Johannes Paul II.: Schutzpatron der Kirche

Da Pius IX. in schwieriger Zeit die Kirche dem besonderen Schutz des heiligen Patriarchen Josef anvertrauen wollte, erklärte er ihn zum »Patron der katholischen Kirche«.(42) Der Papst wußte, dass er damit nicht eine weit hergeholte Geste vollzog, denn aufgrund der herausragenden Würde, die Gott diesem treuen Diener gewährt hatte, »hielt die Kirche nach der seligen Jungfrau, seiner Frau, stets den heiligen Josef hoch in Ehren und bedachte ihn mit Lob und wandte sich vorzugsweise in ihren Bedrängnissen an ihn«. (43)
Welches sind die Gründe für so großes Vertrauen? Leo XIII. legt sie, wie folgt, dar: »Die Gründe dafür, dass der heilige Josef als besonderer Patron der Kirche angesehen werden und die Kirche ihrerseits sich von seinem Schutz und Beistand sehr viel erwarten darf, rühren hauptsächlich daher, dass er der Mann Mariens und vermeintliche Vater Jesu ist… Josef war zu seiner Zeit rechtmäßiger und natürlicher Hüter, Haupt und Verteidiger der göttlichen Familie … Es ist daher für den heiligen Josef angebracht und seiner höchst würdig, dass er so, wie er einst die Familie von Nazaret in allen Belangen heiligmäßig zu beschützen gewohnt war, jetzt die Kirche Christi mit seinem himmlischen Beistand beschützt und verteidigt«. (44)
Dieser Schutz muss erfleht werden; die Kirche braucht ihn immer noch, nicht nur zur Verteidigung gegen die aufkommenden Gefahren, sondern auch und vor allem zur Stärkung ihrer erneuten Anstrengung für die Evangelisierung der Welt und für die Neuevangelisierung in jenen »Ländern und Nationen – wie ich im Apostolischen Schreiben Christifideles laici festgestellt habe -, in denen früher Religion und christliches Leben blühte… und die nun harte Proben durchmachen«.(45) Um die erste Botschaft von Christus zu bringen oder um sie neu zu verkünden, wo sie vernachlässigt wurde oder in Vergessenheit geriet, braucht die Kirche eine besondere »Gnade von oben« (vgl. Lk 24, 49; Apg 1, 8), gewiß ein Geschenk des Geistes des Herrn und verbunden mit der Fürsprache und dem Beispiel seiner Heiligen.
Außer in den sicheren Schutz vertraut die Kirche auch in das herausragende Beispiel des hl. Josef, ein Beispiel, das über die einzelnen Lebenslagen hinausgeht und sich der ganzen Kirche anbietet, in welcher Situation auch immer sie sich befindet und welches die Aufgaben jedes einzelnen Gläubigen sind.
Wie es in der Konstitution des II. Vatikanischen Konzils über die göttliche Offenbarung heißt, muss die Grundhaltung der ganzen Kirche sein, »Gottes Wort voll Ehrfurcht zu hören«,(46) das heißt die absolute Bereitschaft, dem in Jesus geoffenbarten Heilswillen Gottes in Treue zu dienen. Bereits am Anfang der Erlösung des Menschen finden wir das Vorbild des Gehorsams nach Maria eben in Josef verkörpert, der sich durch die treue Ausführung der Gebote Gottes auszeichnet.
Paul VI. forderte dazu auf, Josef, »wie es die Kirche in letzter Zeit zu tun pflegt«, um seinen Beistand anzurufen, »zunächst durch eine spontane theologische Reflexion über die Verbindung des göttlichen mit dem menschlichen Tun in dem großen Heilsplan, in welchem das erste, nämlich das göttliche, ganz sich selbst genügt, aber das zweite, das menschliche, also unser Tun, obwohl allein zu nichts imstande (vgl. Joh 15,5), niemals einer zwar bescheidenen, aber bedingenden und adelnden Mitwirkung enthoben ist. Außerdem ruft die Kirche den Beschützer aus einem tiefen und höchst aktuellen Verlangen an, ihre irdische Existenz mit wahren evangelischen Tugenden, wie sie im heiligen Josef erstrahlen, wiederzubeleben«. (47) Weiterlesen

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Mit „weiter wie bisher“ hat auch die Ortskirche keine Zukunft.

Nach den vergeblichen Bemühungen, eine Jamaika-Koalition zu schmieden, haben die Unionsparteien im zweiten Anlauf geschafft, mit der SPD eine „große Koalition“ zusammenzubringen. Wichtige Verhandlungsthemen waren die Bürgerversicherung, der Spitzensteuersatz, der Solidaritätszuschlag und die Familienzusammenführung für Flüchtlinge, die keine Aufenthaltsgenehmigung auf Dauer haben.
Ein politischer Neuanfang oder eine Wende sehen anders aus. So existentielle Themen wie die demographische Entwicklung, die sich schon deutlich in unbesetzten Lehrlings- und Facharbeiterstellen zeigt, spielte keine Rolle. Die Zukunftsprobleme unseres Landes, die mit vitalen Familien mit Kindern verknüpft sind, kamen nicht zur Sprache. „Familienzusammenführung“ im Inland, statt forcierter Kitapolitik, die die Mütter möglichst rasch nach der Geburt eines Kindes an den Arbeitsplatz zurückholt und ein Wahlrecht zwischen Kita oder Kostenerstattung für den Betreuungsplatz, waren keine Themen.
Obwohl es der Wirtschaft (noch) gut geht, greift Angst um sich. „German Angst“ ist eine weltweit bekannte Zustandsbeschreibung für die Deutschen. Mit Angst lassen sich aber künftige Krisen nicht bewältigen. Diese Angst hat auch damit zu tun, dass die Kraftquelle einer Gesellschaft, die mit einer religiösen Bindung gegeben ist, versickert, weil der Glaube in unserem Land immer mehr verdunstet. Das erinnert an ein bekanntes Wort, dass Gesellschaft und Politik von Voraussetzungen leben, die sie selber nicht schaffen können. Dafür wären die Kirchen zuständig.
Der geistig-moralische Zustand kann in der deutschen Gesellschaft nicht besser sein als die Situation in der Ortskirche. Es sind zwei Seiten einer Medaille, die wie bei kommunizierenden Röhren ein ähnliches Niveau haben.
Beim Schweigen der Bischöfe – von den bekannten Ausnahmen abgesehen – zu dem seit Jahrzehnten andauernden religiösen Niedergang und den Vorgängen, die ihre Mitsorge für die Gesellschaft betreffen, z.B. zum Schutz des Lebens, zur Abtreibung, zur Gerechtigkeit gegenüber der Familie, zur Gender-Ideologie zeigt sich statt eines Widerspruchs eine erschreckende Anpassung an die Mächtigen dieser Welt. Warum haben die Bischöfe bei der Regierungsbildung nicht kraftvoll die Anliegen der Kirche zum Ausdruck gebracht?
Bischöfe klagen über innerkirchliche Auseinandersetzungen, über Lagerdenken und kontroverse Strömungen. Worüber nicht gesprochen wird, ist, dass es bei solchen Auseinandersetzungen auch um die Wahrheit geht. Selbstverständlich sollen, in einer Zeit großer Verwirrung, die Differenzen im Geist des Aufeinanderhörens ausgetragen werden. Aber es müssen die Dinge noch beim Namen genannt werden, wie Weihbischof Athanasius Schneider kürzlich in einem Interview mit der Tagespost (11. Januar 2018) im Zusammenhang mit „Amoris Laetitia“ deutlich gemacht hat. Denn viele Katholiken wissen nicht mehr, was noch gilt, und fühlen sich inzwischen in der eigenen Kirche heimatlos. Schließlich: jede Gemeinschaft, auch die Kirche, braucht Mindeststrukturen. Wenn sie aber zum Hindernis für einen Neuaufbruch im Glauben werden, sind Reformen überfällig. Mit „weiter wie bisher“ hat die Ortskirche keine Zukunft.

Hubert Gindert

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„Wir haben verstanden!“ Kommentar zum Nachruf „Ein widerspenstiger Kardinal“ in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ) vom 12. März 2018

Ein römisches Sprichwort heißt „über Tote soll man nichts, es sei denn Gutes sagen“ (De mortuis nihil nisi bene). Das kann aber nicht mehr gelten, wenn ein Nachruf dazu instrumentalisiert wird, um z.B. eine bestimmte Kirchenpolitik zu forcieren. Das geschieht im Artikel in der Augsburger Allgemeinen AZ vom 12.03.2018 unter der Überschrift „Ein widerspenstiger Kardinal“. In einem solchen Fall, sind einige Aussagen zurechtzurücken.
Der Nachruf auf Karl Kardinal Lehmann beginnt wie folgt „Seine bitterste Stunde war am 9. Juli 1999: Papst Johannes Paul II.
hatte dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz in einem Brief ziemlich unmissverständlich nahegelegt, aus der Schwangerenkonfliktberatung mit ergebnisoffenem Verlauf auszusteigen.“ Der Schreiber unterschlägt, dass Lehmann am 10. Juni 1992 gewarnt hatte, die katholischen Beratungsstellen könnten sich „nicht in ein Verfahren einbinden lassen, das die Ausstellung einer Beratungsbescheinigung zu einer wesentlichen Voraussetzung für die straffreie Tötung eines ungeborenen Menschen macht“. (Presseinformationen der Dt. Bischofskonferenz vom 10.06.1992, Nr. 6). Im September 1995 wurde die „rechtswidrige aber straffreie“ Abtreibungsregelung eingeführt. Dieser Regelung hat der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz zugestimmt.
Zur Erinnerung: Das 2. Vatikanische Konzil erklärt: „Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuungswürdige Verbrechen“ (GS 51,3). Wie passt dazu der von Lehmann in der AZ zitierte Satz: „Ich könnte mich gar nicht denken ohne das Konzil. Ich identifiziere mich mit meiner ganzen priesterlichen Existenz und in der Ausrichtung meines Dienstes daran“. Das Kirchenrecht sagt: „Wer eine Abtreibung vornimmt, zieht sich mit erfolgter Ausführung die Tatstrafe der Exkommunikation zu“ (CIC, can. 1398).
Papst Johannes Paul II. hat die Bischöfe von 1995 bis 1999 viermal vergeblich gebeten, aus der Schwangerenkonfliktberatung mit Erteilung des Beratungsscheins auszusteigen.
Die AZ schreibt: „Die Katholische Kirche stieg aus der Schwangerenkonfliktberatung aus, weil sie von ihren strengen Gegnern als Beihilfe zur Tötung unschuldigen Lebens eingestuft wurde“. Dies ist der inzwischen häufig praktizierte Versuch, die „Emotionstaste“ („Strenge“ Gegner) zu drücken, wenn „Gegner“ abqualifiziert werden sollen.
Weiter zu Kardinal Lehmann heißt es: „An seiner Loyalität am römischen Leitungsamt ließ er keinen Zweifel“… Wie reimt sich aber darauf des Schreibers Aussage im o.a. Artikel: „Zwölf Tage ging Bischof Karl Lehmann mit dem Dokument aus dem Vatikan schwanger, ehe er die entscheidende Sitzung… in Würzburg eröffnen konnte. Zwölf Tage, in denen er Weichen stellte und Rat einholte… Denn was Lehmann als Stellungnahme der deutschen Bischöfe zum Papstbrief ersonnen hatte, sollte jedem Einwand standhalten“. Als das nichts nützte, kommentierte Lehmann das „Machtwort“ des Papstes so: „Wir haben gekämpft und wir haben verloren“. Sieht so „Loyalität zum römischen Lehramt“ aus?
Die AZ weiter: „Lehmann ging es in seinem theologischen Denken und kirchenpolitischen Handeln immer darum, wie eine den Menschen in ihren verschiedenen Lebenssituationen dienliche und zugleich ihrer Tradition verpflichtete Kirche aussehen kann. Nie verheimlichte er, dass er sich bei den großen Streitthemen wie dem Zölibat der Priester und der Rolle von Frauen größere Veränderungen wünschte „…
Die AZ weiß offensichtlich nicht, dass der Kardinal sich in seinem Interviewbuch „Es ist Zeit von Gott zu reden“ negativ über die feministische Theologie geäußert hatte und in einem Fernsehinterview, in dem er nach einem Widerstand gegen die päpstliche Anordnung gefragt wurde, geantwortet hatte: „Wenn ich mich dem Papst widersetze, bin ich kein katholischer Bischof mehr.“
Die Überschrift des Artikels „Ein widerspenstiger Kardinal“ kann man auch als eine Aufforderung verstehen. Der Nachruf auf Kardinal Lehmann eignet sich um z.B. der Initiative „Donum Vite“ beizuspringen, den Zugang der Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, der Veränderung des Zölibats und „Streitthemen“, wie dem Kommunionempfang Wiederverheirateter oder Nichtkatholiken in konfessionsverschiedenen Ehen den Weg zu öffnen. Wir haben die Botschaft verstanden!
Aber wir als Forum Deutscher Katholiken bitten alle unsere Freunde, für Karl Kardinal Lehmann zu beten; denn wie Papst Franziskus fast täglich gesteht, dass er ein Sünder ist und um unser Gebet bittet, so wollen auch wir die Hände falten und für den Menschen, den Priester, den Bischof und den Kardinal Karl Lehmann beten. Möge er im ewigen Frieden Gottes ruhen.

Hubert Gindert und das Team des Forums Deutscher Katholiken

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Liebende Ganzhingabe in der Nachfolge Jesu Christi – der Zölibat

Die Sadduzäer glaubten nicht an die Auferstehung und das Ewige Leben. Sie wollten Jesus eine Falle stellen. Sie fragten den Herrn, mit wem eine Frau, die gemäß dem mosaischen Gesetz nach dem Tod ihres Mannes dessen Bruder heiratet und nach dessen Tod wiederum den nächsten Bruder usw. (Mt 22,23ff), im Himmel denn verheiratet sei. Jesus betont in seiner Antwort die Macht Gottes, der ein Gott der Lebenden ist und dass die Menschen nach der Auferstehung nicht mehr heiraten werden, sondern wie die Engel leben. Der Hauptzweck der von Gott eingesetzten Ehe ist in Liebe Kinder zu haben und diese zu Gott zu führen. Somit ist der Zölibat der Verzicht auf etwas Gutes – das Schlechte müssen wir sowieso als Sünde meiden. Der Zölibat erschöpft sich aber nicht im Verzicht, sondern ist auf Gott, die unendliche Liebe, ausgerichtet und weist auf das Ewige Leben hin: „Denn nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein wie die Engel im Himmel“ (Mt 22,30). Der verheiratete Petrus fragte Jesus: „’Du weißt, wir haben unser Eigentum verlassen und sind Dir nachgefolgt.’ Jesus antwortete ihnen: ‚Amen, ich sage euch: Jeder, der um des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlassen hat, wird dafür schon in dieser Zeit das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das Ewige Leben’“ (Lk 18,28ff). Diejenigen Apostel, die verheiratet waren, haben demnach ihre Frauen (und Kinder), die in der Großfamilie versorgt waren, um Jesu willen verlassen.
Paulus stellt die Sorge um das Reich Gottes über eine Familie und schreibt, dass man nicht gleichzeitig zwei Herren dienen kann (1 Kor 7,26-35). Die ehelos lebenden Kleriker wählen Jesus, der selbst unverheiratet war, als den Bräutigam ihrer Seele (Mt 2,18ff), in dessen Nachfolge sie gerufen sind. Ihre ganze Sorge gilt nach dem Vorbild des Herrn dem Reich Gottes. Wenn Paulus schreibt, dass der künftige Bischof und Diakon nur Mann einer Frau gewesen sein darf (1 Tim 3,2.12; Tit 1,6) so spricht er nicht über die Vielweiberei, die sowieso den Gesetzen Gottes widerspricht, sondern lässt nur solche Kandidaten für die heiligen Weihen zu, die nur einmal verheiratet waren und wie die Apostel ihre Ehefrau um Jesu willen verlassen haben. Frau und Kinder mussten versorgt sein, das war selbstverständlich und entsprach dem Liebesgebot. Weiterlesen

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Nicht vorzeitig in die Katakomben gehen

Wir leben (noch) in einer freien Gesellschaft mit Meinungs- und Redefreiheit, die uns die Verfassung garantiert.
Natürlich gibt es Gegenwind, wenn z.B. Zeitungen in einer Selbstzensur Vorgänge, die dem vorherrschenden Mainstream entgegenstehen, verschweigen, wenn Medien die Regierung nicht mehr kontrollieren, wenn Rechtsbrüche der Regierung, z.B. bei der Masseneinwanderung 2015, unerwähnt bleiben.
Aber es gibt, wie nie zuvor, die Möglichkeit seine Meinung in den sozialen Netzwerken zu äußern. Vor die Frage gestellt, ob Hassrede oder Verleumdung notfalls drastisch geahndet werden sollten oder die Meinungsfreiheit eingeschränkt werden sollte, müssen sich die Freunde der Freiheit für drakonische Strafen aussprechen, vorausgesetzt, dass klar definiert ist, was Hassrede oder Verleumdung ist.
Eines muss klar sein, wer in den sozialen Netzwerken schreibt, der urteilt. Das ist das gute Recht in einer freien Gesellschaft. Wer über Sachverhalte oder Personen schreibt, sollte seine Meinung begründen und belegen können und mit vollem Namen dafür gerade stehen. Wer mit einem Pseudonym arbeitet – von Anonymität wollen wir nicht reden – scheut eine offenen Auseinandersetzung.
Arthur Schopenhauer stammt aus einer anderen Zeit. Aber ist deswegen falsch, was er in seiner Schrift „Über Schriftstellerei und Stil“ anführt (Seite 18)? „Ein offener, dem Gesicht sich stellender Gegner ist ein ehrlicher, gemäßigter, einer mit dem man sich verständigen, vertragen, aussöhnen kann; ein versteckter hingegen ist ein niederträchtiger, feiger Schuft, der nicht so viel Herz hat, sich zu dem zu bekennen, was er urteilt“ …
Man mag diese Aussage für hart halten. Aber mit einem Pseudonym zu kämpfen ist, wie wenn einer in den Untergrund geht, wenn die bürgerlichen Freiheiten in der offenen Arena zu verteidigen sind.

Hubert Gindert

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Unsere Kultur neu entdecken und wertschätzen!

Zuerst eine alte Geschichte:
Im Jahr 476 n.Chr. hat der germanische Söldnerführer Odoaker den letzten römischen Kaiser Romulus Augustulus abgesetzt. Damit endete die letzte Epoche des Weströmischen Kaiserreichs. Odoaker verlangte vom römischen Senat, dass die kaiserlichen Insignien nach Byzanz, d.h. nach Ostrom, geschickt wurden. Das war das Zeichen des auch formalen Endes einer 800jährigen ruhmreichen Vergangenheit, in der Rom Hauptstadt (caput mundi) des Römischen Weltreichs war.
Der Senat, der sich noch immer versammelte, um die Entscheidungen des jeweiligen Machthabers formal abzusegnen, betrachtete den Vorgang als einen gewöhnlichen Verwaltungsakt. Ein solches Verhalten der Senatoren gegenüber einem welthistorischen Vorgang ist bezeichnend. War doch der Römische Senat jene Einrichtung, welche die Autorität des Römischen Weltreiches verkörperte. Aber 476 raffte sich keiner der Senatoren zu einem Nachruf auf die einstige Größe Roms auf.
Dieses Imperium Romanum war trotz seiner Schwächen und Fehler ein großartiges Reich. In dem die Pax Romana den Frieden sicherte und den Bewohnern, woher sie auch kamen, Aufstiegsmöglichkeiten in die höchsten Ämter gab, wenn sie bereit waren, sich die Errungenschaften einer großen Kultur anzueignen.
Nur einer empfand die Tragik der Katastrophe, die im Untergang Roms lag und drückte seine Empfindungen in Worten aus. Es war kein gebürtiger Römer, sondern ein geborener Gallier, wahrscheinlich aus Narbonne. Er hieß Rutilius Numancius, kam aus der Verwaltung, war Präfekt in der Toskana und in Umbrien. Bevor er in seine Heimat zurückkehrte, wollte er seine Dankbarkeit gegenüber Rom, das aus ihm einen zivilisierten, gebildeten Menschen gemacht hatte, zum Ausdruck bringen. Vielleicht ist sein Buch „Über die Rückkehr“ ein letztes großes Werk in klassischem Latein. Dort heißt es u.a.:
„Höre, schönste Königin einer Welt, die du zu deiner gemacht hast.
Rom, Mutter der Menschen und Götter, höre im gestirnten Himmel: Wir sind nicht fern vom Himmel, wenn wir uns in deinen Tempeln befinden. Du spendest deine Gaben an die Strahlen der Sonne, überall wo der Ozean uns umspült.
Du hast aus unterschiedlichen Völkern eine Heimat gemacht. Wer kein Gesetz hatte, ist zu deinem Schuldner geworden, weil du Menschen zu Bürgern und das, was nur ein Globus war, zu einem Gemeinwesen gemacht hast.“
Und wir heute? Die Frage heute ist, ist uns bewusst, in welch großartiger Kultur wir leben, die sich in den vergangenen tausend Jahren in Europa in Musik, Literatur, Malerei und Baukunst entfaltet hat? Haben wir noch Bezug und eine innere Bindung zu ihr? Oder ist unser Verhältnis zu ihr, wie zu weit entfernten Verwandten, deren fehlende Nähe wir nicht vermissen? Weiterlesen

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Wenn du Gott suchst

Einst lebten Menschen auf einer Insel, die von einem weiten Meer umschlossen war. Diese Insel war ihnen zur gewohnten Heimat geworden. Sie hatten sich dort häuslich eingerichtet. Sie aßen, tranken, arbeiteten, schliefen, heirateten und bekamen Kinder, denen sie ihre Insel weiter vererbten.
Eines Tages verbreitete jemand eine aufregende Kunde: „Irgendwo weit hinter dem Meer gibt es ein unvergleichbar schöneres Land. Dort lebt ein gütiger und mächtiger König, der allen ein Höchstmaß an Glücklichsein verspricht. Um dorthin zu kommen muss man allerdings über die Weiten des großen Meeres fahren. Jeder Mensch, in dessen Herz Vertrauen, Liebe und Güte wohnen, kann es finden.
Diese Kunde wurde von den Menschen sehr verschieden aufgenommen. Einige sagten: „Seit ich lebe, kenne ich nur ein riesiges, unendliches Meer, das unser Land umgibt. Ich kann daher dieser Behauptung keinen Glauben schenken und bleibe lieber, wo ich bin. Da weiß ich, was ich habe.“ Andere waren ihrem Reichtum und ihren Vergnügungen verfallen. Daher konnten sie den Gedanken nicht ertragen, diese Annehmlichkeiten aufgeben zu müssen. „Wir leben nur einmal“, dachten sie. „Also essen und trinken wir und wollen es uns gut gehen lassen!“
Andere spürten instinktiv eine Gefahr, die von dieser Kunde für ihre bisherige Machtposition ausging. „Es wird höchste Zeit“, sagten sie zu einander, „dass wir entschlossen und notfalls mit Gewalt gegen diese staatsgefährdende Meinungsmache vorgehen.“ Sie fingen an, jeden Glauben an diese Kunde bei den Menschen von Anfang an zu zerstören.
Wieder andere bewahrten die froh machende Nachricht in ihrem Herzen. Ihr Denken fand keine Ruhe mehr. Sie fingen an, in ihr Leben Liebe und Güte einzubringen. Opfer, Nachteile und Widerstände schreckten sie nicht ab. Trotz Spott und Bedrohung seitens ihrer Mitwelt wagten sie den Aufbruch und verließen mit einem Schiff die Insel.
Und siehe, als sie im Glauben und Vertrauen an das Versprechen des fernen Königs in die unbekannten Weiten des Meeres hinausfuhren, fiel es ihnen immer mehr wie Schuppen von den Augen. Jeden Tag wurde ihre Gewissheit größer, ihr Kurs sicherer, ihr Ziel greifbarer.“ Weiterlesen

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Reformer oder Gescheiterter?

„Geht der Papst als Reformer oder Gescheiterter in die Geschichte ein“? fragt der Leitartikler Daniel Wirsching in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (16.1.18). Wirsching möchte nach bald fünf Jahren Amtszeit von Papst Franzskus eine Antwort auf: „Wie genau will er die katholische Kirche reformieren und kann ihm überhaupt eine Reform gelingen?“
Geht es Daniel Wirsching wirklich um die katholische Kirche, um den Papst oder vielmehr um seine Wunschvorstellungen, wie sich die katholische Kirche entwickeln sollte?
Die gelungene Reform sieht Wirsching „in der Neuausrichtung auf eine dem Menschen zugewandtere katholische Kirche“, weiter darin, „wiederverheirateten Geschiedenen die Möglichkeit zur Kommunion zu eröffnen“. Diese „Kirche soll in erster Linie als nahbar erscheinen nicht als ausschließend“, sie „soll Menschen begleiten, nicht Vorschriften machen, soll weg von Patenrezepten“.
„Amoris laetitia“ bewirkte lt. Wirsching „dass der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode jüngst einen sensationellen Vorstoß wagte, die Kirche müsse über eine Segnung homosexueller Paare nachdenken“. Schließlich müssten noch „viri probati“ (angesehene verheiratete Männer) für die Priesterweihe als Reform hinzukommen. „Das Amazonasgebiet als Testgebiet für die Ortskirchen in aller Welt“?
Ob Papst Franziskus in die Geschichte eingeht, zeigt sich also darin, ob die Wünsche von Daniel Wirsching und manchen anderen erfüllt werden. Die entscheidende Frage, ob sich die von ihm beschriebene Kirche an Jesus Christus und seiner Lehre ausrichtet, stellt sich Daniel Wirsching nicht. Ob Franziskus als Reformer in die Geschichte eingeht, wird davon abhängen, ob er in seinem Pontifikat die unverkürzte und unverfälschte Lehre der Kirche neu zum Aufleuchten bringt.

Hubert Gindert

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Reformer und Wegbereiter in Kirche und Welt: Georges Lemaitre 1896 – 1965

Die Erforschung der Erde und des Universums geschah weitgehend im jüdisch-christlichen Kulturbereich. In der Genesis, dem ersten Buch der Bibel, steht: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde aber war wüst und leer. Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach, es werde Licht und es ward Licht.“
Der heutige Leser der Genesis denkt an dieser Stelle unwillkürlich an die Urknall-These des Physikers und Astronomen Georges Lemaitre aus Belgien. Er war Priester und steht in der Tradition kirchlicher Gelehrter wie des großen Kalenderreformers Papst Gregor XIII. mit seinem Ratgeber Aloisius Lilius sowie des Domherren Nikolaus Kopernikus oder des Erforschers der Vererbung, des Paters Gregor Mendel.
Lemaitre wollte ursprünglich Bergbau-Ingenieur werden. Als zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 das deutsche Militär in Belgien einfiel, meldete sich Lemaitre freiwillig zur Verteidigung seines Landes. Dort erhielt er auch Tapferkeitsauszeichnungen. Nach dem Krieg studierte er Physik, Mathematik und Theologie. 1923 wurde er zum Priester geweiht. Den Priesterberuf übte er jedoch nur nebenamtlich aus. Sein Bischof, Kardinal Mercier, erkannte die Begabung des jungen Priesters und stellte ihn für die wissenschaftliche Arbeit frei. Dennoch legte Lemaitre Wert auf ein spirituelles Leben. Jedes Jahr machte er zehntätige Schweige-Exerzitien und schloss sich der Bruderschaft der „Amis de Jesus“ an. Er wurde mit einer Doktorarbeit in Mathematik promoviert. Dann wurde er rasch Professor für Mathematik und Physik an der Katholischen Universität in Löwen. Schließlich ließ er sich zu einem Studienaufenthalt in den USA beurlauben. Dort beschäftigte er sich mit Albert Einsteins Relativitätstheorie. Bei seinen Studien konnte Lemaitre schließlich nachweisen, dass je weiter ein Objekt von uns entfernt ist, desto stärker ausgeprägt die Rotverschiebung von Spektral-Nebeln ist, das heißt, es muss eine Proportionalität zwischen Geschwindigkeit und Entfernung geben. Diese Erkenntnis wurde später fälschlicherweise „Hubbles Gesetz“ genannt. In Wahrheit hat Lemaitre dieses Gesetz schon zwei Jahre vor Hubble publiziert – aber nur in einer französischsprachigen Zeitschrift. Das fand daher kaum Beachtung, weil die Wissenschaftssprache damals schon Englisch war. Weiterlesen

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Hanns Georg von Heintschel-Heinegg – ein katholischer Gegenpol zur NS-Ideologie

Viele Menschen, die in den KZs und in den Gefängnissen der Nationalsozialisten verbluteten, gehörten zur Elite Deutschlands und Österreichs. Schon der leiseste Widerstand war lebensgefährlich. Das zeigt auch das kurze Leben des Hans Georg von Heintschel-Heinegg. Er wurde 1919 auf Schloss Kneschitz im Sudetenland geboren. 1925 übersiedelte die Familie nach Wien. Das Elite-Gymnasium Theresianum, das er dort besuchte, war ein Hort katholischer Literatur. Hier gab es weder sozialistische noch germanisch-rassistische Einflüsse. Hanns Georg von Heintschel-Heinigg und seine Freunde vom Gymnasium öffneten sich lieber dem Zauber der Stadt Wien. Heintschel-Heinegg widmete dieser Stadt 23 Gedichte. Nach dem Abitur besuchte er die europäischen Kulturmetropolen Paris, Madrid und Rom. Anschließend studierte Hanns Georg von Heintschel-Heinegg an der Universität Innsbruck Theologie mit dem Wunsch, Priester zu werden. Er las mit Begeisterung George Bernanos, Léon Bloy, Paul Claudel und Gertrud von Le Fort sowie Calderon de la Barca. Am 12. März 1938 annektierte Hitler das Land Österreich. Das Priesterseminar in Innsbruck wurde geschlossen, das Haus von der Gestapo durchsucht und Hanns Georg verhaftet. Ein Brief wurde gefunden, in dem er seiner Schwester den Hergang der letzten Tage schildern wollte. Die Innsbrucker Priesterstudenten wussten, was die Kirche von den Nationalsozialisten zu erwarten hatte. Die deutschen Bischöfe hatten wiederholt davor gewarnt, NSDAP zu wählen.
Nach seiner baldigen Freilassung wurde von Heintschel-Heinegg in Wien von der Österreichischen Freiheitsbewegung angeworben. Er sollte an einem Entwurf für die politische Neuordnung Mitteleuropas nach einer Niederlage Hitlers mitwirken. Die wurde jedoch am 17.06.1940 von dem völlig verschuldeten und alkoholabhängigen Wiener Burgschauspieler Otto Hartmann der Gestapo verraten. Daraufhin wurden von Heintschel-Heinegg und 130 Freunde verhaftet und in verschiedenen Gefängnissen Deutschlands untergebracht. Erst im Februar 1944 wurde der Prozess gegen ihn eröffnet, der nach zwei Tagen mit dem Todesurteil wegen angeblicher Vorbereitung zum Hochverrat endete. Die Hinrichtung erfolgte am Abend des 5. Dezember 1944. Der evangelische Gefängnis-Seelsorger berichtete: „Als sich die traurige Eskorte (der zur Hinrichtung bestimmten Gefangenen) in dieser unvergesslichen Dezembernacht in dem nur spärlich erleuchteten und kalten Ganggewölbe des Landgerichts Wien in Bewegung setzte, öffnete der mir liebgewordene Freund und Bruder in Christo zum letzten Mal seine Lippen. Ich dachte, er wolle mit mir reden. Er aber sprach „Credo in unum Deum … Die Hände am Rücken gefesselt ging Heintschel-Heinegg dem Tod entgegen. Sein Blick ging in die Ferne, während er das ganze Credo laut betete. Das Amen erstickte in dem dumpfen Aufschlag des Fallbeils.“ – Im Vermächtnis unseres Helden steht u.a. … „die Ruhe des Christen beginnt erst im Tod … mit der unaussprechlichen Seligkeit …“ Einen solchen heroischen Einsatz brachten damals Tausende. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus sollte ebenso wenig geleugnet werden wie der Holocaust.

Eduard Werner

Foto: Otfrid Pustejovsky in „Zeugen für Christus“ hg. von Helmut Moll, S. 861

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