Fatima ist noch lange nicht erfüllt. Ein Essay zum hundertsten Jahrestag der ersten Erscheinung

Fatima ist von allen größeren Wallfahrtsorten der Welt der politischste. Zwar hat die Heilsgeschichte immer mit der Geschichte, mit der Versöhnung des Menschen mit Gott als Voraussetzung für Frieden unter den Menschen zu tun und ist insofern politisch im noblen Sinn, als Wirken in und für die Polis, die Gemeinschaft der Menschen. Insofern sind auch alle Wallfahrtsorte politisch. Aber an keinem Ort wird die Gottesmutter so nachhaltig konkret. „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören“. Als Maria das den drei Kindern Lucia, Jacinta und Francisco sagt, die vermutlich gar nicht wussten, was Russland ist, geschweige denn wo es liegt, ist Lenin schon einige Monate in Russland, es beginnt der Bürgerkrieg, der mit der Machtergreifung der Kommunisten endet. Und mit dieser Machtergreifung beginnen „Kriege und Kirchenverfolgungen“. Weiterlesen

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Ehe und Familie – Garant der Gesellschaft

Gott ist die Liebe. Liebe ist Eintracht und Ordnung, von Anfang an tragender Grund und schützende Lebensdynamik der Schöpfung. „Gott schuf den Menschen nach Seinem Bilde. Als Mann und Frau schuf Er sie.“ (Gen 1,27) Gleichklang und Verschiedenheit ihrer geschlechtsspezifischen Sexualität ermöglichen Mann und Frau wechselseitig geistige, psychische und physische Ergänzung sowie Einswerdung. Dies ist ein Geschenk des Schöpfers von Himmel und Erde. Alle harmonisierende Kraft entströmt Seiner Liebe. Gottes Schöpfungssinn bestimmte die zweigeschlechtliche Zuordnung und Ergänzung zwischen Mann und Frau als für deren Wesen unerlässlich. Dies wird heute oft als fortschrittshemmende Vorstellung einer „überkommenen Rollenfestschreibung“ abgelehnt. Vielmehr, so sagt man, sei es höchste Zeit umzudenken und sich zu „emanzipieren“. Tatsächlich aber kann nach dem Schöpfungsplan Gottes das Glück von Mann und Frau nur in der Sinnerfüllung ihres ehelichen Bundes liegen.
Doch gerade dies stößt im heutigen „Kampf der Geschlechter‘ auf Empörung. Stattdessen arbeitet eine gezielt geplante und bewährte Zersetzungstaktik gegen die Kernsubstanz einer gesunden Familie. Wer „modern“ sein will, schwimmt auf der als „wissenschaftlich getarnten „Aufklärungswelle“ mit. Zunächst wird die menschliche Sexualität ihres von Gott integrierten Sinnes entleert. Dabei aber wird die wahre Liebe zum Spaß orientierten Selbstzweck sexueller Lustbefriedigung umfunktioniert. Man tut, was man will, ohne die eheliche Liebe mit der Liebe Gottes zu fundieren und zu schützen. Weiterlesen

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Johannes Eck

Auch in der Erinnerung an die Reformationszeit geht es um Wahrheit. Berichte über die Reformation oder über Martin Luther, nur der Ökumene wegen mit positiven Vorzeichen zu versehen, wird dieser Forderung nicht gerecht.
In der damaligen Auseinandersetzung hatte Luther einen katholischen Gegenspieler, der zugleich ein Reformer der Kirche war, und der gerade in diesem Jahr erwähnt werden muss: Johannes Eck. Er wurde 1486 im schwäbischen Eck an der Günz geboren. Eck war Professor der Theologie an der bayerischen Landesuniversität in Ingolstadt.
Eck verfasste 1517 eine Stellungnahme mit 18 Punkten zu den 95 Ablassthesen Luthers. Das war der Beginn seiner Auseinandersetzung mit ihm. 1519 kam es zur bekannten Disputation in Leipzig zwischen Eck und Luther. Themen waren der Primat des Papstes und die rechte Auslegung der Heiligen Schrift. „Während Luther mit Berufung auf Paulus nur Christus – und nicht Petrus – als Haupt der Kirche ansah (1,Kor 1,12), argumentierte Eck mit Mt 16,18. ‚Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen‘“. Eck bekräftigte seine Aussage mit dem Zeugnis von Kirchenlehrern, Dekreten von Päpsten und Konzilsentscheidungen. Luther ließ sich davon nicht überzeugen. Er blieb bei seiner Behauptung, das Petrusamt sei nicht von Jesus Christus eingesetzt. So stand bereits in Leipzig das protestantische „Sola-Skriptura-Prinzip“ (die Heilige Schrift allein) der katholischen Einheit von Schrift und Tradition unversöhnlich gegenüber. „Die Kirche war für ihn (Eck) notwendig, um die Schrift in rechter Weise auszulegen“. Luther musste zugeben, dass „die Schrift nicht immer eindeutig sei“. „In Leipzig wurden die Fronten geklärt“. Eck kommt nach dem katholischen Kirchenhistoriker Erwin Iserlohn das Verdienst zu, „angesichts der dogmatischen Unklarheit seiner Zeit deutlich gemacht zu haben, dass Luther nicht Reform, sondern Angriff auf die Struktur der Kirche bedeutete“. Weiterlesen

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… und hätte die Liebe nicht …

Der heilige Paulus zeigt uns im dreizehnten Kapitel des ersten Korintherbriefes einen Weg, der alle anderen Wege übersteigt – den Weg der Liebe. Die Liebe ist das Wesen des dreifaltigen Gottes (1 Joh 4,8.16), der die Welt so sehr geliebt hat, dass der Sohn sich für uns am Kreuz dahingab (Joh 3,16), weil Er uns zuerst geliebt hat (1 Joh 4,19). Durch diese Hingabe werden wir Kinder Gottes (1 Joh 3,1) im Heiligen Geist, der in unsere Herzen ausgegossen ist (Röm 5,5), damit wir Ihn und die Nächsten lieben können (Mt 22,37-40). Die Nächstenliebe ist der Beweis der Gottesliebe und schließt die Feindesliebe mit ein (Mt 5,43-48). Der Vater liebt den Sohn und der Sohn liebt den Vater (Eph 1,6) im Heiligen Geist und diese drei sind eins. Der dreieinige Gott liebt die Menschen (Joh 1,13), für die sich der ewige Sohn hingibt.
Wir wollen nun die schönen Verse im dreizehnten Kapitel des ersten Korintherbriefes der Reihe nach betrachten und sie in unserem Leben in die Tat umsetzen.
Alle Sprachen, jegliche Prophetengabe und sogar der Glaube, der Berge versetzen kann, sind ohne die Liebe nichts (1 Kor 13,1f). Der Glaube, das heißt das Vertrauen in Gott und seine Offenbarung, die Er uns durch Mose, die Propheten und vor allem durch seinen Sohn Jesus Christus geschenkt hat, ist eine wesentliche Säule unseres Lebens, bedarf aber notwendigerweise der Liebe, die sich an den dreifaltigen Gott und die Menschen selbstlos verschenkt. Weiterlesen

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„Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“ – Gedanken zum Marienmonat

Für die einen eine große Hilfe, um zum Glauben zu kommen oder um in ihm zu leben, für andere wiederum eine Frömmigkeitsform, bei der man auf Distanz geht. An der Marienfröm­migkeit scheiden sich – auch innerkirchlich – die Geister.  Droht sie den Blick auf Christus zu verstellen, sodass ihm nicht mehr die Ehre zukommt, die ihm gebührt, oder hat sie einen nicht nur legitimen, sondern auch wichtigen Platz in der Glaubenspraxis?
In der Tat braucht Marienfrömmigkeit und –verehrung einen tieferen theologischen Grund, wenngleich auch ihre Früchte augenscheinlich sind. Über die Gottesmutter sind eben schon viele zu Gott gekommen, und auch ich persönlich erlebe gerade im ländlichen Raum bei jungen Familien und vor allem bei Kindern Glaubensfreude beim Besuch von  Maialtären und bei Marienwallfahrten.
Es ist interessant, dass es beim Zweiten Vatikanischen Konzil eine kontroverse Diskussion um die Marienfrömmigkeit gab. Papst Benedikt XVI. hat im Jahr 1979 – noch als Kardinal Ratzinger – in einem Aufsatz darauf aufmerksam gemacht. Zwei  Strömungen standen gegeneinander  – die eine, die aus der liturgischen Bewegung gespeist war, stark christuszentriert und mehr vom Kopf her bestimmt, die andere, die gerade von den vielen Marienerscheinungen des 19. und beginnenden 20. Jahrhundert beeinflusst war und vor allem für einen Glauben stand, der mehr vom Gemüt her kam.
Das Konzil fand eine Antwort in der Verehrung von Maria als Mutter der Glaubenden, als Mutter der Kirche. Die Gottesmutter ist im Grunde das menschliche Musterbeispiel für den Glauben an Christus, der aber in ihr auf ganz besondere Weise konkret wird – nämlich dadurch, dass sie ja durch ihr „Ja“ zur Mutterschaft Jesu in das Erlösungsgeschehen eingebunden war. Was wäre geschehen, hätte sie dem Engel Gabriel bei der Verkündigung „Nein“ gesagt? Es wäre ihr viel erspart geblieben – bis hin zu der Erfahrung, ihren toten Sohn in den Armen zu halten. Aber auch Schönes hätte sie nicht erleben können, vor allem dass ihr nach Ostern die Erfahrung geschenkt war, dass ihr Sohn  nun, auferstanden, zur Rechten seines göttlichen Vaters sitzt. Maria hat durch ihr „Ja“ Heilsgeschichte geschrieben, weil sie persönlich „Ja“ zum Auftrag des Engels gesagt hat – und das zeigt, dass es Gott immer auch um das freiwillige „Ja“ des Menschen geht, wenn er unter und für die Menschen  wirken will. Gott handelt nicht ohne dieses „Ja“.
Doch schauen wir uns Marias „Ja“ genauer an: Ein echtes „Ja“ sage ich dann, wenn ich etwas ganz und gar für richtig halte. Auch wenn Maria nicht alles verstanden hat, was da durch die Verheissung des Engels auf sie zukam, so hat sie doch aus Überzeugung und ehrlichen Herzens zugestimmt. Sie glaubte einfach diesem Gott, von dessen Güte und absoluter Weisheit – er weiß, schon was richtig ist – sie überzeugt war. Und genau dadurch wird sie auch zum Urbild des glaubenden Menschen, zum Urbild der Kirche. Denn die Kirche ist immer auch Empfangende und nimmt so Christus auf, ähnlich wie auch Maria das Wort Gottes aufgenommen hat und dadurch von diesem Gott ausersehen wurde, das göttliche Kind in ihrem Mutterschoß wachsen zu lassen. Weiterlesen

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Albert Coppenrath – ein konsequenter Priester

Während die Priester, die unter dem Nationalsozialismus und unter dem Kommunismus sterben mussten, als Märtyrer im Martyrologium des 20. Jahrhunderts „Zeugen für Christus“dokumentiert sind, sind die überlebenden Helden dieser Katastrophe heute weithin vergessen. Zu diesen vergessenen Helden gehört auch der Münsteraner Pfarrer Albert Coppenrath (1883 – 1960). Als Spross der berühmten Verlegerfamilie Coppenrath wuchs er von Kindheit an in die katholisch geprägte Umwelt Westfalens hinein. Nach dem Abitur studierte er in Innsbruck Theologie und wurde 1908 in Münster zum Priester geweiht. Nach mehreren Kaplansjahren kam er 1929 an die Kirche St. Matthias in Berlin, um dort als Nachfolger seines berühmten Vorgängers Clemens August Graf von Galen zu wirken. Um als Seelsorger alle Gemeindemitglieder ansprechen zu können, gab er sich zunächst als politisch neutral. Aber schon in der zweiten Jahreshälfte 1933 musste er in seinen Kanzelvermeldungen und Predigten gegen Übergriffe der Nationalsozialisten protestieren. Coppenrath kritisierte die Politik der Hitler-Jugend und die Rassenpolitik Alfred Rosenbergs. Die Folgen waren ständige Überwachung, Hausdurchsuchungen und Polizeiverhöre. Dramatisch gestaltete sich seine Situation, als anlässlich des angeblichen Röhm-Putsches am 30. Juni 1934 in Deutschland weit über 100 Personen im Auftrag des NS-Regimes ermordet wurden. Unter den Toten war auch der Berliner Katholikenführer Ministerialdirektor Dr. Erich Klausener, der in Coppenraths Pfarrei lebte und dort auch ehrenamtlich Verwaltungsaufgaben wahrnahm. Als die Nachricht vom Tod Klauseners eintraf, eilte Pfarrer Coppenrath sofort mit Frau Klausener in das Verkehrsministerium, wo die Leiche lag. Die Polizei verweigerte dem Priester und der Witwe nicht nur den Zutritt ins Büro, sie bedrohte sogar den Priester und die Witwe und streuten gleich das Gerücht aus, Klausener habe Selbstmord verübt. Dagegen protestierte Pfarrer Coppenrath und nannte die Selbstmordversion der Polizei eine Lüge, obwohl sehr rasch auch Adolf Hitler die Selbstmordversion verbreitete. Diese falsche Darstellung des Reichskanzlers Hitler öffentlich eine Lüge zu nennen, war gefährlich. Es ist erstaunlich, dass Pfarrer Coppenrath in diesem ständigen Nervenkrieg mit den National­sozialisten nur kürzere Gefängnisaufenthalte verbüßen musste und der Vernichtung in einem KZ doch entging. Andere Priester kamen schon für „harmlosere Äußerungen“ ins KZ. Den Spitzeln, die im Auftrag der Polizei seine Predigten heimlich mitschrieben, sagte er ganz offen: „Ich will Euch die mühevolle Sonntagsarbeit ersparen. Ihr könnt meine Texte für zehn Pfennig kaufen. Dieses Geld kommt der Armenfürsorge zugute.
Erst am 21. Februar 1941 verfügte das Reichssicherheitshauptamt ein Aufenthaltsverbot für Coppenrath auf dem Gebiet des Bistums Berlin. Coppenrath kam schließlich als Seelsorger an das St. Rochus-Hospital im westfälischen Wallfahrtsort Telgte, wo er bis zu seinem Tod 1960 blieb. In Telgte war Coppenrath auch schriftstellerisch tätig. U.a. veröffentlichte er das Buch: „Meine Kanzelvermeldungen und Erlebnisse im Dritten Reich“. In dieser bedrohlichen NS-Zeit schenkte Gott der Kirche Priester mit außergewöhnlicher Klugheit, Tapferkeit und Glaubenstreue. Dieser Einsatz unter steter Lebensgefahr verdient unser dankbares Gedenken.

Eduard Werner

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Hier müssen wir auf die Barrikaden!

In Trient/Italien hat ein Richter zwei homosexuelle Männer als Eltern von Zwillingen anerkannt. Die Zwillinge wurden von einer Leihmutter ausgetragen. „Aus Gründen der Klugheit“, damit die Leihmutter aufgrund aufkommender mütterlicher Gefühle nicht zusätzliche Ansprüche stellte, haben die als Eltern akzeptierten Männer die Eizellen nicht von der Frau genommen, die das Kind austrug sondern von einer anderen Frau dazugekauft. Die beiden Männer wollten so sicherstellen, dass das ausgetragene Kind ihr Eigentum würde.
Dieser Vorgang geschieht zu einem Zeitpunkt, in dem Gewalt gegen Frauen angeprangert wird. Was aber hier geschieht, bekommt eine neue „Qualität“ der Herabwürdigung der Frau. Es ist eine neue Form der Versklavung von Frau und Kind. War bisher der Verkauf des fraulichen Körpers auf Prostitution und sexuelle Zurschaustellung beschränkt, so erstreckt er sich in der Leihmutterschaft auf das Innere des Körpers, nämlich auf die Gebärmutter und die Zeit der neunmonatigen Schwangerschaft. Wurde schon bisher die Verantwortung und Schuld für Abtreibung hauptsächlich der Frau aufgebürdet, so kommt nach dem Motto „freiwillig und bezahlt“ eine zusätzliche Form von Versklavung hinzu. In Italien gibt es noch kein Gesetz, das die Leihmutterschaft regelt. In der EU-Kommission gibt es Bestrebungen, die Leihmutterschaft zu legalisieren.
Wie die Frauenrechtlerin Lucetta Scaraffia im „Osservatore Romano“ (10. März 2017, Nr. 10, spanische Ausgabe) schreibt, wird in Italien nun heftig darüber diskutiert, ob man diese Richterentscheidung als unvermeidlich im Sinne des menschlichen Fortschritts hinnehmen soll, weil eine kritische Haltung dagegen als Zeichen eines absurden Widerstandes gegen die moderne Zeit interpretiert würde. Es sei ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis jede denkbare Form der Vaterschaft realisiert sei. Diese schließe Leihmutterschaft und die Akzeptanz von zwei Personen gleichen Geschlechts als Eltern ein. Weiterlesen

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Zum Zustand der katholischen Kirche in Deutschland

Die derzeitige Situation der Kirche in Deutschland ist recht präzise im Papier beschrieben, das am Ende des letzten Ad-Limina-Besuchs der Deutschen Bischöfe in Rom verteilt wurde. Jeder, der mit der Kirche mit lebt, wird es kennen. Zweifellos kam durch die Frage der richtigen Interpretation von Amoris Laetitia zusätzliche Verwirrung, auch unter loyale lehramtstreue Katholiken. Das Ergebnis ist eine babylonische Sprachverwirrung.
Die Gläubigen erleben nicht nur unterschiedliche Interpretationen von Amoris Laetitia unter Theologen, sondern auch zwischen den Hirten und den verschiedenen Bischofskonferenzen. Martin Mosebach sagt dazu: „Heute wirft der Papst Streitfragen auf, lehnt es aber ab, über sie eine Entscheidung herbeizuführen.“ Der Papst ist aber als Pontifex, d.h. als Brückenbauer für die Einheit der Kirche verantwortlich. Sie driftet auseinander.
Konservative Katholiken rebellieren nicht. Anfragen um Klarstellung sind keine Rebellion. Wenn sie aber ohne Antwort bleiben, führt das zu Frustration. Die lähmt aber, nimmt die Freude an der Arbeit für die Kirche und die Bereitschaft für sie zu kämpfen. Wer nicht mehr weiß, ob er selber noch richtig tickt und wie heute ein papstloyaler Katholik aussieht, fühlt sich von seiner Kirche verlassen. Er ist gezwungen, selber alle Entscheidungen in die Hand zu nehmen. Der Hinweis auf das Gewissen als letzte Instanz ist in vielen Fällen nicht hilfreich, weil das geforderte „gebildete“ Gewissen, aufgrund des Zusammenbruchs der Katechese, vielfach nicht gegeben ist. Im Übrigen erwarten die Gläubigen von ihren Hirten zurecht eine klare und präzise Orientierung. Neben der „sachlichen“ Seite kommt ein Weiteres hinzu. Papst und Bischöfe sind in den Augen Gläubiger nicht nur Gesetzgeber. Die Beziehung zu ihnen hat für sie auch eine emotionale Seite. Auch, wenn der Papst den Titel „Diener der Diener Gottes“ führt, ist er für Gläubige der Stellvertreter Christi, den man wertschätzen, ja lieben möchte. Die sich ausbreitende Frustration und Enttäuschung, auch bei loyalen Katholiken, führt dazu, dass die Stärken des Papstes, z.B. sein Eintreten für die Schwachen und sozial Abgehängten, nicht mehr wahrgenommen wird. Das wäre aber eine Katastrophe. Die Auflösung kommt nicht durch Verfolgung der Kirche von außen, sondern aus dem Inneren.

Hubert Gindert

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Relativismus pur

Der Jesuitenorden war einmal eine Bastion des Papsttums und der Kirche, beseelt von einem „asketischen und kämpferischen Geist“ (Roberto de Mattei). Deshalb richtete sich der Kampf der Kirchengegner besonders gegen sie. Das ist lange her. Was aber der amtierende Generalobere des Jesuitenordens der Venezolaner-P. Arthuro Sosa SJ fordert, geht über das bisher Bekannte hinaus, wie einige Passagen aus dem Interview des Schweizer Journalisten Giuseppe Rusconi im Blog „Rossoporpora“ mit Pater Sosa zeigen (abgedruckt im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt SKS 5/2017, S.11).
Rusconi: „Kardinal Gerhard Müller, der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, sagte bezüglich der Ehe, dass die Worte Jesu eindeutig sind, und «keine Macht im Himmel und auf Erden, weder ein Engel noch der Papst, weder ein Konzil noch ein Gesetz der Bischöfe, die Vollmacht hat, sie zu ändern».
Arturo Sosa: „Zunächst müsste man eine schöne Überlegung darüber beginnen, was Jesus wirklich gesagt hat. Zu jener Zeit hatte niemand ein Aufnahmegerät, um die Worte festzuhalten. Was man weiß, ist, dass die Worte Jesu in den Kontext zu stellen sind. Sie sind in einer bestimmten Sprache, in einem bestimmten Umfeld gesagt worden, sie sind an jemand Bestimmten gerichtet.“
Rusconi: „Ja, aber, wenn alle Worte Jesu zu überprüfen und auf ihren historischen Kontext zurückzuführen sind, dann haben sie keinen absoluten Wert.“
Arturo Sosa: „In den vergangenen hundert Jahren gab es in der Kirche eine große Blüte von Studien, die versuchen, exakt zu verstehen, was Jesus sagen wollte … Das ist nicht Relativismus, aber belegt, dass das Wort relativ ist, das Evangelium ist von Menschen geschrieben, es ist von der Kirche anerkannt, die aus Menschen gemacht ist … Daher ist es wahr, dass niemand das Wort Jesu ändern kann, aber man muss wissen, welches eines ist! […]“
Rusconi: „Aber die Letztentscheidung gründet sich dann auf ein Urteil zu verschiedenen Hypothesen. Ziehen Sie also auch die Hypothese in Betracht, dass der Satz «Der Mensch darf nicht trennen …» nicht exakt das ist, was er scheint? Kurzum, bezweifeln Sie das Wort Jesu?“
Arturo Sosa: „Nicht das Wort Jesu selber, aber das Wort Jesu, wie wir es interpretiert haben. Die Unterscheidung wählt nicht unter verschiedenen Hypothesen, sondern ist bereit, auf den Heiligen Geist zu hören, der – wie Jesus verheißen hat – uns hilft, die Zeichen der Gegenwart Gottes in der Geschichte der Menschen zu verstehen.“
Bei diesem Relativismus des Generaloberen der Jesuiten, kommen einem unwillkürlich die Worte Jesu in den Sinn: „Wird der Herr noch Glauben finden, wenn er wiederkommt?“ (Lk 18,8).

Hubert Gindert

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Dem angemaßten Machtanspruch widerstehen!

Mühsam hat sich die Zivilgesellschaft zum Grundsatz durchgerungen: Selbst rechtskräfig Verurteilte sollen eine zweite Chance bekommen und resozialisiert werden. Nach verbüßter Strafe dürfen sie nicht mehr als Kriminelle behandelt werden. Das gilt für kleine Ganoven, ebenso wie für Steuerhinterzieher im großen Stil.
Die Kirche kannte die Rehabilitierung seit Jesus, der Sünder mit dem Spruch: „Gehe hin und sündige nicht mehr!“ in ein neues Leben entlassen hat. Was die Kirche fordert, sind Einsicht, Reue und Wiedergutmachung des Schadens, als Zeichen dafür, dass man auf den rechten Weg zurückzukehrt.
Wer eine zweite Chance verweigert, schließt Resozialisierung und damit die Möglichkeit aus, die Fähigkeiten zu entfalten: Es ist so, wie wenn ein Künstler keine Werke mehr schaffen darf oder ein Literat Schreibverbot bekommt. Insofern kommt das Urteil eines Journalisten: XY „hat sich dauerhaft disqualifiziert“ einer Art Todesurteil gleich. Ist das nicht Anmaßung? Weiterlesen

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