eherner Notwendigkeit der Kommunismus folgen. In Wirklichkeit: Die letzten Jahrzehnte haben die Histomat-Vorhersagen total widerlegt.
Marx hat viel geschrieben: Briefe, Aufsätze, Zeitungsartikel, Bücher. Die Bücher sind höchst polemische Auseinandersetzungen mit den Ansichten einzelner Zeitgenossen und wurden jeweils im Verlaufe weniger Monate verfasst. Eine Ausnahme bildet Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Am Kapital arbeitete Marx über Jahrzehnte hinweg, bis dann 1867 der erste Band erscheinen konnte.
Das Werk mit seinen mathematischen Formeln und Gleichungen hat – vom Schlusskapitel abgesehen – ein streng wissenschaftliches Gepräge. Der sensationelle Inhalt lässt sich mit wenigen Sätzen skizzieren: Im Kapitalismus geht alles mit rechten Dingen zu! Trotzdem oder gerade deshalb muss und wird es, wie schon gezeigt, zur Revolution kommen. Zu diesem paradoxen Ergebnis gelangt Marx mit Hilfe seiner „objektiven Wertlehre“. Daraus resultiert die „gerechte Ausbeutung“, die eine Revolution auslöst. Weiterlesen

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Clara Fey: eine christliche Antwort auf die Nöte der Zeit

Jetzt ist er da, der 5. Mai 2018, an dem Clara Fey, die Gründerin der Schwestern vom armen Kinde Jesus, im Hohen Dom zu Aachen seliggesprochen wird.
Im Vorwort zu einem Büchlein mit Gedanken von ihr über das Leben mit und in Gott heißt es: „Was sie zu sagen hat, ist heute aktuell, modern und von besonderer Bedeutung für uns.“ Schauen wir also ein wenig auf ihr Leben und Wirken.
… aus gläubiger Familie:
Geboren wurde Clara Fey am 11. April 1815 in Aachen. Sie war das vierte der fünf Kinder einer wohlhabenden, sozial eingestellten Familie, die gläubig und tief verwurzelt war in der Liebe zur Kirche. Ihre Brüder Joseph und Andreas wurden Priester, Constantia starb früh, Netta, die Jüngste, heiratete.
Das soziale Elend der Frühindustriealisierung:
Es war die Zeit der Industrialisierung, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts gravierende soziale Probleme mit sich brachte. Die Maschinen verdrängten zunehmend die bis dahin weitverbreitete Heimarbeit. So suchten viele Menschen in den entstehenden Fabriken Arbeit. Bei äußerst schlechten gesundheitlichen Bedingungen und endlosen Arbeitszeiten mussten die Betroffenen für einen kärglichen Lohn arbeiten, der selten für den Broterwerb ihrer Familie ausreichte. Daher waren zahlreiche Kinder sich selbst überlassen, gingen in keine Schule und trieben sich bettelnd auf den Straßen herum. Andere mussten schon im Alter von sieben, manche sogar schon ab vier Jahren 12 bis 14 Stunden am Tag in Textil- und Nadelfabriken Aachens arbeiten. Weder der Staat noch die Stadt schienen ein Auge für diese Kleinen zu haben.
Bildung als Chance:
Aber es gab auch Menschen, die mutig gegen das Elend angingen. Zu ihnen gehörten die Geschwister Fey. Sie trafen sich regelmäßig im Elternhaus mit befreundeten Priestern und engagierten Laien zu „Sonntagsgesprächen“, um zu überlegen, wie man helfen könne. So begann Clara mit einigen gleichgesinnten Freundinnen, sich benachteiligter Kinder anzunehmen und ihnen Pflege, Erziehung und Unterricht zu geben. Sie setzten ihre ganze Kraft und ihr Vermögen ein, um die unhaltbare Situation zumindest ein wenig zu entschärfen. 1837 entstand unter Führung der damals erst 21-jährigen Clara eine kleine Schule. Ihre Brüder Joseph und Andreas sowie einige andere Priester halfen nach Kräften mit, denn die Verwahrlosung vieler Kinder ließ auch ihnen keine Ruhe. Weiterlesen

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Leserbrief An den Münchner Merkur zu „Marx wirft Söder Spaltung vor.“am 30.04.2018 Seite 1

Ein Bischof, der ausgerechnet in Jerusalem sein Amtskreuz in der Tasche versteckt und dann auch noch wahrheitswidriger Weise behauptet, das hätten die Israelis von ihm verlangt, hat schon jede Glaubwürdigkeit verloren. Jetzt will er – wieder nicht ganz ehrlich – den Ministerpräsidenten absichtlich missverstehen, als würde dieser das Kreuz nur als Symbol christlicher Kultur verstehen und nicht auch als religiöses Markenzeichen des Christentums. Diese Unterstellung ist unbegründet, denn das Kulturzeichen lässt sich doch gar nicht vom christlichen Erlösungszeichen trennen. Dieses bewusste Missverstehen ist wenig vornehm. Damit kann sich Marx um eine inhaltliche Aussage zum Kreuz selber drücken. In der Zeit des Nationalsozialismus haben sich Bischöfe und Laien noch unter Lebensgefahr zum Kreuz bekannt. Wie viele Christen kamen ins KZ, weil sie die Schulkreuze nicht abhängen ließen. Leutnant Kitzelmann aus Horben wurde zum Tode verurteilt, weil er gesagt hatte: „Daheim reißen sie die Kreuze aus den Schulen und hier an der Ostfront macht man uns vor, wir würden gegen den gottlosen Bolschewismus kämpfen.“ In der Verfolgung wusste man noch, dass die Wahrheit spaltet. Arme Kirchen, in der Bischöfe das nicht mehr wissen. In allen Ländern, in denen die Kreuze abgehängt wurden, ist das den Völkern sehr schlecht bekommen.

Dr. Eduard Werner

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Das Kreuz ist Symbol unserer christlich geprägten Kultur!

Unsere Kultur steht auf einem christlich geprägten Fundament. Das Kreuz ist sichtbares Zeichen einer Religion, die Gewaltlosigkeit einfordert, sogar Feindesliebe einschließt und Nächstenliebe fördert. Das Kreuz bedroht niemanden. Es schützt auch den Andersgläubigen und den Nichtglaubenden. Das Kreuz in staatlichen Gebäuden ist Ausdruck dieser Gesinnung und gehört untrennbar zur Geschichte unseres Landes.
Die Initiative der Bayerischen Regierung steht im Einklang mit der Verfassung des Freistaates Bayern, mit den Erziehungszielen unserer Verfassung und ist Ausdruck der Liberalitas Bavariae, dem Leben und Lebenlassen.
Das „Forum Deutscher Katholiken“ dankt dem Bayerischen Ministerpräsidenten für seinen Mut, uns daran zu erinnern!

Prof. Dr. Hubert Gindert
Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken

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„… führe uns nicht in Versuchung“ – Gedanken zur 6. Vater-unser-bitte

Jeder noch in der Wolle gefärbte Humanist unter den predigenden Theologen hat die vier Abwandlungen und Bedeutungen des unregelmäßigen griechischen Verbums „erchomai“ (Matthäus 6,13) im Ohr. In der 1. Form (intransitiv) heißt es einfach „kommen“, „ich komme“, „ich bin am Kommen“. In der 3. Form (transitiv) heißt es hingegen „jemand oder etwas kommen lassen“, „hineingeraten lassen“, etwas über jemanden kommen lassen“. – Der Urtext sagt also etwas anderes als das Wort „führen“. Dieses kommt im Vaterunser aus der lateinischen Übersetzung des griechischen Neuen Testaments durch Hieronymus (Vulgata), deren lateinischer Wohlklang oft wirklich Musik in den Ohren ist, aber sachlich oft nicht genügend genau ist.
Gehen wir vom Urtext aus, so lautet die Bitte: „Lass uns nicht hineingeraten in …“, ja sogar „lass nicht kommen über uns …“.
Mit „Versuchung“ („peirasmos“) ist im Urtext genau alles gemeint, was wir unter „Prüfung“ verstehen. Von einer Prüfung des Glaubens ist in der ganzen Bibel in den Zeugnissen der Heilsgeschichte die Rede. Gott, der zum Glauben ruft, prüft diesen Glauben in seinem Volk. Er tut das auf seine Weise bei jedem von uns. Jeder Christ weiß, was das heißt. „Gott hat mit jedem von uns eine ganz persönliche, verborgene Geschichte der Gnade“ (Karl Hartenstein).
Der große Alttestamentler Franz Delitzsch hat die Vater-unser-bitte ins Hebräische rückübersetzt. Hier findet das liturgische Wort im Vaterunser genau wie im Griechischen diesen Bedeutungswandel (bo` = „kommen“, „hebi`“ = hineinbringen, hineinkommen lassen“). Im jüdischen deutschsprachigen Gebetbuch findet sich gleichen Sinnes die Bitte: „Lass mich nicht kommen in die Gewalt der Sünde noch in die Gewalt der Schuld.“
Die christliche Kirche betet in der Erfahrung, dass wir wie seit je als Gemeinde der Glaubenden in einer Welt leben, in der die Gegenkräfte eines Mächtigen am Werk sind. Jesus spricht vom „Fürsten dieser Welt“, vom „Herrscher der Welt“ (z.B. Johannes 14,30). – Alle Lehrer des Glaubens wiesen darauf hin, dass die Kirche um Bewahrung vor endzeitlichen Verführungen betet, denen kein Mensch von sich aus gewachsen sein wird (Markus 13,20). – „Die Leichtverführbarkeit des Menschen ist ein uraltes Thema und täglich zu beobachten“ (Werner Bergengruen).
So gehört diese Vaterunserbitte ganz eng zur letzten: „Erlöse uns vom Bösen.“ „Und führe uns nicht in Versuchung!“
Lass uns nicht hineingeraten in Zustände und Verhältnisse, aus denen wir nicht mehr herausfinden, wo der Glaube stirbt, die Hoffnung erlischt, die Liebe erkaltet.
Beten wir getrost weiter, wie wir es gelernt und überliefert bekommen haben. Es muss nur in der Predigt immer, wie so vieles, erklärt und vertieft werden. So sollen wir zum Beten ermuntert werden.

Eduard Haller

Bild: Wikimedia free

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Joseph Ratzinger – Professor – Bischof – Präfekt der Glaubenskongregation – Papst

Dieser kurze Artikel wirft einige Schlaglichter auf das reiche Leben von Joseph Ratzinger, den späteren Heiligen Vater. Wir beschränken uns dabei auf die Zeit seit seiner Ernennung zum Erzbischof von München. Behalten wir ihn in guter Erinnerung und beten wir fest für ihn sowie seinen Nachfolger Papst Franziskus. 1977 wurde Joseph Ratzinger von Papst Paul VI. nach dem überraschenden Tod von Kardinal Julius Döpfner zum Erzbischof von München ernannt, was ihm vom Nuntius bei einem Besuch in Regensburg vertraulich mitgeteilt wurde. Er durfte sich nur mit seinem Beichtvater darüber austauschen. Wegen seiner schwachen Gesundheit war er der Meinung, dass dieser ihm von diesem schweren Amt abraten würde. Joseph Ratzinger war glücklich und ausgelastet mit seiner Aufgabe als Theologieprofessor in dem von ihm so sehr geschätzten Regensburg, wo sein Bruder Georg als Domkapellmeister wirkte und seine Schwester ihm den Haushalt führte. Joseph Ratzinger sehnte sich nicht nach Verwaltungs- und Führungsaufgaben oder Konferenzen, die das Bischofsamt unweigerlich mit sich bringt. Doch sein Beichtvater und Professorenkollege Johann Auer war überraschenderweise der Überzeugung, dass er das Bischofsamt annehmen müsse, wenn der Herr durch Seinen Stellvertreter auf Erden ihn dazu berufen hat. Und so fügte sich Joseph Ratzinger trotz seiner nicht so stabilen Konstitution sowie seiner fehlenden Erfahrung in der Seelsorge und der Verwaltung. Er vertraute auf Gott den Heiligen Geist, der durch uns schwache Menschen in den Sakramenten und der Verkündigung wirkt, wenn wir uns Ihm nur ganz anvertrauen. Der Empfang in München war begeisternd, was Joseph Ratzinger zu Recht nicht in erster Linie auf seine Person, sondern auf das Amt des Bischofs, der in der Nachfolge der Apostel steht, bezogen hat. Gestärkt durch die göttliche Gnade, die ihm im Sakrament der heiligen Bischofsweihe zuteil geworden ist, trat er sein schweres Amt an. Sein Schwerpunkt war die Hinführung der Menschen zu unserem Herrn und Gott Jesus Christus, der für uns Sünder Mensch wurde, gelitten hat, am Kreuz gestorben ist und am dritten Tag in Herrlichkeit auferstanden ist. Um in diese Heilswirklichkeit, die wir in der Taufe geschenkt bekommen haben, eingehen zu können, bedarf es der konkreten Gottes- und Nächstenliebe, was Joseph Ratzinger, den Paul VI. schon 1977 zum Kardinal ernannte, immer wieder betonte. Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi werden sakramental in jeder heiligen Messe gegenwärtig. Jesus ist am Sonntag auferstanden, dem ersten Tag der Woche. Deshalb hob der Kardinal immer wieder die Wichtigkeit der Sonntagsmesse hervor, die nicht durch andere Gottesdienste ersetzt werden kann und unsere Gottesliebe neben dem täglichen Gebet ausdrückt. Diese Liebe muss sich im Alltag in der Nächstenliebe bewähren. Weiterlesen

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Anlass zum Feiern?

In Deutschland wird in diesem Jahr an zwei Ereignisse erinnert, die weit über die Grenzen unseres Landes hinaus von Bedeutung sind. Das sind der 200. Geburtstag von Karl Marx und die 68er-Bewegung vor 50 Jahren.
Der 1818 in Trier geborene Karl Marx wollte die Gesellschaft fundamental verändern, indem er diese tragenden Stützen, nämlich die Religion, Ehe und Familie und alle Autoritäten zerstörte.
Folgende Aussagen von Marx geben in komprimierter Form seine politischen Ziele an: „Alle Verhältnisse umwerfen“… „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei“. Dies schließt den Tod Gottes ein. Der Wirtschaftsordnung erklärt Marx mit seinem Hauptwerk „Das Kapital“ – „Kritik der politischen Ökonomie“ den unerbittlichen Kampf.
„Die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden“ und sein Credo „die Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte“ und „die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt“… schließt Überlegungen von „reformieren“, „entwickeln“ kategorisch aus.
Diese Haltung von Marx zeigt sich schon früh. Das Wort „vernichten“ kommt beispielsweise sechsmal in seinem Abituraufsatz vor. Hinzu kommt eine maßlose Überheblichkeit. Er sieht sich „göttergleich“. Auch das deutet sich schon in seinen frühen Schriften an.
Mutter Teresa antwortete einmal auf die Frage: Was müssen wir tun, um die Welt zu verändern und besser zu machen?:“Wir müssen uns verändern, ich und du.“ Eine solche Einsicht war für Karl Marx wesensfremd.
Für seine „wissenschaftliche“ Arbeit vergrub sich Marx in Londoner Bibliotheken, um Belege zu finden, die seine Ideologie stützen sollten. Mutter Teresa ging dagegen in die Elendesquartiere, um dort zu helfen.
Karl Marx pflegte einen großbürgerlichen Lebensstil. Das konnte er nur, weil er seinen Vater ausnutzte und ab 1844 den Fabrikanten Friedrich Engels zum Freund hatte, der ihn wirtschaftlich aushielt. Weiterlesen

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Josef Bordat: Von Ablasshandel bis Zölibat. Das Sündenregister der katholischen Kirche

In vielen Diskussionen und Medien werden falsche Klischees gegen die katholische Kirche vorgebracht, denen kaum widersprochen wird, weil es weithin an den notwendigen Kenntnissen fehlt. An den deutschen Hochschulen und Universitäten gibt es ja leider keinen Lehrstuhl für Apologetik. Daher ist das jetzt vorliegende Buch von Josef Bordat ein großer Gewinn, um Abhilfe zu schaffen. Auf den Vorwurf, die Kreuzzüge seien imperialistische Eroberungszüge der Kirche gewesen, fällt vielleicht manchem Katholiken zur Verteidigung noch ein, dass die Kreuzfahrer in Wahrheit zur Verteidigung ihrer Glaubensbrüder in den Orient aufgebrochen sind. Die Christen lebten dort ja schon weit über 700 Jahre weitgehend friedlich, bis sie von den Moslems zunehmend bedrängt wurden. Wenn man dazu die historischen Umstände bedenkt, dass beispielsweise zwischen 476 und 800 in Europa außer dem Papst keine weitere zentrale staatliche Macht existierte, die Recht und Ordnung hätte garantieren können, dann erscheint die Ausweitung der Aufgaben des Papstes schon verständlicher. Der Autor zeigt, wie den Päpsten daher die Aufgabe der Schutzmacht für die bedrohten Christen zugefallen ist. Sie konnten nicht tatenlos zusehen, wie ihre Glaubensbrüder von den Moslems bedrängt wurden. Nur wenn man Geschichte kennt, kann man die Kirche vor ungerechtfertigen Angriffen verteidigen. Schwieriger wird es bei den Anschuldigungen der gewaltsamen Missionierung angeblich guter Heiden oder gar der Inquisition gegen Unschuldige. Auch in diesem Bereich zeigt der Autor, dass die geschichtliche Entwicklung anders verlief, als sie gewöhnlich dargestellt wird. In einer Zeit der weitgehenden Rechtlosigkeit war der Beitrag der Kirche zur Findung eines gangbaren Rechtsweges beachtlich, so dass mancher Klient geradezu danach suchte, von der staatlichen Obhut weg in die kirchliche Obhut zu gelangen. Inquisitio heißt Untersuchung. Eine Anklage musste also erst einmal auf ihre Zulässigkeit untersucht werden. Diesen Vorgang hat die Kirche verdienstvollerweise in die Rechtsgeschichte eingeführt und der Staat hat dies später in Form von Staatsanwaltschaften übernommen. Damit wurde die Willkürlichkeit zurückgedrängt. In 36 Kapiteln zeigt der Autor, dass die Kirche nicht so schuldig geworden ist, wie sie von ihren Gegnern dargestellt wurde und wird. Daher ist diesem Buch eine große Verbreitung zu wünschen. Vor allem der Religionsunterricht könnte von diesem Buch profitieren.

Josef  Bordat: Von Ablasshandel bis Zölibat. Das Sündenregister der katholischen Kirche.  Lepanto Verlag 2017. Seiten 296, ISBN 978-3-942605-16-8. Preis 17;90 Euro 

Eduard Werner

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