Hat das Wort der Kirche noch Gewicht?

Wenn wir Zeitungen aufschlagen, den Fernseher öffnen, springen uns in den Schlagzeilen Misstrauen, Aggressionen, Unordnung bis zum Chaos entgegen. Der Eindruck ist: Die große und die kleine Welt geraten aus den Fugen: Erklärte Kriege, Stellvertreterkriege, Handelskriege füllen die Seiten. Und wir sollten nicht so tun, als hätten wir damit nichts zu tun. Deutschland gehört zu den größten Waffenexporteuren. Unser Hauptabnehmer Saudi Arabien führt Stellvertreterkriege, z.B. im Jemen und braucht auch keine Waffen, um sich zu verteidigen. Letzteres gilt auch für Ägypten und Algerien. Das sind zwei weitere Großeinkäufer von Waffen in Deutschland.
Nicht nur die USA verlangen Zölle auf Importe. Das fordern auch Deutschland und andere Länder der EU. Wir verlangen sie sogar gegenüber Entwicklungsländern und beschneiden ihre Möglichkeiten, wirtschaftlich Fuß zu fassen. Die Entwicklungshilfe wird im derzeitigen Haushalt um 500 Mio. gekürzt, obwohl wir behaupten, wir wollten Fluchtursachen durch Wirtschaftshilfe bekämpfen.
Die Medien prangern den Stil der politischen Auseinandersetzung an. Sie sollten sich fragen, was sie selber durch die Form der Berichterstattung dazu beitragen. Auch Medien pflegen Feindbilder. Wenn notwendige Kurswechsel herbeigeführt werden müssen, ist Auseinandersetzung vorprogrammiert. Oft ist der vielzitierte „Streit“, auch auf die fehlende Bereitschaft zur geistigen Auseinandersetzung zurückzuführen. Man kann ja fragen, wie Jesus, der Schriftgelehrte und Pharisäer als „übertünchte Gräber“ (Mt 23,2) bezeichnete, heute in den Medien apostrophiert würde, womöglich als Spalter, Demagoge, Populist. Weiterlesen

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Aufruf zum Marsch für das Leben am 22. September in Berlin

MARSCH FÜR DAS LEBEN 2018:
22. September ab 13 Uhr vor dem Reichstag in Berlin
Wir hören oft, dass die Abtreibung eine freie Wahl der Frau sein muss, und dass diejenigen, die sich gegen Abtreibungen wenden, die Freiheit der Frauen einschränken.
Aber um welche Wahl geht es eigentlich? Eine wirklich freie Wahl, das ist eine Wahl deren Konsequenzen man für den Rest seines Lebens überblickt. Eine falsche Berufswahl macht unglücklich – aber sie lässt sich ändern. Wahlfreiheit hat nur der, der lebt. Der Tod lässt einem keine Wahl mehr: er ist endgültig.
Eine Abtreibung ist eine endgültige Entscheidung. Oft sind sich Paare dieser Endgültigkeit gar nicht bewusst: sie treffen eine Entscheidung, die sie nie wieder zurücknehmen können. Viele Frauen (und Männer) leiden ihr Leben lang darunter. Wir wollen, dass Frauen umfassend informiert werden – über alle Konsequenzen von Abtreibungen. Wir wollen Hilfe für Frauen, denen das JA zum Kind schwerfällt. Wir wollen keine Werbung für eine Tat, die so viele Frauen bitter bereuen. Wir kämpfen für das Recht auf Leben – für alle Menschen! Sei dabei – komm mit nach Berlin!
Ablauf am Samstag, 22.09.2018
13:00 Uhr: Beginn mit Kundgebung vor dem Reichstag in Berlin (Platz der Republik, 10557 Berlin), anschließend Beginn des Marsches. Die Wegstrecke ist voraussichtlich rund 5 km lang und barrierefrei. Im Anschluss findet ein Ökumenischer Gottesdienst statt, Ende der Veranstaltung gegen 17:30 Uhr. Eine Anmeldung zum Marsch für das Leben ist nicht erforderlich. Bundesverband Lebensrecht e. V.
„Wenn man den Sinn für Gott verliert, verliert man bald auch den Sinn für den Menschen, für seine Würde und für sein Leben.“ Johannes Paul II.

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Predigt zum Kreuz Christi von Bischof Algermissen im Pontifikalamt zum Kongress „Freude am Glauben“ 2018

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Vor einiger Zeit schrieb eine anonyme Katholikin in einem wehleidigen Gastbeitrag einer großen deutschen Tageszeitung (FAZ), sie fühle sich im atheistischen Berlin diskriminiert. Und sie belegte das so: Ihr Sohn sei in der Schule gehänselt worden, weil er zugegeben habe, abends zu beten. Sie selbst sei von einer Bekannten ironisch gefragt worden, warum denn ein Kreuz in ihrer Wohnung hänge. „Ich fand das einfach nicht gut“, schrieb sie.
Wenn indes solche Vorkommnisse heute schon als Diskriminierung und schwere Prüfung durchgehen und das katholische Selbstbewusstsein verunsichern, ist es um die Belastbarkeit des christlichen Glaubens wirklich schlecht bestellt. Kein Wunder, dass eine Glaubensgemeinschaft, die viel Verunsicherung ausstrahlt sowie Ansprüche und Maßstäbe abgebaut hat, vor dem Zeitgeist in die Knie geht. Selbstmitleid und Indifferenz schaffen tatsächlich keinen missionarischen Impuls. Nur das selbstbewusste Bekennen und Leben des Glaubens an den und mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn.
Oder, wie es im 1. Petrusbrief (3, 15) heißt: „Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt …“
Nach Auskunft des 11. Kapitels der Apostelgeschichte (Vers 26) wurden die „Anhänger des neuen Weges“, wie die frühen Christen ursprünglich hießen, in Antiochia erstmals „Christen“ genannt. Der Begriff bezog sich auf den Erlöser und Heiland Jesus Christus als den Weg (vgl. Joh 14, 6) der Nachfolge derer, die zu ihm gehörten und durch ihn verwandelt wurden. Und „nur von Verwandelten können Verwandlungen ausgehen“, wie der Philosoph Sören Kierkegaard zu Recht feststellt.
Angesichts all dessen hat der heute beginnende 18. Kongress „Freude am Glauben“ das richtige und notwendige Motto gefunden: „Selbstbewusst mit Christus“. Weiterlesen

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Erklärung des Forums Deutscher Katholiken zur Unterschriftensammung für die Interkommunion durch Publik-Forum

Publik-Forum ruft zur Unterschriftensammlung für eine Petition an Papst Franziskus auf. Darin wird der Hl. Vater aufgefordert: „Lassen Sie nicht zu, dass in einer wichtigen ökumenischen Frage ein elitärer Geist das Miteinander der Christinnen und Christen verhindert.“
Kurz vor der Herbstversammlung der deutschen Bischöfe soll Papst Franziskus offensichtlich den „Mehrheitsbeschluss der deutschen Bischöfe zur Öffnung der Eucharistie für evangelische Christen vom Februar 2018 bestätigen“.
Nach dem Glauben der katholischen Kirche ist die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11).
„Mit der Eucharistie stehen die übrigen Sakramente in Zusammenhang; auf die Eucharistie sind sie hingeordnet“(KKK 1324).
Der Empfang der Kommunion bezeugt also das vollständige Bekenntnis zum Glauben der katholischen Kirche und zur Einheit mit der katholischen Kirche.
Bei der Frage nach der gemeinsamen Kommunion, auch für konfessionsverschiedene Ehepaare, geht es also nicht um „Ausgrenzung vom Tisch des Herrn“, „Zank ums Abendmahl“ oder um einen „elitären Geist“, der das Miteinander von Christen verhindert, sondern um das Herzstück des katholischen Glaubens und der Kirche.
Interkommunion hat ein gemeinsames Eucharistieverständnis und die Kirchengemeinschaft zur Voraussetzung!
„Die aus der Reformation hervorgegangenen, von der katholischen Kirche getrennten kirchlichen Gemeinschaften haben vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt.
Aus diesem Grund ist für die katholische Kirche die eucharistische Interkommunion mit diesen Gemeinschaften nicht möglich“ (KKK 1400).
Das „Forum Deutscher Katholiken“ sieht in der Unterschriftensammlung von Publik-Forum den Versuch, evangelische Christen gegen ihren Glauben zu vereinnahmen und katholischen Christen eine häretische Auffassung von der Kommunion zu vermitteln.

Prof. Dr. Hubert Gindert, Sprecher des „Forums Deutscher Katholiken“

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche

Der heilige Vinzenz Maria Strambi erblickte zur großen Freude seiner gut situierten Eltern am 1. Januar 1745 in Civitavecchia, einer Stadt vor den Toren Roms, das Licht der Welt. Er blieb das einzige Kind, auf das der Vater seine Hoffnung setzte, er könne einmal sein Erbe antreten, und die Mutter, er könne als Katholik mit einer guten Bildung sein Leben meistern.
Mit Beginn des Schulalters gaben die Eltern den Jungen in die Erziehung der Franziskaner. Der junge Vinzenz Maria bekam im Zusammenwirken des Elternhauses mit der franziskanischen Spiritualität sein Temperament in den Griff und zog sich, wie seine Mutter feststellte, immer wieder in sein Zimmer zurück, um im Gebet die Nähe Gottes zu suchen.
Im Alter von 15 Jahren bat Vinzenz Maria seine Eltern, ihn in den Klerikerstand eintreten zu lassen. Als Jugendlicher vertiefte Vinzenz sein Glaubenswissen und teilte es mit seinen Freunden. Der Heimatpfarrer übertrug ihm katechetische Aufgaben. Den engeren Weg zum Priestertum schlug Vinzenz mit der „Tonsur“ und dem Eintritt ins Seminar 1762 ein. Als der Vater ihn für eine lukrative Heirat zu überzeugen suchte, schickte Vinzenz ihm ein Bild der Muttergottes und schrieb dazu: „Dies ist meine Braut.“ Weiterlesen

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Kardinal Höffner und seine Judenhelfer: Risiko mit glücklichem Ausgang.

Kardinal Joseph Höffner hat mit seinen über 4000 Veröffentlichungen schon als Sozialwissenschaftler eine überragende Bedeutung. Seine Wirksamkeit als Bischof und Kardinal ist jedoch nicht geringer einzuschätzen. Seine menschliche Größe als Judenretter verlangt aber noch größere Hochachtung.
Wer einmal in einer Diktatur gelebt hat, weiß wie gefährlich eine humanitäre Hilfe für einen Verfolgten sein kann. Joseph Höffner ist 1904 auf einem Bauernhof im Westerwald geboren. Dass einem Menschen das Leben viel abverlangt, musste er schon mit vier Jahren erfahren, als er das Sterben seiner Mutter miterlebte. Der begabte Junge kam auf das Gymnasium und später zum Studium nach Rom. Als er 1934 als Priester nach Deutschland zurückkam, herrschte hier die Hitler-Diktatur. Dass der Nationalsozialismus mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar ist, hatte er schon durch bischöfliche Rundschreiben und durch das Studium der nationalsozialistischen Literatur erfahren. Willi Graf, der später als Mitglied der „Weißen Rose“ hingerichtet wurde, zählte in Saarbrücken zu seinen Ministranten. In Berlin hatte Höffner öfter zu tun, einmal weil dort seine Schwester Elisabeth Seelsorgehelferin war und dann auch, weil er zur Fertigstellung seiner Habilitationsschrift in Berlin Professoren und Archive aufsuchen musste. Bei einem dieser Berlin-Besuche lernte er die jüdische Familie Meyerowitz mit dem siebenjährigen Kind Alice Esther kennen. Schnell entschlossen organisierte Höffner eine „Kinderlandverschickung“ und ließ die kleine Alice Esther in seinen Seelsorgebezirk Kail an der Mosel bringen. Unter strengster Geheimhaltung vertraute er das Kind der Bauernfamilie Wilhelm Heucher an. Dort bekam das Kind den Namen Christa Koch und konnte mit den anderen Kindern des Dorfes die Schule besuchen. Die Rolle eines katholischen Kindes spielte Christa Koch nun so überzeugend, dass keine Zweifel über ihre Herkunft aufkamen. Als Pfarrer Höffner bald darauf nach Trier versetzt wurde, musste er seinen Vorgesetzten Generalvikar Meurers in die Geheimaktion einweihen. Er unterstützte das Kind durch häufige Besuche und vor allem durch heimliche Geld- und Sachspenden. Das Kind überlebte den Krieg und Pfarrer Höffner konnte es Ende 1945 den glücklichen Eltern in Berlin zurückgeben. Sie selbst hatten den Krieg in Berlin in einem leeren Eisenbahnwagen überlebt. Alice alias Christa wanderte später nach Amerika aus und kam 2007 als verheiratete Lisa Lehner nach Deutschland zurück, um sich für die Rettung zu bedanken.
Im Sommer 1943 vermittelte Höffners Schwester Elisabeth ihrem geistlichen Bruder auch das jüdische Arzt-Ehepaar Dr. Edith Nowak zum Verstecken. Dieses Ehepaar brachte Pfarrer Höffner zu seiner Schwester Helene Hesseler auf den elterlichen Bauernhof in Hornhausen im Westerwald. 1946 schrieb Frau Dr. Nowak an Pfarrer Höffner „mit Freuden, um Ihnen endlich einmal zu danken. Damals, als wir nicht wussten wohin, haben Sie uns bei Ihrer Familie im Westerwald untergebracht. Es wäre nicht ohne böse Folgen für Sie und die Ihren geblieben, wenn man erfahren hätte, dass Sie eine Jüdin im Hause verbargen. Glauben Sie mir, dass ich dieses mutige und menschliche Verhalten niemals vergessen werde.“

Eduard Werner

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„Tragödie von historischem Ausmaß“ oder „Grandioser Sieg der Frauen“?

In den Kommentaren zum Volksentscheid in Irland über die Abtreibungsregelung konnten sich Abneigung und Hass auf die katholische Kirche austoben. So heißt es z.B. in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ) vom 29. Mai 2018 unter der Hauptüberschrift „Warum die Iren ja gesagt haben“ und im Untertitel „Die breite Zustimmung zur Liberalisierung der Abtreibung ist auch ein Triumph der Frauen über die alte Vormacht der Kirche“, weiter „Ein längst überfälliger Schritt“ … „Das Gesetz passte schon lange nicht mehr zu diesem liberalen, aufgeschlossenen Land, das sich seit Jahren von der katholischen Kirche abwendet“. … „Die Menschen lassen sich in moralischen Fragen nicht länger mehr von ihr belehren“ … „Über Jahrhunderte herrschte ein von der Kirche gesteuertes Unterdrückungssystem, das vor allem auf Frauen abzielte“. Weitere Kommentare hören sich ähnlich an. So heißt es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „… In all dem zeigt sich der Machtverlust, der einst dominierenden katholischen Kirche“, in der Süddeutschen Zeitung: „Die Macht der Bischöfe, die das Land Jahrhunderte im Griff hatten, ist gebrochen“, Die Welt: „Irland hat sich für die Menschlichkeit entschieden“, die Zeit: „Ein großer Sieg für Menschlichkeit und Mitgefühl“. Die Internationale Presse hat ähnliche Töne. So feierte The Irish Times den „Erdrutschsieg“. „The British Observer“ hofft auf die weltweite Auswirkung des irischen Ergebnisses für die Unterstützung der Frauenrechtsaktivistinnen in den USA und in Polen etc. Weiterlesen

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Das Geheimnis des Bösen

In einem Vorspann zu George Bernanos Buch „Die Sonne Satans“ steht: Bernanos entwarf in seinen Romanen überwältigende Bilder von der mystischen Macht des Bösen und dem Kampf Satans mit Gott in den Abgründen der Menschenseele“. Vor solchen Abgründen stehen wir immer neu.
Am 27. Juli erklärte Kardinal Theodore McCarrick, der frühere Erzbischof von Washington seinen Rücktritt aus dem Kardinalskollegium. Papst Franziskus nahm diesen an, verfügte aber gleichzeitig das Verbot jeglicher Ausübung priesterlicher Dienstämter und stellte McCarrick unter Hausarrest zu einem Leben des Gebets und der Reue, bis alle gegen ihn erhobenen Anklagen geklärt sind. Sie betreffen Missbrauch von Jugendlichen, Seminaristen und Priestern über viele Jahre hinweg.
Das Doppelleben von McCarrick ging inzwischen durch die Presse. Sie hat manche Katholiken aus dem Tritt gebracht. Das muss nicht sein. Wer die Kir-chengeschichte kennt, weiß, dass die Aussage Papst Paul VI.: „Der Rauch Satans ist in die Kirche eingedrungen“ keine neue Erkenntnis war. Johannes Paul II. hat dem mit der „öffentlichen Vergebensbitte“ für die Sünden der Christen Rechnung getragen. Er stieß damit nicht allseits auf Gegenliebe. Es gibt aber nichts zu vertuschen. Die Kirchengeschichte hat aber auch andere, glänzende Seiten aufzuweisen, nämlich die der Märtyrer und Heiligen.
Das Geheimnis der Sünde, das sich hinter einem Lebensablauf wie bei McCarrick verbirgt, ist das eigentlich Erschreckende. Denn die Anfänge sahen oft ganz anders und vielversprechend aus. Manchen mag dabei – um bei einem neuzeitlichen Beispiel zu bleiben – das Leben des Gründers der „Legionäre Christi“ Marcial Maciel in den Sinn kommen. Er hat eine Gemeinschaft gegründet, die bis heute junge Männer fasziniert. Sie steht weltweit im Einsatz für die Kirche und die Menschen und erinnert manche an die große Zeit der Jesuiten. Wer den Gründer erlebt hat, hätte sich sein Doppelleben nicht vorstellen können, das er über Jahre geführt hat. Es war ein stark besuchtes Treffen bei Ingolstadt, zu dem die „Legionäre Christi“, Ende der 90.er Jahre eingeladen hatten. Die Teilnehmer erlebten eine achtungsgebietende Gestalt, die konzentriert und frei zu ihnen sprach. Sie hingen an seinen Lippen. Unter Papst Benedikt XVI. kam sein Doppelleben ans Tageslicht. Benedikt XVI. verfügte mit „Nulltoleranz“ die Niederlegung all seiner Funktionen. Der Gründer der „Legionäre Christi“ verbrachte seine letzten Lebensjahre unter Hausarrest zu einem Leben des Gebets und der Buße.
Die Frage, die immer wieder auftaucht, lautet: Wie konnte das verbrecherische Tun über Jahre hinweg so abgeschirmt werden, dass nichts in die Öffentlichkeit drang? Es musste Komplizen und Mitwisser gegeben haben, die genau Bescheid wussten, aber ein solches Tun deckten. Wie groß war der Kreis der Wissenden? Aber auch diese Frage ist nicht so neu. Denn auch die Jünger Jesu wussten, dass Judas, der Verwalter des Geldes ein Dieb war. Sein Ausspruch: Wozu diese Verschwendung mit dem Nardenöl, mit dem Martha die Füße Jesu salbte, das man für mehr als 100 Denare verkaufen, um das Geld den Armen geben können, war nicht so human gemeint, wie es sich anhörte. Die eigentliche Tragik des Judas, der seinen Meister für 30 Silberlinge verriet, war aber nicht dieses Verbrechen, sondern sein fehlendes Gottvertrauen und die mangelnde Einsicht, Gott werde sogar diese Schuld vergeben, wenn er die Demut zu einer wahren Reue aufbrächte.

Hubert Gindert

Dieser Artikel wird auch in der Monatszeitschrift „Der  Fels“ erscheinen

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Gottes Vorsehungen

Die Hl. Schrift ist angereichert mit Berichten über die Fügungen Gottes: Er rettet Noah aus der Sintflut und schenkt Abraham im hohen Alter Isaak. Abraham wird für uns alle zum Vater im Glauben – ihm wird der Erlöser – der Messias prophezeit. Gott rettet das auserwählte Volk aus Ägypten und macht den Schafhirten David zum König über Israel, dem Er die Sünden des Ehebruches und des Mordes nach dessen Reue verzeiht. Jesus, der einzige Sohn des ewigen Vaters, tritt an die Stelle Isaaks und an unsere Stelle und gibt sich dem Vater aus Liebe am Kreuz für uns dahin, um uns zu erlösen, die Gerechtigkeit Gottes für uns zu erfüllen sowie die Liebe und Barmherzigkeit des Vaters zu offenbaren.
Das Leben eines jeden einzelnen Menschen wird durch die liebende Vorsehung Gottes gelenkt und begleitet. Der Herr berücksichtigt dabei unsere Freiheit und in Seiner Allwissenheit und Allmacht jede nur denkbare Situation. Eine Legende aus Slowenien berichtet uns, wie Jesus zusammen mit Petrus durch das Land wandert und eine gottesfürchtige Bauernfamilie trifft, die sich über die zu erwartende reiche Ernte dankbar freut. Sie will den Sohn in die Stadt zum Studium schicken. Jesus und Petrus werden freundlich bewirtet und verabschiedet. Bei deren weiteren Wanderung zieht ein fürchterliches Gewitter auf und vernichtet zum großen Teil die Ernte der Bauern. Petrus macht Jesus Vorwürfe. Dieser entgegnet ihm, dass Sein himmlischer Vater sehr wohl weiß, was Er tut. Der gottesfürchtige Sohn wäre in der Stadt vom rechten Weg abgekommen – wogegen er hier als Bauer dem Herrn treu bleiben wird. Diese Legende lässt sich leicht auf unser eigenes Leben übertragen. Selbstverständlich dürfen wir nicht die uns widerfahrenden Unglücke Gott direkt zurechnen, als ob Er uns quälen wollte. Gott respektiert die menschliche Freiheit und so sind die meisten schlechten Dinge von den Menschen hausgemacht – manchmal mit böser und sündhafter Absicht, oft aber auch als gedankenlose Handlungen. Weiterlesen

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Tapferkeit, Selbstachtung und eine gute Gemeinschaft 18. Kongress „Freude am Glauben“ zum Thema: Selbstbewusst mit Christus

„Wo aber bekreuzigen sich in unserem Umfeld noch katholische Christinnen und Christen außerhalb des ‚geschützten‘ Kirchenraums in der Öffentlichkeit, mitten im Leben? Faktisch überwältigt sie fast überall die Scham, sich zum eigenen Glauben und Hoffen zu bekennen, unbewusst verbunden mit der elenden Furcht, gegenüber Nichtglaubenden aufdringlich zu wirken.“ Er hat schon die Hand in eine tiefe Wunde gelegt – Bischof Heinz-Josef Algermissen beim Eröffnungsgottesdienst zum 18. Kongress „Freude am Glauben“, und er hat nicht Unrecht. Kaum noch sieht man Christen im Gasthaus oder Restaurant, die vor dem Essen ein Gebet sprechen, und noch seltener, die mit dem Kreuzzeichen beginnen. Andererseits scheint es, es brauche heute wieder mehr denn je den „miles Christi“, den tapferen Soldaten für den Herrn, der für diesen Herrn einsteht und ihn bezeugt. An ihn erinnerte Weihbischof Athanasius Schneider aus Kasachstan beim Abschlussgottesdienst des Kongresses. Und zwischen diesen beiden Pontifikalgottesdiensten gab es viel Gelegenheit, sich mit einem christlichen Selbstbewusstsein auseinanderzusetzen – und es auch zu lernen.
Kompromisse beschleunigen den Untergang
„Selbstbewusst mit Christus“ war denn auch das Thema des Kongresses, der in Fulda vom 20. bis zum 22. Juli stattfand und vom „Forum Deutscher Katholiken“ organisiert wurde.
Eröffnet wurde er vom Vorsitzenden des Forums Prof. Dr. Hubert Gindert, der in seiner Begrüßung den heiligen Petrus Canisius zitierte, der im Zeitalter der Reformation und katholischen Reform deutlich machte: „Kompromisse beschleunigen den Untergang.“
Und ganz in diesem Sinn sprach auch Bischof Algermissen in einem Grußwort über die zur Zeit intensiv diskutierte Erlaubnis für nichtkatholische Ehepartner, die Kommunion im Rahmen der Eucharistiefeier zu empfangen. Der emeritierte Fuldaer Bischof positionierte sich dazu eindeutig im Sinn der kirchlichen Tradition und machte deutlich, dass die Eucharistie Kirche bildend ist – Kirche und Eucharistie also untrennbar zusammenhängen. Darum muss kirchliche Einheit Voraussetzung für den Empfang der heiligen Kommunion sein. Weiterlesen

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