Papst Benedikt XVI.: Allerheiligen – Fest der unzähligen Schar aus allen Nationen und Sprachen

Am Anfang unserer Eucharistiefeier stand der Ruf: »Freut euch alle im Herrn«. Die Liturgie lädt uns ein, teilzuhaben an der himmlischen Freude der Heiligen, sie lädt uns ein, diese Freude zu kosten. Die Heiligen sind keine kleine Gruppe Auserwählter, sondern eine unzählige Schar, zu der aufzuschauen die Liturgie uns heute aufruft. In dieser Menge finden sich nicht nur die offiziell anerkannten Heiligen, sondern die Getauften aller Zeiten und Nationen, die versucht haben, mit Liebe und in Treue den Willen Gottes zu erfüllen. Von den meisten von ihnen kennen wir nicht das Antlitz und nicht einmal den Namen, aber mit den Augen des Glaubens sehen wir sie am Firmament Gottes strahlen wie herrlich leuchtende Sterne.
Am heutigen Tag feiert die Kirche ihre Würde als »Mutter der Heiligen, Abbild der himmlischen Stadt« (A. Manzoni) und zeigt ihre Schönheit als unbefleckte Braut Christi, Quelle und Vorbild jeder Heiligkeit. Gewiß fehlen in ihr widerspenstige, ja geradezu rebellische Söhne und Töchter nicht, aber die ihr eigenen Wesenszüge erkennt sie in den Heiligen, und an ihnen hat sie ihre höchste Freude. In der Ersten Lesung beschreibt sie der Verfasser des Buches der Offenbarung als »eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen« (Offb 7,9). Dieses Volk umfasst die Heiligen des Alten Testaments, vom gerechten Abel und vom treuen Erzvater Abraham an, die des Neuen Testaments, die unzähligen Märtyrer aus der Anfangszeit des Christentums und die Seligen und Heiligen der nachfolgenden Jahrhunderte bis hin zu den Zeugen Christi unserer Zeit. Sie alle verbindet der Wille, in ihrem Leben das Evangelium zu verkörpern, unter dem Antrieb des Heiligen Geistes, der das Gottesvolk auf ewig beseelt.
Aber »wozu dient den Heiligen unser Lob, wozu unsere Verherrlichung, wozu dieses ganze Hochfest«? Mit dieser Frage beginnt eine berühmte Predigt des hl. Bernhard zum Allerheiligenfest. Es ist eine Frage, die man sich auch heute stellen könnte. Und aktuell ist auch die Antwort, die uns der Heilige gibt: »Die Heiligen brauchen unsere Ehren nicht. Unsere Frömmigkeit gibt ihnen nichts … Ich gestehe, dass mich starkes Verlangen erfasst, wenn ich das bedenke« (Disc. 2; Opera Omnia Cisterc/. 5,364ff.). Das also ist die Bedeutung des heutige Hochfestes: durch den Blick auf das leuchtende Vorbild der Heiligen in uns das große Verlangen zu wecken, wie die Heiligen zu sein, also glücklich darüber zu sein, nahe bei Gott zu leben, in seinem Licht, in der großen Familie der Freunde Gottes. Ein Heiliger zu sein bedeutet, nahe bei Gott, in seiner Familie zu leben. Und das ist unser aller Berufung, die das Zweite Vatikanische Konzil nachdrücklich betont hat und auf die heute in feierlicher Form unsere Aufmerksamkeit gelenkt wird. Weiterlesen

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Du und dein Leben – Bruder Tod. Gedanken zu Allerseelen

In einem alten Lied heißt es: „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh‘ mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.“ Deine Existenz, von Gott so sinnvoll geplant, wird nicht in der Sinnlosigkeit eines endgültigen Auslöschens für ewig zerstört werden. Dies spürst du in der Tiefe deines Herzens. Das Ziel deines Lebens liegt im Weiterleben nach dem Tod. Sterben und Tod sind umgeben von einsamer Angst vor dem Unbekannten. Sterben führt oft durch Tiefen der Hilflosigkeit, Selbstentsagung und die Angst des Lebenden vor dem Tod. Doch dieser ist das einzige Tor zur Vollendung des Lebens. Leben auf dieser Erde ist nur eine Vorphase des eigentlichen Lebens. Es ist „cursus ad mortem“, ein Lauf zum Tod hin, aber auch „Startbahn“ für die Ewigkeit.
Angst vor dem Tod?
Für viele Menschen ist der Gedanke daran, dass sie einmal sterben müssen, mit Abwehrreaktionen verbunden. Sie lassen diesen Gedanken gar nicht erst klarer ins Bewusstsein kommen, sondern drängen ihn ins Vergessen ab. In der Tiefe ihrer Seele aber wohnt trotzdem die Angst vor dem Tod. Muss sie übermächtig sein? Ist der Tod wirklich so etwas Schreckliches?
Du existierst weiter
Einer meiner Studenten aus China erzählte mir von einem Philosophen seiner Heimat, der sagte: „Aus Ton entstehen Töpfe, aber das Leere in ihnen bewirkt das Wesen des Topfes.“ Überträgt man diese Überlegung auf das Wesen des Menschen, so könnte man sagen: Wir sehen im Körper mit seinen Milliarden Atomen rein äußerlich den Menschen. Aber in den Zwischenräumen inmitten der Atome ist der zentrale Kern des Menschen, seine Seele, die man nicht sieht, sein „Ich“. Dieses sein „Ich“ bleibt unzerstörbar. Wenn im Tod dein irdisches Leben erlischt, existierst du mit vollem Bewusstsein weiter. Auf diese Fortsetzung deiner Existenz in der Ewigkeit hat sich dein Leben auf dieser Erde schon immer – unbewusst oder bewusst – ausgerichtet.
Und wenn es den Tod nicht gäbe? Weiterlesen

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Weltgestaltung, doch keine Anpassung

Augsburger Theologische Sommerakademie
Christen leben „in der Welt“, sie sind aber nicht „von der Welt“. Das heißt, sie müssen sich mit ihrer Welt und Umwelt auseinandersetzen, sie aber aus dem Glauben an den göttlichen Christus deuten – und dieser Glaube muss auch ihr Handeln bestimmen. Papst Benedikt XVI. hat dies mit dem Begriff der „Entweltlichung“ ausgedrückt, was nicht den Rückzug aus der Welt bedeutet, sondern eine Verlagerung des Blickwinkels fordert – alles im Licht des Glaubens zu betrachten, was dann auch in der Welt manche Dunkelheiten erkennen lässt.
Die Theologische Sommerakademie in Augsburg setzte sich vom 29. August bis zum 1. September 2018 mit dieser Entweltlichung auseinander. Ihr Thema war dem Römerbrief entnommen, wo Paulus schreibt: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!“ (Röm 12,2). Insgesamt neun Referenten betrachteten aus verschiedenen Perspektiven dieses Thema und gaben den Besuchern der Akademie so wertvolle Impulse auf dem Glaubensweg.
Wahr, gut, aber nicht angenehm
Das Eröffnungsreferat hielt Prälat Prof. Dr. Anton Ziegenaus, der wissenschaftliche Leiter der Akademie. Er behandelte das Thema „Der Mensch auf der Suche nach Wahrheit – Gott spricht zu ihm durch seinen Sohn“. Dabei ging er sowohl auf philosophische wie auch auf theologische Aspekte ein. Er erinnerte an Sokrates, der sagte, es sei besser Unrecht zu erleiden als Unrecht zu tun. Das bedeutet auch, dass das Gute (und damit das Wahre) nicht identisch mit dem Angenehmen ist. Vielmehr kann es nötig sein, um des Guten und Wahren willen zu leiden. Diese Aussage des Sokrates bietet im Grunde die Folie für unseren christlichen Umgang mit der Wahrheit, die von Gott offenbart ist, wie es etwa das Beispiel der heiligen Edith Stein zeigt, die ihr Martyrium in den Gaskammern der Nazis als Sühnetod, also als Dienst an etwas Gutem und Wahrem, begriffen hat.
Im Weiteren stellte sich Ziegenaus der Frage, warum uns gerade in Jesus Christus Wahrheit offenbart ist. Die Antwort liegt darin, dass er Gottes Sohn war. Doch davon distanzieren sich viele. Da ist zu hören, dass alle Religionen gleich sind. Die Erfahrung aber lehrt, dass jede Religion ein anderes Gesicht hat. So ist die Würde aller Menschen Grundlage des Christentums – die Religion der Azteken hingegen etwa forderte Menschenopfer. Auch die Antwort, dass Jesus Christus zwar nicht Gott, doch der genialste aller Menschen war, befriedigt nicht – es könnte ja noch ein größeres Genie kommen. Die Leugnung Jesu Christi als Sohn Gottes hat gerade auch in der philosophischen Entwicklung in den letzten Jahrhunderten ihren Grund. So geht der Historizismus davon aus, dass es feste Wahrheiten schlechterdings nicht gibt. Demgegenüber steht zum einen aber die Offenbarung Gottes, die zu erkennen dem Menschen gnadenhaft als göttliches Geschenk möglich ist. Zum anderen aber ist auch zu bedenken, dass der Mensch eine tiefe Sehnsucht nach Wahrheit hat. Wahrheit gibt Halt und einen festen Grund, so Ziegenaus. Weiterlesen

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Es fehlt der Mut die Ursachen beim Namen zu nennen.

„Fachkräfte fehlen: Es klemmt beim Wohnungsbau“ heißt eine Artikelüberschrift in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 13.8.2018. Weiter: „Der Wohnungsbau in Deutschland wird ausgebremst, weil es im Handwerk zu wenig qualifizierte Leute gibt … Der Mangel an Fachkräften ist nach Einschätzung der staatlichen Förderbank KfW die wichtigste Ursache für die schwache Dynamik am Bau … Und wir haben den Höhepunkt des Fachkräftemangels noch nicht einmal erreicht … Die Zahl der fehlenden Fachkräfte im Handwerk wird auf 200.000 bis 250.000 geschätzt“. Es fehlen aber nicht nur im Handwerk Facharbeiter. Sie fehlen insbesondere in den Pflegeberufen, im Schul- und Bildungsbereich und in der Verwaltung.
Verwunderlich ist aber das Erstaunen darüber. Wir haben seit 1968 eine ständig rückläufige Kinderzahl, d.h. seit 50 (!) Jahren. Die durchschnittliche statistische Kinderzahl pro Frau pendelt um 1,4. Hat das in diesem Zeitraum niemand bemerkt? Kein Politiker, welcher die Entwicklung beobachten sollte, um Sorge für die Zukunft eines Volkes zu tragen? Natürlich auch die Familien selbst, die wissen, dass es ohne Kinder keine Zukunft und keine gesicherte Altersversorgung geben kann. Die SPD will Thilo Sarrazin aus der Partei werfen, weil er mit Büchern, wie „Deutschland schafft sich ab“ unbequeme Wahrheiten auftischt, bzw. an Tabus rührt. Nur, auch ein Herausschmiss aus der Partei löst das Problem nicht.
Es kommt aber noch ein Tabu hinzu. Das ist die Abtreibung. In Deutschland werden jährlich, nach offizieller Statistik, rund 100.000 ungeborene Kinder abgetrieben. Die Dunkelziffer ist hoch. Fachleute schätzen die tatsächliche Zahl der im Mutterleib getöteten Kinder auf rund 200.000. Das wären alle fünf Jahre eine Million. Wir haben die bestehende Abtreibungsregelung seit 1994, d.h. seit rund 24 Jahren. Die Abtreibung ist, lt. Bundeskanzlerin, „gut geregelt“. Eine Änderung dieser Regelung wagt kaum ein Politiker anzusprechen. Es ist aber auch eine Frage, in der es um das Menschenrecht auf Leben geht. Hier ist auch die Kirche gefordert. Von der deutschen Ortskirche ist dazu wenig zu hören. Wenn aber die warnende Stimme fehlt, macht man sich an der Entwicklung mitschuldig!

Hubert Gindert

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Änderungen sind möglich! Man muss sie nur wollen! Das Beispiel Ungarn beweist das.

Deutschland schlittert mit den übrigen westeuropäischen Ländern – geräuschlos – in eine demographische Katastrophe hinein. Wer den Mund aufmacht und sich dazu äußert, wie Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“) wird entweder in eine radikal rechte Ecke gedrängt oder mit dem Satz abgefertigt „den kann man nicht mehr ernst nehmen“, bestenfalls wird er totgeschwiegen. Die Kinderarmut verschafft sich mittlerweile Gehör mit Klagen über fehlende Lehrlinge und Fachkräfte und ängstlichen Fragen nach der Sicherheit der Renten. Kaum einer hat den Mut, auf die Ursachen der demographischen Entwicklung hinzuweisen, nämlich auf die geringe Geburtenzahl und die Massenabtreibung ungeborener Kinder.
Wer eine geänderte Familienpolitik mit mehr staatlichen Hilfen für Familien mit Kindern fordert, wird damit konfrontiert, dass gegen die inzwischen etablierte Mentalität auch mit finanziellen Hilfen nichts zu machen sei. Dieser Einwand kommt von verschiedenen Seiten: Die Einen haben den Kampf für die traditionelle Familie fast schon aufgegeben, die Andern wollen sie gar nicht, weil ihnen als Ziel eine Multi-Kulti-Gesellschaft vorschwebt.
Nun helfen Analysen und Zustandsbeschreibungen nicht weiter. Jürgen Liminski zeigt mit seinem Artikel „Ungarn setzt sich ab“ (Tagespost 8.11.18) dass auch heute Mentalitätsänderungen möglich sind. Das ungarische Beispiel, das er anführt, ist daher ermutigend und sollte verbreitet werden, denn die Mainstreammedien werden es nicht aufgreifen. Die ungarische Orban-Regierung ist seit 2010 im Amt. Die Resultate ihrer Familienpolitik sind kurz zusammengefasst:
• Die Geburtsrate stieg von 1,20 auf 1,50.
• Die Zahl der Abtreibungen nahm um ein Drittel ab, in Zahlen von 40.449 auf 28.500.
• Die Scheidungsrate ging um ein knappes Viertel zurück, nämlich von 23.873 auf 18.600.
• Die Zahl der Eheschließungen stieg um 42%.
Diese Erfolge wurden durch materielle Hilfen für die Familien mit Kindern erreicht, z.B. u.a. durch Kreditsubventionen und Steuervorteile. Die Frist vom Antrag auf Abtreibung bis zum Vollzug wurde um drei Tage verlängert, um Zeit zum Nachdenken zu geben. Die Adoption für Kinder wurde erleichtert. Das Ergebnis der ungarischen Familienpolitik ist unseren Medien keine Notiz wert. Die Regierung Orban hat eine Volksbefragung über ihre Familienpolitik angekündigt. Das Ergebnis bestimmt wie sie weiter ausgestaltet wird. Diese Form der direkten Demokratie straft Vorwürfe Lügen, Orban würde seine Vorstellungen mit seinen politischen Machtmitteln durchsetzen. Man kann übrigens auch fragen, ob die Stärkung der Familie gegen „europäische Werte“ verstößt. Der Unmut bestimmter EU-Funktionäre speist sich darin, dass Orban das demographische Problem in seinem Land nicht mit der Migrationspolitik der EU, sondern mit Stärkung der Familie lösen will.
Für alle, welche die traditionelle Familie mit Kindern befürworten, ist das Beispiel Ungarns eine starke Ermutigung!

Hubert Gindert

Artikel erscheint in der Monatszeitschrift „Der Fels“, Januar 2019

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Änne Meier (1896 – 1989): „Ich wusste, dass ich das Kreuz mittrage“

Das katholische Milieu leistete im Nationalsozialismus vor allem einen geistigen Widerstand. Das zeigen nicht nur 99 % der Priester. Auch viele katholische Politiker, Offiziere und vor allem die katholischen Lehrerinnen waren mit ihrer Ablehnung des Nationalsozialismus im katholischen Milieu fest verankert. Eine dieser Lehrerinnen war Änne Meier aus dem Saarland. Sie wurde 1896 als fünftes von sieben Geschwistern geboren. Nach dem Abitur wurde sie 1917 Grundschul-Lehrerin. In diesem Beruf war sie glücklich. Leider musste sie nach wenigen Jahren ihre Stelle an einen aus dem 1.Weltkrieg zurückgekehrten Lehrer wieder abgeben. Deshalb wurde sie Fürsorgerin. Auf der Fachschule in Heidelberg fand sie Kontakt zur neuen Liturgischen Bewegung und lernte damit den Freundeskreis um Romano Guardini kennen.
1925 übernahm sie die Leitung des Fürsorgewesens in St. Ingbert im Saarland. Daneben war sie beim Aufbau der katholischen Jugendarbeit im Saarland engagiert. 1931 war sie führend daran beteiligt, im Saarland den „Bund katholischer Pfadfinderinnen“ zu errichten. Damit konnte sie ihren pädagogischen Idealen in veränderter Form treu bleiben. Im ganzen Saargebiet konnte die religiöse Jugendarbeit weitergehen, als sie im übrigen Reichsgebiet durch die Nationalsozialisten schon sehr eingeschränkt war, denn das Saargebiet war durch den Versailler Vertrag vom Reichsgebiet abgetrennt. Hier fühlten gar manche Saarländer einen schmerzlichen Zwiespalt in sich. Sie wollten zwar politisch zu Deutschland gehören, sie fürchteten aber gleichzeitig die Einschränkungen der bürgerlichen und religiösen Freiheiten. Weiterlesen

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Die Zerstörung der zwei Grundpfeiler der Gesellschaft

Liebe Leser, wer eine andere Kirche will, der wird am Zentrum ansetzen. Das ist die Eucharistie. Sie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11). Der Märtyrerbischof Saturninus erwiderte auf den Vorwurf, die Christen hätten an einer verbotenen sonntäglichen Veranstaltung teilgenommen: „Ohne die sonntägliche Eucharistie können wir nicht leben.“ Heute kommen über 90% der Katholiken in der deutschen Ortskirche ohne den sonntäglichen Gottesdienst scheinbar gut zurecht.
Wer die Gesellschaft grundlegend ändern will, muss zwei Pfeiler, auf denen sie ruht, zerstören: Ehe und Familie und die in die Natur des Menschen gelegte Ordnung von Arbeit und Ruhe.
„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ (GG, Art. 6). Im ersten Kapitel des Schöpfungsberichtes (1 Gen. 26/27) steht: … „So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, nach Gottes Bild schuf er sie, männlich und weiblich.“ Im Gegensatz dazu steht die Genderideologie, die dem Menschen seine geschlechtliche Identität nimmt. Das ist nicht nur das Werk von Ideologen, sondern auch des Staates. Die Durchsetzung der Genderideologie ist in Deutschland „Querschnittsaufgabe“, aber auch in Westeuropa und darüber hinaus. Diese Ideologie hat im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und z.B. im Bund der Deutschen Katholischen Jugend und in den katholischen Frauenverbänden, Fuß gefasst. Es ist nicht der erste Versuch, Ehe und Familie zu zerstören. Die Französische Revolution hat die Ehescheidung eingeführt, die Kommunisten die „freie Liebe“. Im Neuheidentum unserer Zeit wird die Ehe nicht abgeschafft. Die Fassaden bleiben erhalten. Sie wird aber durch Parlamentsbeschlüsse wie die „Ehe für Alle“ und durch eine scheinbare Sexualaufklärung der Kinder in den staatlichen Pflichtschulen im Sinne der Genderideologie ausgehöhlt. Weiterlesen

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Wer repräsentiert die Zukunft der Kirche?

In Rom ging die fast vierwöchige Bischofssynode über die Jugend zu Ende. Guido Horst gab seinem Kommentar den Titel „Was die Bischöfe lernen sollten“ (Tagespost 31.10.18). Er fasste zusammen: „Nicht die Jugend soll sich ändern, sondern der Stil der Kirchenführung“. Das ist jedenfalls der Wille von Papst Franziskus. Was sollten die Bischöfe auf der Synode lernen? „Das Zuhören“! Konkreter: „Die 270 Bischöfe sollten darauf achten, was ihnen der Heilige Geist durch die 36 unter 30 Jahre alten jugendlichen Auditoren der Synode in der Aula sagt“ (Horst). Papst Franziskus äußerte: „Mit dieser Grundhaltung des Zuhörens hatten die Synodalen versucht ‚die Realität zu lesen, die Zeichen der Zeit zu erfassen… um pastorale Entscheidungen zu treffen, die der Realität entsprechen‘“.
In der Abschlussmesse wandte sich Franziskus mit den Worten an die Jugendlichen: „Ich möchte den jungen Menschen im Namen von uns Erwachsenen sagen: Verzeiht uns, wenn wir euch oft kein Gehör geschenkt haben, wenn wir anstatt euer Herz zu öffnen eure Ohren vollgeredet haben“. Die Bischofssynode suchte nach pastoralen Wegen, um die Jugend über das gegenseitige aufeinander hören zu erreichen.
Diese Bischofssynode hatte das Thema: Jugend, den Glauben und das Erkennen der Berufung. Horst äußerte in einem früheren Kommentar (Tagespost 18.10.18), das Wort „Veränderung (stand) von Anfang wie ein Leitwort über der Versammlung“. Es ging also nicht nur um das „Zuhören“. Die Wünsche nach „Veränderung“ betrafen u.a. die Sexualmoral der Kirche, die Bewertung der Homosexualität, den Zugang von Frauen zu Leitungsämtern.
Das gegenseitige Zuhören gab die Möglichkeit, nicht nur darüber zu sprechen, warum z.B. die Sexualmoral geändert, die Homosexualität neu bewertet, der Zugang für Frauen zur Diakonen- u. Priesterweihe geöffnet werden sollen, sondern auch darüber, was solchen Änderungen im Wege steht. Wurde die Chance dazu genutzt? Weiterlesen

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Judenhelfer Andreas Girkens – „Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit …“

In Deutschland ist ein Dogma weit verbreitet, nach dem fast alle Deutschen Nazis und Antisemiten gewesen seien. Folglich sind alle Hinweise auf „gute“ Deutsche, auf Judenhelfer tabu. Wer trotz dieses Tabus Geschichten von Judenhelfern sammelt und damit gegen das Kollektivschuld- Klischee verstößt, wird in den Medien als Unperson behandelt. Das Prinzip von der Freiheit der Forschung und das sonst so hochgelobte Grundrecht zur freien Meinungsäußerung sind hier außer Kraft gesetzt. Wer bei seiner Judenrettung von der SS nicht erfasst wurde, hatte Glück bei seinen Aktionen, aber Pech vor der Geschichte. Er wurde einfach vergessen oder verdrängt. Bekannt sind eher die Judenhelfer, die ihren Einsatz für die Menschenwürde mi dem Leben bezahlt haben. Sie bilden jedoch nur die sprichwörtliche Spitze des weithin unsichtbaren Eisberges. Allein im katholischen Martyrologium „Zeugen für Christus“ sind 40 ermordete Judenhelfer dokumentiert. Einer dieser Helden ist der Bäckermeister Andreas Girkens.
Er ist 1883 im Dorf Mechernich im Raum Aachen geboren. Dort brachte er es zu einem wohlhabenden Bäckermeister mit ansehnlichem Hausbesitz. Im Nachbarhaus wohnten ein jüdischer Arzt und ein jüdischer Zahnarzt. Mit ihnen pflegte Girkens einen freundschaftlichen Umgang. Als nach Hitlers Machtübernahme 1933 Patienten der jüdischen Ärzte von den Nazis belästigt wurden, schleuste der Bäckermeister diese Patienten durch seinen Laden zu einem rückwärtigen Eingang in das Ärztehaus. Anlässlich der Reichspogromnacht am 9.11.1938 suchten mehrere Juden in der Bäckerei Zuflucht. Das blieb den Nazis nicht lange verborgen. Deshalb überfielen sie zwei Tage später die Bäckerei, zerschlugen Schaufenster und Vitrinen und den Bäckermeister selbst schlugen sie krankenhausreif. Die Schikanen gegen die ganze Familie Girkens steigerten sich von Jahr zu Jahr. Selbst für ein zu frühes Öffnen oder zu spätes Schließen von nur zwei Minuten gab es empfindliche Strafen. 1944 unterstellten die Nazis dem Bäckermeister, er hätte ausländische Rundfunksender gehört, was damals strengstens verboten war. Girkens kam deshalb in das Kölner Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Dort wurde Girkens gefoltert. Als ihn Wochen später Verwandte kurz besuchen konnten, waren sie von seinem Aussehen erschüttert. Girkens war abgemagert. Er hatte blaue Flecken im Gesicht und verschwollene Augen. Am 3.Oktober 1944 erlag er seinen Verletzungen. Durch Beziehungen und mit Hilfe von damals sehr wichtigen Lebensmittelspenden gelang es der Familie, den Leichnam im geschlossenen Sarg zur sofortigen Beerdigung frei zu bekommen. Ein SA-Mann fotografierte die wenigen Trauergäste bei der Beerdigung.
Andreas Girkens war als regelmäßiger Kirchgänger im religiösen Leben der Kirche fest verankert. Er wollte zeitlebens nicht hinnehmen, dass unschuldige Juden nur wegen ihres „Judeseins“ verfolgt werden. Als bekennender Katholik wusste er schließlich, dass Christus, Maria und die Apostel auch Juden waren. Nach dem Urteil seiner Nachbarn und des Ortspfarrers hatte Andreas Girkens einen gesunden inneren Instinkt für Wahrheit und Gerechtigkeit. Der NS-Weltanschauung stand er von Anfang an ablehnend gegenüber. Ohne große Worte hat er die Konsequenzen seiner Haltung bis hin zum Lebensopfer auf sich genommen. Ein Zurückweichen vor der Gewalt war für diese geradlinige Persönlichkeit nicht denkbar. Andreas Girkens könnte ein Vorbild sein für jene, die versucht sind, sich dem Zeitgeist anzupassen. Während die Intellektuellen an Deutschlands Universitäten vorsichtig schwiegen, waren es neben den Priestern oft einfache Menschen, die zwischen Recht und Unrecht unterschieden und entsprechend geholfen haben. Sie sind die besseren Vorbilder
Quelle: Herbert Arens im Martyrologium „Zeugen für Christus“ I S. 41 – 45

Eduard Werner

Quelle: Eduard Werner: Helden und Heilige in Diktaturen, Media Maria Verlag, Illertissen 2017

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Andreas Hermes – ein Leben für die Wahrheit.

Viele Menschen haben sich in der Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus einen klaren Blick bewahrt und sogar ihr Leben riskiert für Gottes unvergängliche Ordnung. Ein Beispiel hierfür ist der deutsche Politiker Andreas Hermes. Er ist 1878 in Köln geboren und 1964 auf seinem Landsitz in der Eifel gestorben. Schon frühzeitig kam er als Abgeordneter der katholischen Zentrumspartei nach Berlin. In der Zeit der großen Not nach dem 1. Weltkrieg wurde er zunächst Reichsernährungsminister und später Reichsfinanzminister. Dann wurde er Präsident der christlichen Bauernvereine und der Raiffeisen-Genossenschaften. Seine Sachkenntnis und vor allem seine Geradlinigkeit waren eben an vielen Orten gefragt.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 durfte er kein öffentliches Amt mehr ausüben. Er hatte schon frühzeitig vor dem Terrorsystem gewarnt und war bald davon überzeugt, dass dieses Terrorsystem nur noch militärisch vom Ausland her beseitigt werden könnte. Als 1943 auch an ihn die Frage gerichtet wurde, ob er zur Mitwirkung beim gewaltsamen Sturz Hitlers bereit sei, war seine Reaktion klar: „Keine Beteiligung an einem Attentat, aber ich will mich einer Mitarbeit beim Wideraufbau eines Rechtsstaates nach dem Krieg nicht versagen.“ Die Diskussion, ob ein Tyrannenmord erlaubt sei, hatte auch ihn berührt. Darüber hinaus ahnte Hermes, dass das nun von Goerdeler und Stauffenberg geplante Attentat ebenso wie die 40 vorausgegangenen Attentate scheitern werde. Hitler würde dann  grausam Rache nehmen. Auch schien ihm Gördeler nicht vorsichtig genug vorzugehen. Wie recht er hatte, zeigte sich bald. Nach dem 20. Juli 1944 wurde auch Andreas Hermes verhaftet. Möglicherweise hatten Mitwisser seinen Namen unter Folter preisgegeben. Von  dem berüchtigten Richter Roland Freisler wurde auch Hermes zum Tode verurteilt. Was dann folgte, ist  erstaunlich. Eine große Gebetsgruppe von Frauen, die über ganz Deutschland verteilt waren, bestürmte den Himmel mit Gebeten. Sie suchten zugleich juristischen Beistand und Trost für alle Gefangenen zu beschaffen. Unter strenger Bewachung durften Frau Hermes und ihr Sohn Peter  dem  verurteilten Vater einen Abschiedsbesuch machen. Zwei Söhne waren schon gefallen. Als am 3.Februar 1945 der  Richter Freisler bei einem Bombenangriff ums Leben kam, wurde die Hinrichtungsmaschinerie langsamer und schließlich wurde Berlin von russischen Truppen besetzt, bevor das Todesurteil an Hermes und anderen vollstreckt werden konnte. Für viele war die ersehnte Rettung  geschehen. Nach dem Krieg gründete Hermes mit einigen Freunden die CDU in der sowjetisch besetzten Zone, um einen neuen Rechtsstaat aufzubauen. Dieses Wirken fand ein jähes Ende, als Ende 1945 die Sowjets die Popularität von Hermes dazu nutzen wollten, die so genannte Bodenreform gutheißen zu lassen. Hätte Hermes diese Reform öffentlich begrüßt, so hätte dies auch als Zustimmung zur rechtlosen Enteignung der Großgrundbesitzer, zur Zwangskollektivierung    und darüber hinaus zur grundlosen Erschießung der meisten Großgrundbesitzer gedeutet werden können. Das kam für Hermes nicht in Frage. Um ihn umzustimmen, hatten die Sowjets einen teuflischen Plan. Sie sagten zu Hermes: „Hinter dieser Tür ist Ihr Sohn! Wenn Sie jetzt endlich unterschreiben, geht die Tür auf und Ihr Sohn ist frei. Wenn Sie nicht unterschreiben, muss Ihr Peter zurück in die sowjetische Kriegsgefangenschaft.“ Das war eine herzzerreißende Versuchung für den Vater, denn er wusste, welch lebensbedrohliche Strapazen dort auf seinen letzten Sohn warten. Aber eine Zustimmung zum Unrecht kam für den Mann, der gerade erst dem Galgen entronnen war, nicht in Frage. Deshalb musste sein Sohn  wieder nach Russland.  Erst fünf Jahre später wurde er krank entlassen. Nach dem Abschluss seines Studiums konnte nun der Sohn zusammen mit seinem Vater und vielen anderen Verfolgten in Westdeutschland am Aufbau des Staates mitarbeiten.
Eduard Werner

Quellen: Marianne Hapig – Tagebuch und Erinnerung, Plöger, Mooshausen  2008
Peter Hermes: Meine Zeitgeschichte, Schöningh, Paderborn 2008

Quelle: Eduard Werner: Helden und Heilige in Diktaturen, Media Maria Verlag, Illertissen

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